Basel

Bei mehreren Veranstaltungen fehlen im St. Jakobshalle Fluchttreppen

Bereits sind die Abbrucharbeiten beim Hintereingang der St. Jakobshalle im Gang. Hier, in der Nähe des Autoparkplatzes, werden zwei Fluchttreppen installiert, damit das Publikum die Hallen schnell verlassen kann. Heinz Dürrenberger

Bereits sind die Abbrucharbeiten beim Hintereingang der St. Jakobshalle im Gang. Hier, in der Nähe des Autoparkplatzes, werden zwei Fluchttreppen installiert, damit das Publikum die Hallen schnell verlassen kann. Heinz Dürrenberger

An den Swiss Indoors soll sich das Publikum sicher fühlen. Eilig baut man noch zwei Fluchttreppen in der St. Jakobshalle. Express verlief die Offert-Einladung an Baufirmen: per Fax und Handnotizen. Ein Ärgernis für Gewerbedirektor Peter Malama.

«Eine Baustelle innerhalb der Basler St. Jakobshalle ist keine Seltenheit. Der Bau von 1975 ist in die Jahre gekommen. Deshalb hat die Regierung dem Parlament ein 97 Mio. schweres Konzept für die Sanierung und Modernisierung der Halle vorgelegt.

Die jüngste Baustelle am Hintereingang beim grossen Parkplatz ist allerdings ein Express-Kommando: zwei Fluchttreppen werden erstellt. Eine bereits bestehende Betontreppe wird auf sechs Meter verbreitert. Parallel dazu kommt eine neue Stahltreppe in einer Breite von 3,6 Metern.

Ohne neue Fluchttreppen keine Swiss Indoors

Es pressiert. Ohne neue Fluchttreppen gibt es keine Swiss Indoors (29.10–6.11.). So lautet die Auflage der zuständigen Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung. Die Aufbauarbeiten für das Tennisturnier beginnen aber bereits anfang Oktober. Darum müssen die Bauarbeiten bis Ende September fertig sein.

In dem einst als Sporthalle gebauten Gebäude finden heute viel mehr Events statt, die teilweise parallel verlaufen. Wenn nun die Besucher aller Veranstaltungen gleichzeitig nach draussen strömen, braucht es aus Gründen des Brandschutzes mehr Fluchttreppen. «Wir benötigen heute mehr Kapazitäten, um alle Personen aus den Hallen entfluchten zu können», betont Christian Häfelfinger, Präventionsleiter der Gebäudeversicherung.

«Wir halten den Zeitplan ein», ist St.- Jakobshalle-Chef Michel Loris-Melikoff optimistisch. Auch Architekt Jürg Berrel, der mit seiner Firma seit fast zehn Jahren als eine Art «Hausarchitekt» der St. Jakobshalle fungiert, ist zuversichtlich. Der Hausarchitekt hat den Auftrag für die Fluchttreppen vom Bau- und Verkehrsdepartement erhalten. Das Ganze sei «eine Feuerwehrübung»: «Wir mussten uns überlegen, wie wir innert weniger Tage über eine rechtlich einwandfreie Submission eine Baufirma finden, die sofort Zeit hat.»

Im Falle der Betontreppe habe man für die Offert-Einladung an Baufirmen «sicherlich eine etwas handgestrickte Lösung» gewählt, gibt Berrel zu. Eine Mitarbeiterin kopierte zwei Seiten mit Handwerksfirmen im Telefonbuch und hielt darauf handschriftlich die wesentlichen Punkte des gegen 180000 Franken teuren Auftrags fest (siehe Ausriss). «Wir sind eben gestartet! Und Sie?», hielt sie aufmunternd fest. Sie ist überzeugt, ein Fax falle heute mehr auf als die vielen E-Mails, die eine Firma sonst täglich erhalte und oft nicht beachtet würde.

Der Basler Gewerbedirektor Peter Malama ist mit diesem Vorgehen des Architekturbüros überhaupt nicht einverstanden. «Diese dilettantische Einladung zur Offertstellung wirft ein äusserst schlechtes Licht auf das hiesige Submissionswesen sowie den Kanton Basel-Stadt», schreibt Malama in einem Brief an die Basler Regierung von dieser Woche. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb ein privates Architekturbüro regionale Gewerbetreibende «in einer derart saloppen und schludrigen Art und Weise auffordert, an einer staatlichen Ausschreibung teilzunehmen», schimpft Malama. Für die lokalen Gewerbetreibenden sei ein solcher Zustand «nicht tragbar», heisst es im Brief an die Basler Regierung.

Art und Weise entspricht nicht dem Standard

Der Basler Gewerbedirektor fragt kritisch, ob die Submissions-Behörde «derartiges Handeln billigt». Wie Unternehmen im freihändigen Verfahren um Offerten angefragt werden, sei nicht formalisiert oder gesetzlich geregelt, kontert die Basler Submissions-Leiterin Myriam Bernauer. Sie räumt aber ein: «Die Art und Weise, wie hier eingeladen wurde, entspricht nicht dem Standard des Basler Bau- und Verkehrsdepartements.»

Anfang September haben die Bauarbeiten für die Fluchttreppen bei der St. Jakobshalle begonnen. Auf den Fax meldeten sich fünf Baufirmen. Zwei hatten keine Zeit. Schliesslich offerierten dann drei Firmen, welche die völlig einwandfreien Submissions-Unterlagen inklusive Pläne erhalten hatten. Aufgrund des günstigsten Angebots eroberte sich die Liestaler Implenia-Tochter Gnemmi AG den Auftrag.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1