Wahlen 2011
Bei Bürgerlichen herrscht Frauenmangel

Der Frauenanteil ist auf den baselstädtischenListen gegenüber 2007 gesunken – vor allem wegen der Bürgerlichen. Diese finden offenbar kaum noch Kandidatinnen. Nur gerade drei Frauen Frauen wollen für sie nach Bern.

Lucas Huber
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Helen Schai (CVP), Patricia von Falkenstein (LDP) und Sarah Wengeri (FDP): Die einzigen bürgerlichen Kandidatinnen

Helen Schai (CVP), Patricia von Falkenstein (LDP) und Sarah Wengeri (FDP): Die einzigen bürgerlichen Kandidatinnen

bz

Im Kanton Basel-Stadt scheint der Fortschritt unaufhaltsam. Da treten der Freistaat Unteres Kleinbasel, Parteifrei.ch oder die Piratenpartei mit eigenen Kandidaten für die Nationalratswahlen vom 23. Oktober an. Kandidaten ist denn auch das Stichwort. Die weibliche Form fehlt nämlich nicht nur auf den Listen dieser drei Exoten, sondern ist auch auf jenen der etablierten Parteien erstaunlich selten anzutreffen. Unter den 114 Baslern, die einen Nationalratssitz ergattern wollen, tummeln sich gerade einmal 37 Frauen.

SVP wählen, aber nicht engagieren

Das entspricht einem Frauenanteil von 34,2 Prozent – über drei Prozentpunkte weniger als bei den letzten Parlamentswahlen 2007. Auf der Hauptliste der SVP, der wählerstärksten Partei im bürgerlichen Lager, findet sich keine einzige Frau. «Es ist tatsächlich so: Im bürgerlichen Politkader herrscht Ebbe», gesteht Sebastian Frehner, Präsident der Basler SVP und selber Nationalratskandidat. Für ihn ist klar: Frauen wählen im selben Ausmass SVP, wie sie links wählen. Gehe es aber darum, sich zu exponieren und sich für ein Amt zur Verfügung zu stellen, dann würden viele Frauen vor einem Engagement für die SVP zurückschrecken. «Links wählende Frauen gehen eher selber in die Politik als bürgerlich wählende», mutmasst Sebastian Frehner. Das würde erklären, weshalb der Anteil weiblicher Kandidaten bei linken Parteien naturgemäss höher ist. Bei den Basler Linken ist es nämlich umgekehrt: Die SP hat auf ihrer Fünferliste zwei Männer nominiert, das Grüne Bündnis sogar gar nur einen.

«Dieses Phänomen», sagt Frehner, «gibt es bei allen bürgerlichen Parteien.» Ein Blick auf die Kandidierenden bestätigt dies: Auch die Nationalratslisten von FDP, CVP und LDP strotzen vor Testosteron. Jeweils eine Frau findet sich darauf: Die Basler CVP steigt auf ihrer Fünferliste mit ihrer einzigen Grossrätin Helen Schai (63) ins Rennen. Die erfahrene Politikerin hat schon für manchen Wahlkampf der Christdemokraten ihren Namen hergegeben. Dasselbe gilt für Patricia von Falkenstein (50), einzige Kandidatin auf der LDP-Liste und eine von zwei liberalen Frauen im Grossen Rat. Politisch ein unbeschriebenes Blatt ist die einzige FDP-Kandidatin Sarah Wenger. So behaupten böse Zungen, die Nomination der 32-Jährigen auf der Hauptliste der FDP sei ein Betriebsunfall gewesen. Der Nomination am Parteitag im Januar ging der Beschluss voraus, dass mindestens eine Frau auf die Liste zu setzen sei.

Wähler sind mitverantwortlich

FDP-Präsident Daniel Stolz sieht das anders: «Ich bin überzeugt, dass es Sarah Wenger auch so geschafft hätte.» Trotzdem sei sich die Parteileitung der Problematik bewusst. Wenn aber bereits bei den Grossratswahlen, die die Basis für die nationalen Wahlen darstellten, weibliche Kandidierende deutlich weniger Stimmen erzielten als ihre männlichen Kollegen, habe auch der Wähler einiges damit zu tun, fügt Stolz an.

Ein Grund für die mangelnde Frauenbeteiligung im bürgerlichen Lager ist für ihn das Nominationsverfahren, dem sich Frauen generell weniger gerne stellten als Männer. LDP-Präsident Christoph Bürgenmeier will einen weiteren Grund in der Natur erkennen: Frauen seien, alleine durch die Familienplanung, gebundener als Männer. Für die Zukunft der LDP ist er aber optimistisch: «Mit Patricia von Falkenstein haben wir eine sehr gute Kandidatin, und überhaupt sind wir auf gutem Kurs.»

Optimismus herrscht auch bei der SVP: «Wir merken, dass sich das Frauenproblem bei den Jungen entschärft», so Frehner. Tatsächlich: Auf der Liste der Jungen SVP figurieren zwei Frauen. Mitarbeit: Hans-M. Jermann