Basel

Beim Bryysdrummle und -pfyffe setzen sich die Favoriten durch

Am Samstag wurden im grossen Saal des Basler Vokshauses die Könige und Königinnen des Offiziellen Bryysdrummle und -Pfiffe erkoren.

„Der Kandidat mit der Nummer 109 spielt den Pumperniggel“, kündigte der Moderator an. Der kostümierte Tambour rückte die Trommel in den richtigen Winkel, nahm die Schlegel zur Hand und begann das Fell mit Schlägen zu streicheln. Doch plötzlich ein dumpfer Knall, der eine Schlegel wurde in der Trommel versenkt und das Fell mittendurch gerissen.

Das Publikum raunte, der Kandidat drehte ab, die Zuschauer litten mit und versuchten den Tambour mit einem zaghaften Applaus zu motivieren. Der Kandidat dürfe später noch einmal antreten, wird bald darauf dem Publikum mitgeteilt. Pechvogel Philip Wingeier war daher zweimal an diesem Abend nervös. „Die letzten fünf bis zehn Minuten vor dem Auftritt waren gleich“, erklärte er nach dem zweiten Versuch. Ein Kollege lieh ihm seine Trommel. „Die war noch eine Spur besser als die erste“, schmunzelte er.

Schön, wenn man nach einem solchen Abend noch lachen kann. Trommelkönig wurde zum fünften Mal Stefan Freiermuth. Er verwies Marcel Loosli und André Rütti auf die weiteren Podestplätze. Bei den Pfyffer holte sich Marina Suter den ersten Platz, vor Valeria Balmelli und Cédrine Müller. Balmelli, die letztjährige Doppelkönigin holte den Titel noch bei den Jungen und muss nun in ihrer Vitrine Platz für die weiteren Auszeichnungen schaffen.

Colin Robertson und Valentina Braun belegten die Plätze zwei und drei. Maurice Siegfried heisst der neue Trommelkönig bei den Jungen. Er gewann vor Andrin Hersberger und Sebastian Stalder. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, entlang der roten Vorhänge auf der Seite haben sich noch weitere Zuschauer aufgereiht. Die meisten entledigten sich ihrer äussersten Kleidungsschichten, da mehr als nur warm war. Das Publikum war gut durchmischt, es hatte auch sehr viele junge Leute.

Einige Kandidaten hatten eigene Fanclubs dabei, wobei das in erster Linie die Cliquenfreunde waren. Die Jury, die hinter Tischen direkt vor der Bühne sass, schrieb eifrig auf die Punkteblätter. Eine Dame sammelte sie regelmässig ein und brachte sie ins Rechnungs-Büro, wo alles exakt in Listen abgefüllt worden ist.

Nach den Einzel-Wettbewerben pendelte das Publikum zwischen Foyer und Saal hin und her. Man trifft Leute, tauschte sich aus. An der Imbissstation sind die Schinkensandwiches bereits ausverkauft. Pause auch für den Jurychef der Trommler, Lukas Minder. „Kenntnis des Repertoires, des Spiels und eine grosse Portion Konzentration“, zählte er wichtige Voraussetzungen auf. Die Jurymitglieder treffen sich jeweils im Sommer um auch mit Tonaufnahmen nochmals auf knifflige Beurteilungen zu sprechen zu kommen.

Vor Weihnachten werden unter anderen neue Märsche, wie der „Zic Zac“ oder „das Bleikügeli“ gelernt. Die Gruppenfinals standen an. Dabei achtete die Jury vor allem auf das Zusammenspiel der Pfyffer mit den Tambouren. Stephanie Hediger von der Spale-Clique hat sich in den Weihnachtsferien intensiv auf das „Bryyspfyffe“ vorbereitet. Eine Stunde proTag übte sie, im Januar etwas weniger.

„Ich habe das Gefühl, viel besser kann ich es nicht mehr“, erklärte sie nach dem Wettbewerb, in dem sie erstmals den Einzel-Final erreichte. Sie schätzt das aktuelle Pfyfferniveau sehr hoch ein: „Die Jungen pfeiffen bereits verrückte Dinge, auch sehr anspruchsvolle“, sagte sie und rät jenen, die frisch zum Piccolo greifen: „Dran bleiben! Es geht einen Moment bis ein Ton rauskommt, aber dann geht es vorwärts!“ Und ergänzte: „Viel üben!“.

OK-Präsident Daniel Uttenweiler sorgte mit seinem Team für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Nicht ohne Stolz wies er auf eine Neuerung hin, die eigentlich eine alte Tradition wieder aufleben lässt: „26 verschiedene Basler Künstler haben Kunstwerke als Preise gestiftet“.

Jede Finalistin und jeder Finalist konnte ein Fasnachtsbild mit nach Hause nehmen. Die Gewinner erhielten dazu noch die traditionellen Wanderpokale.

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