Schweizer Cup
Bei den Basler Erstliga-Vereinen herrscht der Cup-Ausnahmezustand

Heute empfängt der FC Black Stars den grossen FC Zürich zum Cup-Spiel. Morgen wird der SV Muttenz gegen die Berner Young Boys antreten. Die zwei Präsidenten der Erstliga-Vereine sprechen im Interview mit der bz über den Cup-Ausnahmezustand.

Patrick Pensa
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Trotz der Anspannung vor den Cup-Hits noch zu Spässen aufgelegt. SVM-Präsident Manfred Wieland (links) und Black-Präsident Mauro Gatti.

Trotz der Anspannung vor den Cup-Hits noch zu Spässen aufgelegt. SVM-Präsident Manfred Wieland (links) und Black-Präsident Mauro Gatti.

Muttenz-Präsident Manfred Wieland trifft zuerst ein. Er hat in einer halben Stunde noch eine Sitzung, um letzte Details für das Cup-Spiel zu klären. Mauro Gatti hängt noch am Telefon. «Ich breche zusammen», sagt der Black-Präsident zur Begrüssung. Keine ruhige Minute habe er. Die Lokalmedien, eine Zeitung aus Zürich, das Schweizer Fernsehen – ein Termin jagt den nächsten. So ist es, wenn Unterklassige Super-League-Teams empfangen: Die Black Stars heute den FC Zürich, Muttenz morgen YB.

Mauro Gatti, Manfred Wieland, jetzt wissen Sie, wie sich FCB-Präsident Bernhard Heusler fühlt.

Mauro Gatti: Das ist der Wahnsinn. Ich will auf keinen Fall tauschen. Wobei, wir machen das neben unserem Job. Neben einem 100-Prozent-Pensum. Wenn ich nur das machen müsste, würde ich es mir überlegen.
Manfred Wieland: In dieser Woche braucht es einen kulanten Arbeitgeber.

Drehen wir die Zeit zurück. 17.September. Die Auslosung ist gerade vorbei. Wie lange dauerte es, bis aus Vorfreude Ernüchterung wurde?

Gatti: Ich wusste ja, dass wir nicht in unserem Heimstadion spielen werden, da der Buschweilerhof umgebaut wird. Deshalb habe ich mir von Anfang an Gedanken gemacht, aber die ersten drei Stunden war die Freude gross.
Wieland: Meine Freude war von längerer Dauer. Ich habe erst an der Sitzung am Mittwoch erfahren, was alles auf uns zukommt.
Gatti: Ja, die erste Besprechung. Ursprünglich wollten wir zu dritt zusammensitzen. Am Ende war es eine 15-Personen-Sitzung. Dann kam die Hochrisiko-Einstufung.

Es wurde ausführlich berichtet. Es gab die Idee eines Doppelspiels, der Rankhof wurde diskutiert, die Schützenmatte, jetzt ist es das Joggeli. Die Sicherheitskosten sind bei beiden Teams immens. Wieso gibt man in einer solchen Situation nicht das Heimrecht ab?

Gatti: Wir haben alle Szenarien diskutiert, auch in Zürich zu spielen oder sogar Forfait zu geben. Aber das wollten wir nicht. Black hatte noch nie so ein Spiel, das können wir nicht einfach wegwerfen. Das ist einmalig. Die Stimmung im Joggeli mit wenigen Zuschauern wird nicht so toll sein, aber es ist die beste Lösung.
Wieland: Wir haben das Glück, dass wir im Margelacker spielen können. Dafür müssen wir alles selber aufbauen. Dach, Zusatztribüne, extra Sektoren. Ich bin froh, spielen wir erst am Sonntag. So haben wir noch einen Tag mehr Zeit für die Vorbereitungen.

Das heisst, Sie werden sich das Black-Spiel nicht ansehen?

Wieland: Ich habe eine Einladung erhalten. Aber es wird wohl nicht reichen. Ich werde aber sicher immer auf dem Laufenden sein.

Was haben Sie am Spieltag noch für Aufgaben?

Gatti: Ich bin zum Zuschauen verdammt und werde mich um die Ehrengäste kümmern. Mit dem FCZ-Präsidenten habe ich bereits telefoniert und alles besprochen. Wobei er das Stadion wohl besser kennt als ich. Wieland: Von der Organisation her habt ihr wirklich einen Vorteil mit dem St.Jakob-Park. Ich musste am Telefon sogar erklären, wie der YB-Car zum Margelacker fahren muss.
Gatti: Der Aufwand ist wirklich immens. Die Drähte laufen seit fünf Wochen heiss. Aber das ist es wert.

Was versprechen Sie sich von den Cup-Auftritten für den Verein?

Gatti: Black ist bislang nur in Basel ein Begriff. Wir wollen den Namen in die Schweiz tragen. Es ist schön, dass wir so etwas in unserer Amtszeit erleben dürfen.
Wieland: Wir wollen den Verein zeigen, ein Dorffest veranstalten. Es ist ein Anlass, bei dem der ganze Verein mithilft. Alle sollen profitieren. Natürlich wäre es schön, wenn dadurch ein Sponsor auf uns aufmerksam würde.

Über die Partien wird im Fernsehen berichtet werden. Wer hat eigentlich das bessere Los erhalten?

Wieland: Wir sind sehr zufrieden mit den Young Boys. Wir haben auch ein paar Berner im Verein, von daher wird das bestimmt interessant. Vom Prestige her sind aber beide Vereine wohl in etwa gleich.

Was wollen Sie auf dem Feld gegen die Super-League-Teams erreichen?

Wieland: Wir wollen so lange wie möglich mithalten. Die Null halten und vorne auf etwas Glück hoffen. Wenn bei YB jeder Spieler zehn Prozent weniger als normal gibt, fehlt am Ende ein Mann. Bei uns muss gleichzeitig jeder etwas mehr geben.Gatti: Die Spieler dürfen nicht übermotiviert sein. Wenn einer einen schlechten Tag hat, ist es vorbei. Trotzdem sollen alle die 90 Minuten geniessen. Dass Zürich uns zweimal beobachtet hat, zeigt, dass sie uns nicht unterschätzen.

Was wäre das Wunschresultat?

Gatti: 89.Minute. Tor für uns. 1:0. Lichterlöschen.
Wieland: Dito.

Herr Gatti, werden Sie am Sonntag beim Muttenz-Spiel sein?

Gatti: Das hängt natürlich schwer vom Resultat ab. (Lachen.)
Wieland: Ohje, wenn er gewinnt, müssen wir eine neue Türe bauen, damit er hindurch passt.
Gatti: Nein, ich werde auf jeden Fall dort sein.