Platzhirsch

Beim Basel Tattoo hat man keine Angst vor einem «Fall Zürich»

Das Basel Tattoo rentiert. (Archiv)

Das Basel Tattoo rentiert. (Archiv)

Die Pleite des Zurich Tattoo löst in Basel Bedauern aus, aber keine Sorgen – denn hier liegen die Dinge anders.

Das Zurich Tattoo ist pleite. Das in St. Gallen auch. Und jenes in Luzern kämpft auch immer wieder ums nackte Überleben. Beim Fall Zürich ist bemerkenswert, dass die Veranstaltung trotz sehr weitreichender Unterstützung durch die Stadt Zürich nicht reüssieren konnte. 

So wurden dem Veranstalter zinslose Darlehen gewährt, bei denen bürgerliche Politiker nun davon ausgehen, dass sie wohl abgeschrieben werden müssen. Auch die Gratis-Parkplätze, die Gratis-Abfallentsorgung und der Einsatz einer Zivilschutzkompanie halfen nicht weiter. In Basel feiert das bekannteste Schweizer Tattoo in diesem Jahr dagegen sein zehnjähriges Bestehen.

Nicht Schuld der Basler

Der Schweizer Tattoo-Pionier Erik Julliard glaubt aber nicht, dass sein Tattoo am Niedergang der Nachahmer Schuld trägt: «Das Scheitern anderer Veranstaltungen steht wohl kaum in direktem Zusammenhang mit dem Basel Tattoo. Aus unserer Erfahrung, die ja auch das Berlin Tattoo und das Christmas Tattoo umfasst, wissen wir einfach, wie schwierig es ist, die hohen Kosten, die alleine durch die lange Anwesenheit der vielen Hunderten Mitwirkenden entstehen, zu decken.»

Es sei nicht einfach, zu sagen, ob neben dem Basel Tattoo überhaupt noch Platz sei für eine andere Veranstaltung derselben Art: «Ob der Markt mit uns abgedeckt ist oder wie gross das Potenzial ist, ist eine andere Frage, die nur schwierig zu beantworten sein dürfte.» Die verschiedenen Tattoos in der Schweiz seien ja auch anders ausgerichtet.

Es setzten nicht alle auf die gleiche Mischung aus Grösse und Qualität der Formationen, wobei jedoch zu beobachten sei, dass das Publikum dies nur begrenzt zur Kenntnis nehme. Eine Hoffnung verbindet Julliard trotzdem mit dem Ende anderer Tattoos: «Wir können nun hoffen, dass die Absage des Zurich Tattoo und des St. Gallen Tattoo wieder einige Leute nach Basel bringt.»

Der Untergang der Konkurrenz freue ihn aber dennoch nicht, beteuert Julliard – er beobachte die Entwicklung mit Sorge. Denn auch in Basel gebe es immer wieder Probleme mit Anwohnern, mit Kosten, mit Vorschriften. Und immer wieder auch mit dem Geld. Julliards Lieblingsbeispiel: der Streit mit der Urheberrechtsorganisation Suisa, die vom Basel Tattoo jährlich eine halbe Million Franken verlangt.

Ärger mit dem Geschirr

Und die nächsten Probleme sind schon in Sicht: Der Umbau der Kaserne, gegen den sich das Tattoo gewehrt hatte, ist eines davon – das andere ist die Einführung des Mehrweggeschirrs: «Wir haben Platzprobleme und glauben nicht an den Erfolg. Hier sorgen wir uns um massive Gewinnreduktion zulasten der Vereine, welche die Festbaizen betreiben», schildert Julliard seine Bedenken.

Lösen will er die anstehenden Probleme mit den Mitteln, die er als zentral betrachtet für den Erfolg eines Tattoos: «Durchhaltewille, Qualitätsanspruch und Herzblut!» Nur so sei es möglich gewesen, «eine Show mit bis zu 1000 Mitwirkenden und mit einem hohen Qualitätsanspruch» überhaupt durchführen zu können. Dass auch er viel Unterstützung erfahren habe, stellt Julliard nicht in Abrede. Nicht alles, was das Zurich Tattoo für sich beanspruchen durfte, hatte Julliard zur Verfügung, doch dafür die Hilfe des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) – ein wichtiger Support: «Das Basel Tattoo steht unter der offiziellen Schirmherrschaft des VBS und erhält dadurch quasi den Status als Tattoo der Schweiz. Von Anfang an konnten so Formationen vom Verteidigungsministerium eingeladen werden, die mit ihrer musikalischen Qualität und ihren Auftritten in der absoluten Königsklasse spielen.»

Zusammen mit dem VBS hat das Basel Tattoo eine Stiftung für gemeinnützige Zwecke gegründet, die Julliard jährlich mit 180 000 Franken speist. Das ist nicht reines Gutmenschentum, eine solche Stiftung ist Voraussetzung für die internationale Anerkennung des Tattoo-Dachverbandes. Und diese fehlt den anderen Schweizer Tattoos. Auch das sei mit ein Faktor, weshalb das Basel Tattoo in der Welt als «das» Schweizer Tattoo gelte.

Für die Jubiläumsausgabe kündigt Julliard eine «facettenreichere» Show an. Mit Motorrädern, rennenden Soldaten aus Italien und – wie die bz bereits bekannt machte – der Patrouille Suisse der Schweizer Luftwaffe.

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