Er sagt es, als wäre es das Normalste der Welt. «Wenn ich hier bin, esse ich Insekten.» Roger Greiner ist täglich «hier». Als Wirt des «Bug a Thai» im Kleinbasler Foodcourt Klara hat der 40-Jährige alle Hände voll zu tun. Seit der Eröffnung vor einem halben Jahr serviert er seinen Gästen nebst herkömmlichem Thai-Food auch Speisen mit Insekten – und das nicht zu knapp.

Jeder fünfte Gast bestellt ein Gericht mit Mehlwürmern, Grillen oder Heuschrecken. Das können bis zu 35 Bestellungen an einem Tag sein. Mit diesem Erfolg hätte Greiner nicht gerechnet. «Ich bin positiv überrascht.» Denn bis vor kurzem sei die Vorstellung, Insekten zu essen, für viele hierzulande vor allem eins gewesen: eklig.

«Bug a Thai» in Zürich geplant

Am 1. Mai vor einem Jahr hat sich das schlagartig geändert. Damals liess der Bund Insekten als Lebensmittel zu. Bald schon lagen die Tiere bei Grossverteilern in den Regalen. Als erster Gastronom brachte Greiner Insekten auf den Beizen-Teller. Zunächst in Form von Burgern bei der Bollwerk-Buvette, im Herbst darauf folgte das «Bug a Thai». Geplant ist, die Buvette oberhalb der Heuwaage Mitte April wieder zu eröffnen, sofern es das Wetter zulässt.

Doch zwei Insekten-Betriebe reichen Greiner nicht mehr. Er will expandieren – und das nicht nur in Basel. Er liebäugelt damit, in Zürich eine «Bug a Thai»-Filiale zu eröffnen. «Es gibt noch kein Restaurant dort, das Insekten im grossen Stil anbietet», sagt er. Bisher gäbe es in Zürich erst einzelne Beizen, die «auch noch etwas mit Insekten» auf der Karte hätten. «Mehr so nebenbei, etwa so wie Lokale, die auf der Dessertkarte nebst all den aufwendigen Desserts auch eine Kugel Glace anbieten.»

Nachhaltigkeit wichtiger als Profit

Noch sei Zürich aber nicht spruchreif. Im Gegensatz zu Basel, wo Greiner schon Mitte April expandieren wird, wenn auch nur temporär. Zusammen mit seinem Partner, dem Insekten-Food-Lieferanten Esento Food AG, erweitert Greiner das Essensangebot im Muba-Foodcourt um Insekten-Currys und dergleichen. Dasselbe wird er im Juni an der «Art» tun. Seine Motivation: «Ich möchte den Gästen nachhaltige und lokale Alternativen anbieten. Es ist langweilig, nur Produkte wie industriell hergestellte Cola oder Mars anzubieten», sagt er.

Finanziell lohnen würde es sich für ihn aber mehr als der Insekten-Food: Noch ist der Einkauf nicht billig und die Marge klein. Greiner betont aber, ihm gehe es um Nachhaltigkeit und nicht um den Profit. Der Futter- und Wasserverbrauch ist bei einer Insektenzucht wesentlich kleiner als etwa bei Rinderzuchten, wie die UNO bestätigt. Ausserdem enthalten Insekten Proteine und wichtige Mineralstoffe und können als Fleischersatz konsumiert werden.

So gut das alles klingt: Vier von fünf «Bug a Thai»-Gästen ziehen herkömmliche Speisen den Grillen und Würmern vor. Von einem Boom kann trotz Erfolg keine Rede sein. «Das braucht Zeit», sagt Greiner. Vor einem Jahr habe noch niemand in der Schweiz von Insekten als Nahrung und «nachhaltiger Protein-Alternative» gesprochen. «Doch schon bald wird dieses Essen so normal sein, wie es inzwischen beispielsweise Sushi ist.» Vor 20 Jahren hätten die meisten Schweizer die Nase gerümpft bei der Vorstellung, rohen Fisch essen zu müssen. Und jetzt? Sushi-Stände überall.

Kinder als Kunden der Zukunft

Um den Insektenfood salonfähiger zu machen, liebäugelt Roger Greiner auch damit, selber eine Insekten-Zucht aufzubauen. Dafür braucht er in erster Linie einen Wasseranschluss und ein paar Quadratmeter Platz. In den kommenden Wochen wird er sich mögliche Lokale in der Umgebung anschauen. Wo, verrät er noch nicht. Nur das: «Der CO2-Ausstoss in Basel wird sich durch eine solche Zucht kaum erhöhen.»

Höchstens der Ekelfaktor mancher Leute. Wobei Greiner relativiert: «Es sind vorwiegend Erwachsene, die Respekt zeigen oder Ekel vor Insekten haben. Kinder essen die Tierchen, als wäre es das Normalste der Welt.» Er ist überzeugt: «Das ist die Zukunft!» Seine Tochter ist 10 Monate alt. Spätestens an ihrem zweiten Geburtstag bekommt sie ihren ersten Insekten-Snack.