«Rhyschwimme»
Bei 21 Grad Wassertemperatur: Eine Stadt geht den Bach ab

Tausende stürzen sich unter den Augen der Lebensretter in den Rhein zwischen Gross-und Kleinbasel.

Daniel Aenishänslin
Drucken
Teilen
Rheinschwimmen 2017
8 Bilder
Lauter kleine farbige Punkte die im Wasser schwammen.
Auch allerhand lustige Verkleidungen fanden sich am Rheinufer ein.
Für das leibliche Wohl wurde ebenfalls gesorgt.

Rheinschwimmen 2017

Daniel Aenishänslin

«Megatoll», schwärmt Sarah, «selbst ein Teil eines grossen Ganzen zu sein.» Die junge Baslerin steigt unterhalb der Johanniterbrücke aus dem Rhein. Vor wenigen Augenblicken hat sie die 37. Ausgabe des Basler «Rhyschwimme» mit seinen fast zwei Kilometern Distanz hinter sich gebracht.

Mit einem Lachen im Gesicht, nicht mit keuchendem Atem. Eine Medaille von der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft Basel, der Organisatorin, gabs trotzdem. Allerdings nur zur Erinnerung, nicht als Auszeichnung. Hier gewinnen alle, die sich vom Rhein treiben lassen. Der Weg ist für einmal tatsächlich das Ziel.

Luft 29 Grad, Wasser 21

Tausende sind bei 29 Grad Lufttemperatur und einer Wassertemperatur von 21 Grad in die Fluten zwischen Gross- und Kleinbasel gestiegen. Am Ufer fand nichts weniger als ein Volksfest statt. Es wurde grilliert, eine Steelband sorgte für Stimmung, ein Dudelsackspieler ebenso.

Es schien, als sei die ganze Welt zusammengekommen. «Unglaublich, wie viel Englisch hier gesprochen wird», wundert sich Leonardo, «die Roche ist präsent.» Eine Anspielung auf die vielen Expats. Doch auch andere Nationen setzten sich in Szene. Beispielsweise waren die Japaner gut vertreten.

Unterwegs habe er die Begeisterung für diesen Sport gespürt, erzählt Leonardo. Der Basler war zum ersten Mal mit dabei. «Mir hat imponiert, mit welcher Freude und welchem Enthusiasmus die Leute mitmachen – ich werde es sicher wieder tun.»

Malte, ein Gast aus der Lüneburgerheide, spricht von einem Gefühl des Schwebens, wenn man sich einfach nur treiben lasse. Allerdings werde es dann mit der Zeit auch ein bisschen kühl. Einige stiegen fröstelnd aus dem Strom. «Zudem ist die Perspektive eine ganz eigene», hat Malte festgestellt, «von so weit unten wirkt alles grösser, irgendwie bedeutungsvoller.»

Bier wird nicht gern gesehen

Im Ziel gibts neben allerlei Erinnerungszeugs etwas zwischen die Zähne. Bananen, Aprikosen, Äpfel und Pfirsiche finden reissenden Absatz. Es scheint, dass das Rheinschwimmen hungrig macht. Ein paar machte es schon vor dem Schwumm so durstig, dass sie sich ein Bierchen gönnten.

Das wird von den omnipräsenten Sicherheitskräften nicht gern gesehen. Diese nehmen ihren Job sehr ernst. Weit vor dem offiziellen Starttermin um 18 Uhr sind die ersten Rheinschwimmer im Wasser. Und die Sicherheitsleute parat. Die Rettungsschwimmenden der SLRG Sektion Basel, erkennbar durch ihre gelbe Badekappen, mischten sich mit Rettungsbrettern und Rettungsbällen unter die Menge, um bei Bedarf sofort zur Stelle zu sein.

Das Rheinschwimmen ist für Pit zur Tradition geworden. «Ich gehe oft im Rhein schwimmen», bestätigt der Basler, «aber an den offiziellen Anlass gehen die meisten wegen der Stimmung.» Was zählt an diesem speziellen Tag, ist vor allem das «Gemeinschaftsgefühl.»