«Ich werde langsam wahnsinnig», sagt Karin Daniel. «Langsam» ist wörtlich zu nehmen. Sie hatte lange Geduld. Doch jetzt ist sie am Punkt, an dem sie sagt: «Ich kann nicht mehr.» Die Bewohner des besetzten Hauses «Schwarze Erle» neben Daniels Wohnung machen der Kindergärtnerin und den anderen Wohnungsbesitzern das Leben schwer. Nicht seit gestern, seit zwei Jahren.

Im Januar 2015 liess sich eine Gruppe Hausbesetzer im ehemaligen Bordell im Eckhaus Schwarzwaldallee/Erlenstrasse nieder. Der Hauseigentümer hätte die Polizei beauftragen können, das Haus zu räumen. Doch das tat er nicht. Er schaute zu, wie die Besetzer jedes Wochenende Partys mit zahlreichen Gästen und lauter Musik schmissen, wie sie das Haus versprayten und wie sich der Müll vor dem Haus türmte.

Polizei setzt andere Prioritäten

Besitzer ist die Firma Fortius Asset Management AG aus dem Kanton Zürich, die schon beim Kauf des Hauses Schlagzeilen gemacht hatte. Für die Verwaltung ist der St. Galler Anwalt Peter Rösler zuständig. Dieser habe den Besitzern zu Beginn eine halbjährige Zwischennutzung zugesichert, schrieb damals die «Tageswoche». Diese Zwischennutzung wäre seit anderthalb Jahren vorbei. Doch: Nichts hat sich geändert, im Gegenteil: «Es wird schlimmer, die Leute breiten sich weiter aus», sagt Nachbarin Margrit Saladin mit Verweis auf einen Bretterbalkon, den sie neu im Hof gebaut haben. Saladin wohnt seit 20 Jahren im Nachbarshaus und hat zuvor nie wegen irgendetwas reklamiert.

Jetzt aber greift sie hin und wieder zum Telefon. Zuletzt tat sie das am Samstag. «Der Polizist sagte mir, er wisse nicht, ob eine Patrouille in der Nähe sei, ausserdem gebe es in der Stadt viel zu tun», erzählt sie. «Ich verstehe ja, dass es Wichtigeres gibt als Lärmklagen. Für uns Anwohner bedeutet es aber, dass wir nicht schlafen können.» Für die Polizei sind Anrufe wegen Lärm aus dem besetzten Haus längst Routine.

Beleben heisst Bass-Beschallung

Karin Daniel lädt kaum mehr Gäste ein. «Ich kann vier von sechs Zimmer nicht mehr nutzen, da alle an das besetzte Haus grenzen», sagt sie. Die Besetzer wüssten dies, zu Beginn habe man auch noch freundlich miteinander geredet und Wege gesucht, die Probleme zu lösen. Als die Besetzer eingezogen sind, haben sie den Nachbarn schriftlich mitgeteilt, dass sie nun da seien und sicher niemanden stören wollten. Das Haus sie ideal, um kreative Projekte zu verwirklichen. Karin Daniel las die Zeilen damals und war angetan von der Idee, den Ort neu zu beleben.

Hauseigentümer prüft Optionen

Die Nachbarn um Karin Daniel haben sich an alle Stellen gewendet, an die man sich wenden kann. An das Stadtteilsekretariat Kleinbasel, das seinerseits auf die Behörden zuging. An die Behörden selber. Und jüngst an die kantonale Ombudsstelle. Dort heisst es aktuell, man suche das Gespräch mit der Polizei. Falls die Ombudsstelle dieselbe Antwort erhält wie die bz, sieht es nicht gut aus für die genervten Nachbarn. Die Frage, ob die Polizei nicht eingreifen könne, solange der Besitzer keine Räumung in Auftrag gebe, lässt Mediensprecher Toprak Yerguz unbeantwortet. Er sagt nur, dass es 2015 gleich viele Lärmklagen gegeben habe wie 2016. «Auskünfte betreffend die Nutzung der Liegenschaft bitten wir Sie bei der Liegenschaftseigentümerin zu erfragen.» Dort hat die bz ebenfalls eine magere Antwort erhalten: «Die Besitzerin prüft zur Zeit ihre Optionen», teilt Anwalt Peter Rösler schriftlich mit. Die Besetzer selber haben auf schriftliche Anfragen der bz gar nicht reagiert.