Zirkus

Bei Jani Nuutinen werden die Schatten lebendig

Mit 13 Jahren stand Jani Nuutinen erstmals in einer Manege.

Mit 13 Jahren stand Jani Nuutinen erstmals in einer Manege.

Der finnische Jongleur und Illusionist eröffnet das Basler Festival «Zirka Zirkus – und versetzt sein Publikum in Schrecken.

Der «Zirka Zirkus» geht in die dritte Runde und bringt neuste Formen des zeitgenössischen Zirkus nach Basel. Eröffnet wird das Festival vom Finnen Jani Nuutinen, der in der Szene des «Cirque Nouveau» eine Grösse ist. Doch was ist das überhaupt, «Cirque Nouveau»?

In den 1970er-Jahren entstanden in Frankreich Kunstformen, die sich an der Schnittstelle zwischen Zirkus, Performance, Theater, Tanz, Musik, bildender Kunst sowie Licht- und Mediendesign bewegten. Statt um Pferdedressuren, klassische Clown-Nummern und Menschenpyramiden geht es beim «Cirque Nouveau» um poetisches Zirkustheater – experimentelle oder radikale Formen, die teilweise ganz mit tradierten Manege-Akten aufräumen wollen. Inzwischen ist dieser neue Zirkus insbesondere in Belgien, England, Frankreich, Kanada und Schweden nicht mehr aus dem Feld der darstellenden Künste wegzudenken.

Zirkus, Theater und Tanz vereint

Die Kooperation «Zirka Zirkus» von Station Circus und Kaserne feiert die Mischung und Vielfalt des «Cirque Nouveau» in Basel. Die beiden Partner vereinen die Welt des Zirkus mit der des Theaters und Tanzes, das Zirkuszelt beim Dreispitz mit der Reithalle im Kleinbasel. Vom 20. November bis 9. Dezember verzaubern so Künstlerinnen und Künstler an beiden Spiel­orten und beleben den zeit­genössischen Zirkus, der in der Schweiz immer noch ein Nischendasein fristet.

Der Finne Jani Nuutinen hat mit seinem Kollektiv «Circo Aereo» massgeblich zur internationalen Etablierung des zeitgenössischen Zirkus beigetragen und seine bis zu 30 Stücke in Europa, Asien, Nord- und Südamerika gezeigt. «Wir wollten ihn schon lange in Basel haben», sagt Gianna Grazioli von Station Circus begeistert. «Sein Spiel mit Schatten, Licht und einfachen Elementen wie Papier und Holz ist faszinierend.»

Papier, Holz, ­Kanonenkugeln

In seiner Heimat gilt Nuutinen als Begründer der finnischen «Cirque Nouveau»-Bewegung. Seine Zirkuskompanie entstand 1996 in Helsinki und ist seit 2001 auch in Frankreich etabliert. Einen Namen machte sich der Jongleur und Illusionist ­besonders als Meister des Objektzirkus. Dabei stehen keine menschlichen Akteure im Vordergrund, sondern Objekte, die eine eigene Form von Lebendigkeit und Autorschaft gewinnen. «Ich mache absichtlich genau das, was die Leute noch nicht gesehen haben», so Nuutinen.

Die fehlende Erfinderlust störe ihn am klassischen Zirkus: immer die gleichen Objekte, immer die gleichen Kunststücke. Papier, Holz, Metall, Kanonenkugeln, ein altes Jacket – in den Händen von Nuutinen werden diese Objekte und ihre Schatten lebendig, versetzen sein Publikum in Schrecken.
Bewegen sich die Objekte tatsächlich, oder ist alles nur Illusion? In der intimen Atmosphäre zwischen Publikum und Künstler sucht der Finne nach delikaten Erfahrungen.

So ist seine Art, Zirkus zu denken, weit weg vom klassischen Zirkus mit Blaskapelle, Drahtseilakt und Sägespänen – auch wenn Nuutinen genau dort mit 13 Jahre begann. Er lernte das Jonglieren von seinem Cousin, turnte als Akrobat in einer Zirkusschule und fand mit der Magie seine Leidenschaft. «Als ich mit 21 meine berufliche Laufbahn als Zirkusartist begann, dachten meine Eltern, das sei kein richtiger Job. Das hat sich alles geändert», erinnert sich Nuutinen.

Die Szene braucht einen neuen Namen

Der nun 45-jährige Künstler beobachtet, wie die Szene des zeitgenössischen Zirkus wächst und an Bedeutung gewinnt. Doch der Finne stört sich am Namen: «Die Bewegung startete in den 70er-Jahren und nennt sich immer noch ‹neu›. Ein frischer Name muss her!», lacht er.
Nuutinen zündet ein Streichholz an und beginnt sein Spiel, getrieben von Szenografie und Magie. Eine Erweiterung von Jonglage. Eine One-Man-Show. Etwas Neues.

Vorstellungen
Jani Nuutinen / Circo Aereo: «Un cirque plus juste». 20., 21. und 22. November.
Das Festival «Zirka ­Zirkus» dauert bis zum 13. Dezember 2020. Das ganze Programm:
www.kaserne-basel.ch

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1