Stadtcasino
Bei den Bauarbeiten am Barfi stiessen die Archäologen auf eine Überraschung

Bei Rettungsgrabungen im Basler Stadtcasino sind Archäologen auf eine rund 400 Jahre alte Goldmünze gestossen. Es handelt sich um einen spanischen Escudo mit einem Gewicht von 3,4 Gramm.

Nicolas Drechsler
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Bei Ausgrabungen im Kreuzgarten des ehemaligen Barfüsserklosters wurden diese Goldmünzen gefunden.

Bei Ausgrabungen im Kreuzgarten des ehemaligen Barfüsserklosters wurden diese Goldmünzen gefunden.

zvg

«Siglo de Oro», das goldene Jahrhundert heisst in Spanien die Zeit zwischen etwa 1550 und 1681. Eine Zeit, in der die Kultur Spaniens blühte, die Wirtschaft aber teils darbte und den Spaniern, kurz nach dem Erreichen des Zenits ihrer Macht, das Kriegsglück nicht mehr durchweg hold war.

Echtes Gold aus dieser Zeit haben nun die Basler Kantonsarchäologen unter dem Stadtcasino gefunden. Dort wo derzeit der Um- und Anbau am Musiksaal gemacht werden. Einen Escudo aus der Zeit von Felipe III. «Dieser Fund hat uns einigermassen überrascht», sagt der Leiter der Kantonsarchäologie, Guido Lassau. «Die Numismatiker haben uns dann aber erklärt, dass diese Escudos eine gesamteuropäisch anerkannte Währung waren».

Wohl irrtümlich vergraben

In der Tat gehört der Escudo in eine Reihe mit deutschen Gulden und venezianischen Dukaten, Währungen, für die alljährlich fixe Wechselkurse festgelegt wurden und die alle rund 3,5 Gramm Gold enthielten. Wie der Escudo nach Basel gelangte und wieso man ihn mit seinem Besitzer bestattete, das lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Dass er mit einer Leiche vergraben wurde, dürfte aber ein Irrtum gewesen sein. Immerhin hatte ein Escudo damals etwa die Kaufkraft, die heute 150 Franken entspricht.

Für Lassau sind die wahren Highlights der Ausgrabung aber andere: «Vor allem freut es uns, dass wir den Kreuzgang des ersten Klosters nun nachvollziehen können, das nur etwa von 1250 bis 1300 stand. Danach wurde es abgerissen.»

Aber auch die bislang gefundenen 240 Gräber und 50 wieder bestatteten Skelette, die auf engstem Raum geborgen wurden, verblüffen: «Der Friedhof ist einigermassen erstaunlich. Und zwar, weil wir dort im Kreuzgang und Klostergarten nicht mittelalterliche Mönchsgräber gefunden haben, sondern sehr viele Gräber auf sehr engem Raum aus der nachreformatorischen Zeit», sagt Lassau. Das sei so nicht zu erwarten gewesen und allenfalls mit einer Epidemie erklärbar.

Eine Fülle an Funden

Beeindruckend sei aber vor allem die Dichte der historischen Zeugnisse in der Grabung. «Da haben wir den Musiksaal, darunter nachreformatorische Funde, dann mittelalterliche und sogar die innere Stadtmauer», schwärmt der Kantonsarchäologe. Doch es sind auch erschütternde Funde dabei: Ab dem 17. Jahrhundert wohnten am Barfi in der damaligen Irrenanstalt, dem «Almosen» die Kranken offenbar mitten in einem Friedhof. Und wurden auch hier bestattet, davon zeugen mehrere aufgebohrte und ein aufgeschnittener Schädel. Zeugen aus den finsteren Zeiten der Medizingeschichte.