Kommentar
Behörden verdienen noch immer unser Vertrauen – der Kommentar zur aktuellen Corona-Gefühlslage

Nach mehreren Corona-Ansteckungen an Baselbieter Schulen ist die Verunsicherung gross. Ebenfalls sorgen Entscheide der Behörden für Verwirrung. Fundamentalkritik und Misstrauen ist aber gleichwohl nicht angebracht.

Hans-Martin Jermann
Hans-Martin Jermann
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Stimmungsmässig befinden wir uns derzeit in einer heiklen Phase: Gross ist nach Monaten der Entbehrungen das Bedürfnis nach Normalität. Ebenso gross ist die Angst vor einer zweiten Coronawelle. Die Lockerungsmassnahmen wirken als Ganzes nicht kohärent. Wird nun aus einem Therwiler Primarschulhaus ein positiv auf Corona getestetes Kind gemeldet, verunsichert dies die Eltern der Klassenkameraden – und nicht nur sie. Das ist verständlich. Was ist die angemessene Reaktion der Behörden? Genügt es, wie vorliegend die Kinder der betroffenen Familie aus dem Unterricht zu nehmen?

Schwierig zu beantworten. Gesundheit und Sicherheit sind die höchsten Güter, doch müssen Massnahmen zu deren Gewährleistung angemessen sein. Gelernt haben wir in der Coronakrise auch: Was heute gilt und richtig erscheint, ist bereits nächste Woche überholt. Patentrezepte gibt es nicht. Das klingt zugegeben nicht gerade beruhigend. Die Behörden sind uns – auch im Fall Therwil – Rechenschaft schuldig.

Was Anlass für Optimismus gibt: In der Schweiz haben die Behörden bisher keine offensichtlich gravierenden Fehlentscheide getroffen. Mit der Vernunftsmaxime «So viel Massnahmen wie nötig, so wenig wie möglich» sind wir sehr gut gefahren. Im Gegensatz zu anderen Staaten sitzen bei uns auf Bundes- und Kantonsebene verantwortungsbewusste, besonnene Kapitäne an den Schalthebeln. Abseits blinder Obrigkeitsgläubigkeit ist ein bisschen Vertrauen ihnen gegenüber noch immer angebracht.