Herbstmesse

«Beide Chefs weg»: Basler Markthändler sorgen sich um die Zukunft

Der Marktchef geht, ohne einen Nachfolger zu haben – das ist aber nicht das einzige Problem der Schausteller.

Die Skepsis war riesig, als Daniel Arni 2008 kam. Ist er bestechlich? Parteiisch? Machtgeil? Oder kommt jemand, der es schafft, die Herbstmesse – unabhängig von persönlichen Präferenzen – attraktiv zu gestalten und gleichzeitig gerecht mit den Standbetreibern umzugehen?

Tatsächlich kam mit dem damals 31-jährigen Ökonomen Arni ein seriöser Typ, kommunikativ, fair. In seiner Amtszeit gab es keine Skandale um den Marktchef. Das ist beachtlich: Es gab Vorgänger, die intrigant oder käuflich waren. Bei der Herbstmesse geht es für die Marktleute um Existenzen. Etliche Händler verdienen mehr als ihr halbes Jahreseinkommen mit einem Stand. Entsprechend hart ist der Kampf um die Plätze. Arni war stets transparent. Er hat Absagen so begründet, dass die Verlierer sie akzeptieren konnten und keine Schlammschlacht lancierten.

Horvath allenfalls Interims-Chefin

Jetzt geht Arni. Und sein Stellvertreter Patrick Degen gleich mit ihm. Wer auf Arni folgt, ist unklar. «Das Bewerbungsverfahren ist in vollem Gang», sagt Standortmarketing-Chefin Sabine Horvath. Seit dem Wechsel der Abteilung Messen und Märkte vom Sicherheits- ins Präsidialdepartement steht Horvath dem Team vor.

Die Bewerbungsfrist für Arnis Job ist vor drei Wochen abgelaufen, per 1. Dezember sollte Arnis Nachfolger laut Stelleninserat anfangen. Ob bis dann aber ein passender Marktchef gefunden werden kann, ist ungewiss. Horvath will nichts zum Bewerbungsverfahren sagen – nur dies: «Die Stelle wird per 1. Dezember frei.» Sie selber würde Arnis Job interimistisch übernehmen, sollte die Stelle nicht direkt nach dessen Abgang besetzt werden können.

Angst vor Chaos bei Standvergabe

Degens Nachfolger soll jemand werden, der bereits in der Abteilung arbeitet. Das bestätigt Horvath aus Anfrage. Offiziell wurde Degens Abgang hingegen nie kommuniziert. Für die Markthändler ist der Doppelabgang fatal: «Die Abteilung steht ohne Kopf da, das bereitet uns Sorgen», sagt Süsswaren-Händler Oskar Herzig in seiner Funktion als Sprecher der Marktfahrer- und Schaustellerverbände. Die diesjährige Herbstmesse sei organisiert und Arni bis Ende November im Amt, der Eingabeschluss für die Standbewerbungen 2019 aber sei bereits im Januar.

Herzig befürchtet, dass niemand da ist, der Arnis Nachfolger fristgerecht einarbeiten kann. «Schliesslich sind beide Chefs weg.» Und dass es dann wie teilweise früher wieder zu einem Chaos bei den Vergaben kommt. Zudem habe Sabine Horvath den Wunsch der Verbände, einen externen Berater zuzuziehen, abgeschmettert. «Wir hätten uns eine unabhängige Person aus der Szene gewünscht», sagt Herzig. 

Nach elf ruhigen Jahren geht also die Angst vor weniger friedlichen Zeiten in der Markt- und Schaustellerwelt um. Und das gerade jetzt, wo manche Exponenten von einer allgemeinen «Abwärtsspirale» der Herbstmesse sprechen. Öffentlich mag das niemand sagen, man wolle die Herbstmesse ja nicht schlecht reden. Zu tun habe die Entwicklung ebenfalls mit Arni, wenn auch nicht im negativen Sinne: «Er war stets offen für Neues, wollte die Messe in die Zukunft führen», sagt Oskar Herzig. «Der Bedarf an Traditionsanlässen ist da, allerdings müssen diese auch mal frischen Wind bekommen.» In der derzeit führungslosen Situation sei das schwierig. Die Gefahr einer Stagnation sei gross.

Regierung muss über die Bücher

Konkret sei beispielsweise das Tagespublikum in den vergangenen Jahren stark rückläufig. «Nur auf dem Petersplatz läuft es sozusagen rund um die Uhr», sagt Dieter Binggeli, der sowohl auf dem Messe-, wie auf dem Petersplatz einen Stand betreibt. Gross sei ausserdem der Wunsch der Standbetreiber, die Halle 1 auf dem Messeplatz – wie einst mit der Messe Schweiz schriftlich vereinbart – bespielen zu dürfen. «Die Halle 3 ist weit weniger attraktiv», sagt Binggeli.

Dennoch fänden sich stets Schausteller für die 80er-Jahre-Halle: «Wer einmal einen Fuss drin hat an der Herbstmesse, kann zu einem späteren Zeitpunkt mit einem besseren Standort rechnen.» Unklar ist, ob die Forderung mit der Halle 1 kommendes Jahr erfüllt wird. Es sieht nicht danach aus: Horvath möchte «die Halle nicht jedes Jahr wechseln, sondern eine Hallenmesse positionieren, die stets am selben Ort stattfindet.»

Auseinandersetzen muss sich die Regierung trotzdem damit: SVP-Grossrat Joël Thüring hat gestern einen Vorstoss zum Thema eingereicht. Er will wissen, ob die Schausteller bald in die Halle 1 ziehen können – und geht noch einen Schritt weiter: «Ist angedacht, dass weitere Hallen für die Herbstmesse zur Verfügung gestellt werden können?» Thüring stellt die Frage im Zusammenhang mit der Diskussion um die künftige Ausrichtung der Messe Schweiz. Auch spricht er den Fall Arni an. Und fragt, ob die Marktleute auch nach dessen Abgang lückenlos mit einem «kompetenten Ansprechpartner» rechnen können.

Die Regierung muss sich zuerst damit befassen, Horvath nimmt die Antwort vorweg und betont, dass es zu keinen Problemen kommen wird. Ausserdem streitet sie ab, dass es zwischen ihr und der Marktleitung unterschiedliche Auffassungen gegeben hat, wie aus Schaustellerkreisen zu hören ist.

Arni möchte sich dazu nicht direkt äussern, er sagt nur: «Mein Interesse am Öffentlichen Raum hat mich dazu bewogen, mich für die Leitung der Allmendverwaltung zu bewerben.» Nach elf Jahren bei der Abteilung Messen und Märkte sei jetzt der ideale Zeitpunkt. Sein ehemaliger Stellvertreter hingegen will sich beruflich ganz neu orientieren.

Autorin

Martina Rutschmann

Martina Rutschmann

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