Basel
Bei den UPK beginnt das grosse Aufräumen

Direktor Gerhard Ebener hinterlässt bei den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) mehrere Baustellen. Sein Stellvertreter Andreas Windel will sein Nachfolger werden - und das Gegenstück zum abtretenden Ebner sein.

Valentin Kressler
Drucken
Teilen
Direktor Ebner (rechts im Bild) verlässt die UPK Mitte Mai.

Direktor Ebner (rechts im Bild) verlässt die UPK Mitte Mai.

Konrad Widmer sucht die Herausforderung. 2004 wollte er, damals Direktor des Universitäts-Kinderspitals beider Basel, für die SVP in die Basler Regierung einziehen. Doch nur wenige Tage nachdem er seine Kandidatur angekündigt hatte, zog er sie wegen eines parteiinternen Machtkampfs wieder zurück. Acht Jahre später hat der Mediziner doch noch einen Topjob beim Kanton inne: Seit Anfang Jahr ist er Verwaltungsratspräsident der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK).

Und Widmer steht hier vor einer gewaltigen Herausforderung. Er muss nicht nur die UPK, die auf Anfang 2012 verselbstständigt wurde, in eine neue Ära führen. Er muss auch mehrere Krisenherde löschen.

Nachdem Gerhard Ebner Mitte April bekannt gegeben hatte, dass er die UPK Ende Mai verlassen wird, hat Widmer einen neuen Direktor zu suchen. Ebner trat 2007 die Nachfolge von Fritz Jenny an, er konnte aber nicht in dessen Fussstapfen treten. Ebner sagt, er verlasse die UPK aus «privaten und beruflichen Gründen». Also freiwillig. Doch ganz freiwillig ist sein Abgang kaum. Bei den Angestellten ist Ebner, der von Gesundheitsdirektor Carlo Conti (CVP) gewählt wurde, nicht beliebt. Eine 2010 durchgeführte Mitarbeiterbefragung stellte ihm ein schlechtes Zeugnis aus. Die «NZZ am Sonntag», welche die Querelen ans Licht brachte, schrieb 2011 von einem «Klima der Angst und Repression».

Ein weiterer Kritikpunkt lautet, dass die Suche nach der ärztlichen Leitung viel zu lange dauerte. Nachdem Franz Müller-Spahn im August 2009 starb, blieb die Stelle über zwei Jahre vakant. «Hinter der Freiwilligkeit des Abgangs von Herrn Ebner möchte ich ein grosses Fragezeichen setzen», sagt VPOD-Präsident Urs Müller. «Nach dem Tod von Müller-Spahn haben wir das Gefühl bekommen, dass ein Führungsvakuum entstanden ist.» Ebner sei unnahbar und habe mangelnde Führungsqualitäten. «Die Befragung hat bei den Mitarbeitern Hoffnungen geweckt, die sich nicht erfüllt haben.» Einer, der Ebner gut kennt, sagt, dieser sei sehr auf sich selbst bezogen. «Ich hätte ihn nicht angestellt.»

Freiwilliger Abgang?

Widmer betont gegenüber dem «Sonntag», dass Ebners Abgang freiwillig erfolgt sei. «Vonseiten des Verwaltungsrats ist die Kündigung völlig überraschend gekommen. Sie ist von ihm selbst ausgegangen.» Widmer schliesst aber nicht aus, dass die Geschehnisse der vergangenen Jahre zur Kündigung beigetragen hätten. Zudem habe Ebner das Fehlen von Müller-Spahn Substanz gekostet. Die Vorwürfe an die Adresse von Ebner bezeichnet Widmer als «nicht nachvollziehbar und unschön». «Solche Dinge möchte ich nicht über mich lesen.»

Seit Anfang Jahr ist die Österreicherin Undine Lang neue ärztliche Direktorin. Die 38-Jährige, die zuvor in der Psychiatrischen Klinik Charité in Berlin tätig war, hat jedoch wenig Erfahrung und nicht das Renommee eines Müller-Spahn, der im In- und Ausland hohes Ansehen genoss. «Sie hat grosses Potenzial und wird eine tolle ärztliche Direktorin», ist Widmer überzeugt. Er werde alles daran setzen, sie zu unterstützen.

Ebners Posten bleibt vorerst vakant. Interimistisch soll der bisherige Stellvertreter Andreas Windel, Leiter Betrieb, Anfang Juni 2012 die Direktion übernehmen. VPOD-Präsident Müller fordert, dass Widmer einen Nachfolger findet, der die Mitarbeiter beim Prozess der Verselbstständigung mitnehmen könne. «Es braucht eine klare, offene und transparente Linie.»

Gegenüber dem «Sonntag» kündigt Interimsleiter Windel an, dass er sich für den Chefposten bewirbt. Er wünsche sich eine Zusammenarbeit, die auf Vertrauen und einer offenen Kommunikationskultur beruhe. «Ich möchte, dass wir wieder in ruhigere Gewässer kommen.» Anfang April hat der Verwaltungsrat die Firma MPB beauftragt, einen neuen Direktor zu finden. Widmer hofft, dass die Stelle Anfang Oktober 2012 besetzt sein kann. «Auch Herr Windel ist ein grundsätzlich möglicher Kandidat», sagt Widmer. Als neuen Direktor wünscht er sich «jemanden, der teamfähig ist, aber auch ein Team führen kann sowie ein Herz für die universitäre Seite hat». Gesucht ist also ein Anti-Ebner.

EU will Gelder zurück

Widmer hat eine weitere Baustelle: Wie «Onlinereports» Mitte April berichtete, will die EU Gelder zurück, weil sich ein UPK-Projektleiter bei einem Forschungsprojekt nicht an die Vorschriften gehalten hatte. Der Verwaltungsratspräsident präzisiert die bisher kursierenden Zahlen. Gemäss Widmer geht es um rund zwei Millionen Franken plus eine Busse von zehn Prozent. Dazu komme ein Schaden im UPK-internen Projektkonto von einer Million, womit die Forderungen insgesamt «gut 3,5 Millionen» betragen. «Eine Gesamtrechnung von der EU liegt aber noch nicht vor.» Dennoch hatte die UPK dafür bereits Rückstellungen zulasten der Staatsrechnung in der Höhe von 5,4 Millionen gebildet. Das ist deutlich mehr als die geforderten 3,5 Millionen. Bei der Bildung der Rückstellungen sei man von einem höheren Betrag ausgegangen, sagt Widmer. «Wenn wir die Altlasten beseitigt haben, werden wir die Gelder dem Kanton selbstverständlich zurückgeben.»

Die Personalquerelen und der hohe Rückstellungsbetrag haben die Politiker aufgeschreckt. Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission beschäftigen sich damit. UPK und Gesundheitsdepartement müssen sich auf kritische Fragen gefasst machen. Eine Interpellation wurde bereits eingereicht. Die UPK habe Vorkehrungen getroffen, damit sich ein solcher Fall nicht wiederholt, sagt Widmer. Das interne Projektcontrolling sei verbessert worden. «Alleine kann man jetzt nicht mehr etwas von einem Konto abheben.»

Das genügt Mustafa Atici (SP) nicht: An der nächsten Grossratssitzung wird er einen Vorstoss einreichen, in dem er fordert, dass die Verwendung der Forschungsgelder besser kontrolliert werde. Dieser Vorfall sei «rufschädigend», sagt Atici. «Bei solchen Forschungsprojekten muss künftig die Universität das Controlling sicherstellen.»

Verwaltungsratspräsident Widmer, unterdessen nicht mehr bei der SVP, steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Da stellt sich die Frage, ob er nicht gleich selbst den Direktoren-Posten übernehmen möchte. Ein Büro auf dem UPK-Gelände hat er bereits bezogen. Doch Widmer winkt ab: «Ich möchte nicht mehr so viel arbeiten.»

Aktuelle Nachrichten