Neuer Kommandant
Bei der Basler Polizei soll endlich wieder Ruhe einkehren

Martin Roth übernimmt Polizeispitze – und damit grosse Herausforderungen. Die Basler Politik ist zufrieden. Sicherheitsdirektor Baschi Dürr ist zufrieden. Und auch Martin Roth freut sich auf seine neue Aufgabe. Die Regierung hat den 52-jährigen promovierten Chemiker zum Nachfolger von Gerhard Lips gewählt.

Daniel Ballmer
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Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (l.) hofft, dass unter Martin Roth wieder Ruhe ins Basler Polizeikorps einkehrt.

Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (l.) hofft, dass unter Martin Roth wieder Ruhe ins Basler Polizeikorps einkehrt.

Roland Schmid

Martin Roth ist klar, worauf er sich einlässt: «Ich freue mich auf die Aufgabe, habe aber auch grossen Respekt davor.»

Der frischgebackene Polizeikommandant weiss, wovon er spricht. Die Basler Polizei ist in den letzten Jahren immer wieder in die Negativschlagzeilen geraten. Mit der Dienstwagen-Affäre, den Irrungen und Wirrungen um einen mutmasslichen Türkei-Spitzel, Sonderbehandlungen für das Kader, Schändungsvorwürfen oder Amtsgeheimnisverletzungen spitzte sich die Situation immer mehr zu.

Nun soll Martin Roth wieder Ruhe ins Korps bringen. Die Basler Regierung hat den 52-jährigen promovierten Chemiker gestern zum Nachfolger des Ende Mai per sofort zurückgetretenen Gerhard Lips gewählt. Sicherheitsdirektor Baschi Dürr hatte damals die Reissleine gezogen, nachdem die Situation für den FDP-Regierungsrat nicht mehr tragbar geworden war. Von unterschiedlichen Auffassungen und «führungskulturellen Differenzen» war damals die Rede.

Roth war seither Interimskommandant. Die Wahl der internen Nummer drei hatte viele überrascht, war damit doch Vizekommandant Rolf Meyer übergangen worden. Roth aber kann sich schon jetzt gutschreiben lassen, dass es um die Basler Polizei seither ruhiger geworden ist. Nun wird die Übergangslösung zum Definitivum.

Es warten viele Herausforderungen

Roth habe sich gegen insgesamt 40 interne und externe Kandidaturen durchgesetzt, warb Regierungsrat Dürr bei der gestrigen Präsentation vor den Medien. «Er überzeugte als sehr erfahrene Persönlichkeit.» Der bisherige Stabschef ist seit 18 Jahren in verschiedenen Funktionen bei der Kantonspolizei tätig und habe zuvor auch in der Privatwirtschaft Führungserfahrung gesammelt. «Roth ist ein Macher und Denker», rührte Dürr weiter die Werbetrommel und verwies weiter auf dessen Erfahrung bei Grosseinsätzen wie der OSZE-Konferenz oder dem Europa-League-Final. Auch sei es Roth in seiner gut viermonatigen Interimszeit «glaubwürdig gelungen, das Klima im erweiterten Kader der Kantonspolizei spürbar zu entspannen». – «Und das in einer nicht ganz einfachen Zeit mit einigen Problemen», betonte Dürr.

Auch Roth selber sprach von einer «spannenden, aber nicht ganz einfachen Zeit». Anstatt über die Vergangenheit aber sprach er gestern lieber über die Zukunft der Basler Polizei. So zählte er fünf grosse Herausforderungen auf, denen sich das Korps in den nächsten Jahren zu stellen habe:

1. Die Basler Polizei sieht sich einem Technologiewandel gegenüber, der mit dem angelaufenen Reformprojekt «Kapo 2016» sowie dem Umbau des Spiegelhofs bewältigt werden soll. Eine höhere Effizienz soll dabei Ressourcen freimachen für den Einsatz auf der Strasse.

2. Es gelte, auf die gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren. Roth sprach dabei die Demografie, die 24-Stunden-Freizeitgesellschaft sowie das erwartete Wachstum der Basler Bevölkerung an. «Ich will deshalb definitiv mehr Fusspatrouillen», sagte Roth.

3. Als weitere Herausforderung erkennt Roth die Gefahr von Terroranschlägen. Mit zusätzlichem Material sowie taktischen und mentalen Schulen will er die Polizei auf mögliche Szenarien vorbereiten und gleichzeitig die Bevölkerung sensibilisieren.

4. Das Vertrauen der Basler Bevölkerung in ihre Polizei soll weiter gestärkt werden. «Es passieren Fehler und ich will einen transparenten Umgang damit», erklärte der neue Kommandant.

5. Was gegen aussen hin gilt, ist intern nicht anders: Auch in der Mannschaft sowie auf Kommandoebene müsse vermehrt aus Fehlern gelernt werden. Roth: «Fehler sind ein Naturgesetz. Das müssen wir akzeptieren und dazu stehen.»

Gleichzeitig will Roth nun die Organisation der Polizeileitung und die Zuständigkeiten überprüfen. Auf Details wollte er allerdings noch nicht eingehen.

Vorgänger mussten alle gehen

«Es geht hier um Evolution, nicht um Revolution», versicherte Sicherheitsdirektor Dürr, der sich nach unruhigen Zeiten, die selbst seine Wiederwahl in die Regierung gefährdet hatten, nun endlich wieder Ruhe im Korps wünscht. Darauf hofft auch die Basler Politik, welche die Wahl Roths von links bis rechts begrüsst (siehe Reaktionen rechts). Dass Dürr klare Erwartungen hat, liess er schon nach der Trennung von Lips klar durchblicken: «Jetzt sind alle ‹ghaue oder gstoche› in der Pflicht, eine Lösung zu finden», betonte er damals. «Ich habe da eine klare Erwartungshaltung. Ich will Fortschritte sehen.»

Das ist auch Martin Roth bewusst. Aller Vorschusslorbeeren zum Trotz: Die Aufgabe ist nicht einfach. Sein Vorgänger Gerhard Lips war nicht der Erste, der das schmerzhaft erfahren musste. Vor ihm hatte bereits Roberto Zalunardo unter Nebengeräuschen seine Stelle räumen müssen. Bei seiner Bewerbung habe ihn das nicht gross beeinflusst, sagt Roth. Er weiss ohnehin, worauf er sich eingelassen hat.