Ist doch einfach! Die Trottoirränder über die ganze Tramlänge auf die verlangten 27 Zentimeter erhöhen – und schon können Rollstuhlfahrer problemlos einsteigen. Hat ja geklappt, an der Basler Hüningerstrasse etwa (Bild unten) und neu beim Kirschgarten. Die dortige Elisabethenstrasse erinnert seither an eine Schlucht – sie wird nicht allein bleiben. Wie dort sollte es wenn möglich bald überall aussehen. So einfach, wie es klingt, ist es aber nicht.

«Wir erwarten, dass 80 bis 90 Prozent der Haltestellen optimal oder suboptimal umgesetzt werden», sagt Georg Mattmüller, Geschäftsführer des Behindertenforums Region Basel. «Dass an einer Station nichts geändert wird, sollte die Ausnahme sein.» So will es auch das Behindertengleichstellungsgesetz. Bis im Jahr 2023 muss der öffentliche Verkehr schweizweit für Behinderte autonom zugänglich sein.

Status: Es ist äusserst kompliziert

Von der Zeit her könnte es in Basel knapp werden, da die Bauarbeiten möglichst mit Gleis- und Leitungsarbeiten zusammenfallen sollen. Die Verantwortlichen im Baudepartment betonen aber, möglichst viele Haltestellen so umrüsten zu wollen, dass Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte und Eltern mit Kinderwagen allein einsteigen können. Obwohl das Gesetz einen gewissen Spielraum zuliesse, sei dies das Ziel. «Denn wir sind überzeugt, dass die Umrüstung allen dient», sagt Adrienne Hungerbühler vom Amt für Mobilität.

Bei der Bus- und Tramhaltestelle an der Hüningerstrasse im St. Johann ist das Trottoir bereits 27 Zentimeter statt wie herkömmliche Trottoirs 12 Zentimeter hoch.

Bei der Bus- und Tramhaltestelle an der Hüningerstrasse im St. Johann ist das Trottoir bereits 27 Zentimeter statt wie herkömmliche Trottoirs 12 Zentimeter hoch.

Doch längst nicht überall ist es möglich, einfach den Randstein über die ganze Länge zu erhöhen. Da sind Kurven, die es verunmöglichen oder zu steile Steigungen wie etwa an der 3er-Station am Barfüsserplatz oder in der Wolfsschlucht auf dem Bruderholz. Selbst wenn der Einstieg dort ebenerdig möglich wäre, könnte ein Rollstuhlfahrer kaum allein zum Tram gelangen. Sobald die Planer sich um solche Haltestellen kümmern müssen, wissen sie: Das wird knifflig – und teuer. Die Umrüstung kostet nach groben Schätzungen zwischen 100 und 200 Millionen Franken.

Wobei die Kosten näher bei 200 Millionen liegen dürften: Von den 283 Tramhaltestellen in Basel-Stadt liegen 38 Prozent in einer Kurve. Mehr als ein Drittel der Umrüstungen wird also zur Herausforderung. Wobei der Vollständigkeit halber erwähnt werden muss, dass sich die Zahl 283 auf Teilhaltestellen bezieht. Der Aeschenplatz beispielsweise ist eine aus sieben Teilhaltestellen bestehende Haltestelle. Und jede wirft eigene Fragen und Probleme auf. Die Situation beim 15er etwa – schwierig, weil zu kurz und «zerstückelt».

Klar ist bisher nur: Es wird anders

Eine besonders komplizierte Aufgabe steht den Planern am Spalentor bevor. Die Station liegt in einer Kurve. Anderswo könnte man die Haltestelle um ein paar Meter verschieben – das wäre zwar teuer, doch das Problem wäre gelöst. Hier mangelt es aber an Platz. Dennoch: «So, wie sich die Haltestelle jetzt präsentiert, kann sie nicht bleiben», sagt Adrienne Hungerbühler. Ihr Team erstellt Vorstudien zu den Stationen, die vom Planungsamt weiter bearbeitet werden und später vom Parlament abgesegnet werden müssen.

Die Vorstudie zum Spalentor besagt: Eine Verlegung der Station an die Missionsstrasse wäre eine Option. Klingt genial, ist aber eben nicht so einfach. Beim Planungsamt ist man dabei, die Situation genau zu prüfen. Bliebe genug Platz für alle Verkehrsteilnehmer? Wie gross wäre der neue Abstand zu den Stationen vorher und nachher? Bestünde die Gefahr, dass der Verkehr zusammenbricht? Was für eine Art Haltestelle käme überhaupt infrage? Eine Insel- oder eine Kaphaltestelle? Die Planer konzentrieren sich dabei nicht nur auf die Variante Missionsstrasse, sondern untersuchen auch, was eine Verlegung in die Spalenvorstadt bedeuten würde. Ob das eine weitere Option wäre oder für die Missionsstrasse eine Lösung gefunden werden muss. Wobei diese Tramhaltestelle eine von fast 300 Teilhaltestellen ist. Erst elf davon sind bisher umgerüstet.