Sauter
Bei der Firma Sauter ist der Hauptsitz auch Labor und Arbeitsprobe

Die Basler Firma ist einer der Branchenleader in Sachen Energieeffizienz – und sie bleibt der Region treu. Sauter stellt unter anderem Hard- und Software sowie Module für Gebäude-System-Management inklusive Software, Mess- und Regeltechnologie her.

Stefan Schuppli
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Das produktive Herz der Sauter: die Fertigungshalle.

Das produktive Herz der Sauter: die Fertigungshalle.

Juri Junkov

Vor gut hundert Jahren machte der Grindelwaldner Fritz Sauter eine bahnbrechende Erfindung: Er entwickelte Schaltuhren für Strassenbeleuchtungen und für die Nutzung des günstigen Nachtstromes.

Die Firma expandierte rasch und wurde nach Basel verlegt. Mit dem «Cumulus»-Boiler, der über einen solchen Nachtschalter verfügte, gelang Sauter der Durchbruch.

Noch heute gehören Schalt- und Regelsysteme zum Kerngeschäft der Firma. Allerdings sind sie heute hochkomplex, elektronisch gesteuert und oft in ein ganzes Gebäudetechnik-System integriert. Das Schlüsselwort heisst Energieeffizienz.

Boom durch die Energiewende

«Im Rahmen der Energiewende kommt der Effizienz eine eminent wichtige Bedeutung zu», sagt CEO Bertram Schmitz. Der grösste Teil der Energie wird noch immer im Gebäudebereich konsumiert - und auch verschwendet. Der durchschnittliche Energieverbrauch eines kommerziellen Gebäudes könne von 170 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr und Quadratmeter auf 34 kWh gesenkt werden.

«Im Prinzip braucht man da keine Kernreaktoren mehr», meint Schmitz. Wobei der Gebäudeautomation sogar noch eine grössere Bedeutung zukomme als der Aussenisolation.

Die grosse Besonderheit der Firma Sauter: Sie produziert ausschliesslich hier in Basel, also nicht im EU-Raum, nicht in Korea, nicht in China. Die Kosten sind wegen des teuren Frankens zwar hoch, dafür bietet Sauter Produkte an, die weltweit fast konkurrenzlos sind und mit denen Sauter auf dem Markt einen respektablen Preis erzielen kann.

Eigene Meinung ist gefragt

Eine weitere Besonderheit des Basler Betriebes ist die Organisation der Produktionsarbeit in Arbeitszirkeln. Die Mitarbeitenden der jeweiligen Gruppen führen nicht nur die Aufträge aus, sondern sie besprechen Arbeitsorganisation und -abläufe. Ihre Inputs sind ausdrücklich willkommen.

Mit dem Modell liessen sich die Produktionskosten bis zu 20 Prozent reduzieren, sagt Schmitz. Die Durchlaufzeit könne bis zu 50 Prozent und der Flächenbedarf in der Produktion bis zu 75 Prozent gesenkt werden. Die Fertigungstiefe ist gross oder salopp gesagt: Vieles wird vor Ort hergestellt, weniges zugekauft. Selbst Produktionsautomaten wurden hier entwickelt und gebaut. «Der Firma geht es gut», sagt Schmitz knapp.

Ertragszahlen publiziert das Familienunternehmen nicht. Im Bereich der Gebäudeautomation gilt Sauter heute als eine der führenden Firmen. Nicht zuletzt deshalb bekommt sie immer wieder anspruchsvolle Aufträge. Etliche Bauten, die dank der Gebäudeautomation von Sauter in den Zertifizierungsprogrammen gut abschnitten, wurden ausgezeichnet.

Energieverbrauch nahe Null

So auch ein Bürogebäude bei München, das die höchstmögliche Gebäudezertifizierung erhalten hat. Es sei ein «Beinahe-Nullenergiehaus», meint man bei Sauter. Der Elithis-Turm in Dijon sei das erste kommerzielle Positivenergiehaus der Welt. Dieses Haus braucht per Saldo keine Energie, es produziert sogar welche.

Auch das eigene Hauptsitz-Gebäude hinter dem Badischen Bahnhof setzt neue Massstäbe. Es ist der erste Minergie-Industriebau in der Nordwestschweiz und benutzt eigene Gebäudeautomationssysteme zur Optimierung der Energieflüsse.

Das Haus beherbergt Büros, Besprechungsräume, Produktionshallen, Lager und Spedition mit LKW-Rampe, die alle mit Tageslicht versehen sind und kürzeste Arbeitswege ermöglichen.

Grundwasser und Sonnenenergie

Das Gebäude nutzt erneuerbare Energiequellen auf intelligente Weise. Besonders eindrücklich ist das in der Energiezentrale im Keller zu sehen: Die Steuerungsanlage, die Wärmeaustauscher und -Pumpen, die dicken Rohre, in denen das Grundwasser - 11,3 Kubikmeter pro Sekunde - hoch- und wieder zurückgepumpt wird, dem Wärme oder Kälte entnommen wird.

Auf dem Dach produziert eine Solarstromanlage maximal 70 kW Strom. Das Gebäude, 60 Meter lang und 17 Meter hoch und mit einer nutzbaren Fläche von 8 600 Quadratmetern, verursacht Energiekosten von gerade mal 10 000 Franken pro Jahr.

Kürzlich hat Sauter für dieses Haus den KMU-Preis der IWB in der Kategorie «Effizienz» bekommen. Durch den Einbezug von Wetterdaten können auch meteorologische Bedingungen wie Kälteeinbruch oder Sonneneinstrahlung in den Regelungsstrategien berücksichtigt werden.

Bis zu einer Aussentemperatur von minus fünf Grad kann die Energieversorgung des Gebäudes ohne fossile Energie gewährleistet werden, was sowohl im letzten Winter als auch im Hitzesommer bewiesen wurde.

Die Camions liefern ihre Ware an einem kälteisolierten Dock an. Das neue Haus wird Kunden gleich als Referenz vorgeführt: Hier kann die ganze Sauter-Produktpalette live erlebt werden. Und es ist auch ein Labor: Wird ein neues Teil entwickelt, wird es hier zum ersten Mal getestet.