80 Jahre
Beide Basel stossen Behinderte vor den Kopf

Die IVB Behindertenselbsthilfe beider Basel feiert Geburtstag und fühlt sich von der Regierung missachtet. Diese sagten nämlich per E-Mail ab. Für SVP-Grossrat Eduard Rutschmann und IVB-Präsident Marcel Buess ein Affront.

Joel Hoffmann
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Zum 80. Geburtstag liess die IVB Behindertenselbsthilfe am Samstag 16 000 gelbe Ballone vom Barfüsserplatz in den Himmel steigen. Zur Jubiläumsfeier gekommen war die Baselbieter Nationalrats-Vizepräsidentin Maya Graf. Sie gratulierte in ihrer Ansprache der IVB zum Geburtstag. Die Ballone flogen so leicht, wie auch die Vorbereitungen zur Ballonaktion verlaufen waren - im Gegensatz zu den weiteren Feierlichkeiten.

Erlös für neue Behindertenbusse

«Wir haben im Vorfeld fast alle 16 000 Ballons verkauft», sagt IVB-Präsident Marcel Buess. Er freut sich über die Wertschätzung aus der Bevölkerung. Die Ballonaktion war Teil des Volksfestes. Ein Ballon kostete 25 Franken.

Mit dem Erlös kauft sich die IVB vier neue behindertengerechte Busse. Die Haupttätigkeit der IVB ist der Transport behinderter Menschen. Jeden Tag sind 60 IVB Fahrzeuge im Einsatz. Die Hälfte der Busse muss ersetzt werden. Dafür fehle das Geld, sagt Buess. Er freut sich, dass er nun vier neue Transporter kaufen kann.

Basel verlangt Miete von IVB

Die Regierungen beider Basel hingegen enttäuschten die Organisatoren. «Ein bitterer Nachgeschmack bleibt», sagt SVP-Grossrat Eduard Rutschmann, selbst IVB-Mitglied. Er leitete als Tagespräsident die Jubiläums-Generalversammlung gestern im Grossratssaal.

Die IVB muss für den Saal Miete bezahlen. Das findet Rutschmann unerhört: «Die IVB bekommt im Gegensatz zum Theater keine Subventionen und leistet wertvolle Arbeit für alle behinderten Menschen der Region.»

Die IVB muss 1100 Franken Miete bezahlen

In einem Brief an die IVB schreibt die Staatskanzlei, dass nur Behörden und öffentlich-rechtlich anerkannte Religionsgemeinschaften den Grossratssaal kostenlos benutzen können. Die IVB muss hingegen 1100 Franken Miete plus Material und Personalkosten bezahlen.

«Das ist schade gegenüber der sozialen Institution», sagt IVB-Präsident Marcel Buess. Aus seiner Sicht wäre der Kostenerlass gerade zum Geburtstag eine nette Geste gewesen. «Mich stört vor allem die mangelnde Wertschätzung des Kantons», klagt Buess. Die IVB hätte einen Antrag auf finanzielle Zuschüsse an den Apéro stellen können. «Das ist mir zu blöd. Ich bin zu stolz, als dass ich beim Kanton betteln gehe.»

Regierungen sagten per E-Mail ab

Sowohl die Basler als auch die Baselbieter Regierung sagte die Teilnahme an der 80-Jahr-Feier per E-Mail ab. Für Rutschmann und IVB-Präsident Buess ein Affront. «Das ist stillos und hat mit Wertschätzung für unsere Arbeit nichts zu tun», sagt Buess und fügt an: «Sie hätten zumindest einen offiziellen Briefbogen opfern können und sich bei uns für unser Engagement bedanken können.»

Rutschmann betont, dass der Staat von der IVB profitiere: Ohne Subventionen leiste die IVB Arbeit, die sonst der Staat erbringen müsste. «Dafür darf sich der Staat auch mal bedanken», sagt Rutschmann.