Universität Basel

Bei zwei von drei Basler Jungfirmen sind Uni und Industrie mit an Bord

Ein Beispiel für ein erfolgreiches Start-up mit Biotech-Bezug ist Bioversys: Marcel Tiggers (l.) und Marc Gitzinger neben einem Pipetierautomaten im Labor des Technoparks Stücki.Ken

Ein Beispiel für ein erfolgreiches Start-up mit Biotech-Bezug ist Bioversys: Marcel Tiggers (l.) und Marc Gitzinger neben einem Pipetierautomaten im Labor des Technoparks Stücki.Ken

Die Zusammenarbeit von Universität und der Privatwirtschaft hat sich deutlich verstärkt. Aus Aktivitäten der universitären Forschung entstanden 140 Firmen. Forschende der Privatwirtschaft und die Uni tauschen sich gerne aus.

Seit 1999 hat es in der Schweiz 9000 Kooperationen gegeben, es wurde eine Milliarde an Forschungsmitteln generiert, 140 Firmen entstanden neu aus Aktivitäten der universitären Forschung (in Basel: 31). 70 echte neue Produkte seien entstanden. Das sagte Herbert Reutimann, Geschäftsleiter der Unitectra, vergangene Woche an einem Vortrag vor der Vereinigung Basler Ökonomen. Unitectra unterstützt Forschende der Universitäten Basel, Bern und Zürich bei Kooperationen mit der Privatwirtschaft.

Im internationalen Vergleich braucht sich Basel nicht zu verstecken. Natürlich seien die Unternehmensgründungen im Umfeld der Universitäten in den USA zahlreicher, so Reutimann. Gleichzeitig seien diese um ein x-faches grösser.

Reutimann machte deutlich, dass Forschende in der Privatwirtschaft (in Basel: zumeist Pharma) und an der Uni sich sehr gerne austauschen: «Das hat die Erfahrung gezeigt.»

Eine Recherche der bz stützt die Aussagen Reutimanns. Auf der Startup-Website sind in Basel 35 Startups verzeichnet, die weniger alt als fünf Jahre sind. Ein Blick auf die Verwaltungsräte und Teams zeigt, dass bei zwei Dritteln dieser Firmen Industrie (meist Pharma) und Hochschulen eng verzahnt sind. Im Kanton Baselland sind 13 Startup verzeichnet, der Hochschul-Bezug ist derselbe. Weiteres Merkmal: Die Hochschulen oder Uni-Bereiche sind alle technisch-naturwissenschaftlich-medizinisch orientiert.

Konfliktzonen

Freilich ist die Zusammenarbeit zwischen Unis und Privatwirtschaft nicht völlig problemfrei.

– Die Forscherkollegien von Firmen leiden manchmal unter den not-in-house-Syndrom: Was von Aussen kommt, kann nicht gut sein.

– Grossfirmen seien oftmals nicht sehr flexibel und könnten Innovationen schlecht in ihre Konzepte einpassen. Die Hürde, um in ein Programm eines Konzerns zu kommen, sei schwierig, so Reutimann. Forscher hätten oftmals kein «proof of concept» vorzuweisen: Es fehlt an der durchdachten Business- und Entwicklungsidee.

– Wenn es ums Geschäft geht, werde aus Konkurrenzgründen oftmals Verschwiegenheit verlangt. «Hier gibt es Konfliktpotenzial», so Reutimann. An der Universität wird das «Öffentlichkeitsprinzip» eingefordert. Das heisst: Es besteht ein Anrecht auf Information über die Forschungsziele und -resultate. Ausserdem müssen Forscher publizieren können, um ihre Erfolge vorweisen zu können. «In den allermeisten Fällen werden da Lösungen gefunden», sagt Reutimann. Schliesslich müssen die finanziellen Abgeltungen fair und transparent geregelt sein.

Abgeltungen: Klare Regeln

Wie hat das die Universität Basel gelöst? Aus die Einkünften patentierter Erfindungen (Lizenzgebühren) werden zuerst die mit der Verwertung angefallenen und eingeplanten Unkosten (Patentierungskosten, etc.) gedeckt. Die restlichen Einnahmen bis kumuliert eine Million Franken Netto-Erträge werden wie folgt verteilt:

– 40 Prozent gehen an die Erfinderinnen und Erfinder bzw. Urheberinnen und Urheber.

– 30 Prozent gehen an die beteiligte Organisationseinheit, d.h. auf das Drittmittelkonto der Leitung der beteiligten Forschungsgruppe.

– 30 Prozent gehen an die Uni.

Bei kumulierten Einkünften von über einer Million Franken pro Fall kann der Universitätsrat für den darüber liegenden Betrag eine andere Verteilung vornehmen. Für gesponserte Professuren müsse unbedingt Transparenz herrschen und die Unabhängigkeit schriftlich garantiert sein.

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