Vor vier Jahren hatte die SP einen guten Riecher: Sie lancierte im Wahlkampf Initiativen für tiefere Krankenkassenprämien und billigere Wohnungen – zwei Themen, die der Basler Bevölkerung auch heute noch speziell unter den Nägeln brennen, wie die repräsentative Umfrage von bz und «Tageswoche» bei 1800 Teilnehmenden ergeben hat. Doch mehr als ein gutes Wahlresultat für die Genossen hat die Krankenkassen-Initiative seither nicht gebracht, die Prämien stiegen munter weiter, und im Dezember 2014 wurde die Initiative zurückgezogen.

Sorgenbarometer

Sorgenbarometer

«Wir haben die Initiative gegen die steigenden Krankenkassenprämien zurückgezogen, weil die Bürgerlichen sich dagegen wehrten», sagt SP-Präsidentin Brigitte Hollinger. Und der damalige Präsident Martin Lüchinger sagt: «Wir mussten zähneknirschend zur Kenntnis nehmen, dass die Initiative zwar gut zustande gekommen ist, das Gesundheitsdepartement aber keine wirkungsvollen Massnahmen ergreifen wollte.»

Grösste Herausforderung

Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) sagt zu den Umfrage-Ergebnissen: «Das macht mir Sorgen.» Die Krankenkassenprämien seien die grösste Herausforderung im Basler Gesundheitswesen. «Wir arbeiten intensiv an einer Stabilisierung der Kostenentwicklung, unter anderem mit einer Verstärkung der Zusammenarbeit mit dem Kanton Baselland. Langfristig muss der Weg über eine Stärkung der Patientenkompetenz führen.»

Schmarotzerkanton Baselland

Nebst den Krankenkassen-Prämien bereitet den Baslern auch die Zusammenarbeit mit dem Baselbiet Sorgen. Über 70 Prozent finden, dass der Landkanton übermässig von der Stadt profitiert. Zudem ist eine Mehrheit der Städter der Meinung, dass sich der Bund zu wenig um die Basler Probleme kümmere. Und für 65 Prozent ist das Lädeli-Sterben in der Stadt ein Problem. Besonders spannend daran: Jene Umfrageteilnehmer, die angegeben haben, dass sie selbst oft im Ausland einkaufen gehen, empfinden das Lädeli-Sterben in der Stadt stärker als Problem als jene, die ihre Einkäufe vor allem in Quartierläden erledigen.

Hohes Gewicht für Sicherheit

Nur 30 Prozent der Basler sagen, dass sie sich im öffentlichen Raum unsicher fühlen. Jedoch ist das Thema Sicherheit für diese Personen auch gleichzeitig eines der zentralen Probleme, wie eine Detailbefragung zum Stellenwert ergab. Jeder vierte Umfrageteilnehmer sagte, dass das Thema Sicherheit eines der drei grössten Probleme sei.

Dasselbe Phänomen zeigt sich beim Wohnungsangebot: Zwar empfinden nur 31,6 Prozent der Befragten das Angebot an Wohnungen als eindeutig zu knapp, bei der Gewichtung nach Stellenwert landet die Wohnungs-Frage jedoch gleich hinter den Prämien auf Platz zwei. Lüchinger sagt dazu: «Mit dem Thema überteuerte Mieten wird man relativ selten konfrontiert, nämlich nur, wenn man auf Wohnungssuche ist. Dann aber umso heftiger. Die Krankenkassenprämien hingegen belasten die Menschen jeden Monat, wenn sie die Rechnung begleichen müssen.»