Strafgericht
Beim «Figaro» hat das Gericht eineinhalb Augen zugedrückt

Ein selbst ernannter Star-Coiffeur handelte mit gefälschten Goldbarren. Dafür muss er nun eine Haftstrafe absitzen.

Patrick Rudin
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Echt sind sie nur, wenn sie auch ein Herz aus Gold haben. (Symbolbild)

Echt sind sie nur, wenn sie auch ein Herz aus Gold haben. (Symbolbild)

KEYSTONE

«Wir haben uns schwer damit getan, ob wir das abgekürzte Verfahren so machen wollen. Aber der Beschuldigte hat guten Willen gezeigt, deshalb haben wir zugestimmt. Es mag jetzt aber überhaupt nichts mehr verleiden, es ist nicht fünf vor zwölf, sondern etwa eine Sekunde vor zwölf», erklärte Staatsanwalt Thomas Hofer am Donnerstag im Basler Strafgericht.

Der 39-jährige Coiffeur nickte dazu eifrig, lobte den Staatsanwalt als «streng, aber korrekt» und sagte, er habe einen Seich gemacht. «Das ist sehr verharmlosend. Sie haben weitaus mehr gemacht als nur einen Seich», meinte daraufhin Gerichtspräsidentin Susanne Nese.

Der Coiffeur, der sich gerne als «Il Figaro» inszenierte und zeitweise auf «RegioTVPlus» Cervelatpromis beim Haareschneiden harmlose Fragen stellte, hatte sich schon vor längerer Zeit auf lusche Geschäfte verlegt. Im Jahr 2007 kassierte er eine Verurteilung wegen Hehlerei, vier Jahre später eine wegen Veruntreuung. Am Donnerstag ging es vor dem Basler Strafgericht hauptsächlich um Betrug: Bekannten und Kundinnen seines Coiffeursalons schwatzte er «Geschäftspartnerschaften» auf, um etwa Kauf und Verkauf von angeblich handsignierten Bildern von Pablo Picasso oder Paul Klee zu finanzieren, dazu gab es jeweils «Echtheitsbescheinigungen».

Der Pleitegeier kreiste

Das Geld seiner Partner brauchte der Coiffeur aber für sich selbst und seinen Laden: Die Betreibungen sowie die ausgestellten Verlustscheine übersteigen schon seit Jahren die Millionengrenze. Schliesslich stieg er in das Geschäft mit Goldbarren ein: Nach misslungenen eigenen Galvanisierungs-Versuchen liess er über Bekannte im serbischen Subotica gefälschte Goldbarren herstellen und in die Schweiz importieren. Meist handelte es sich dabei um vergoldete Bleiklumpen, doch die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass es sich bei einzelnen Barren auch um aufwendige Fälschungen mit Wolframstäben handelte. Insgesamt beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft 50 Kilogramm der Barren, von weiteren fehlt jede Spur. Der Coiffeur betonte, er habe einige Barren in den Rhein geschmissen.

Verurteilte Mittäter

Zwei Kumpel hatte er eingespannt, um die Goldbarren einzulösen, die Versuche gingen schief, beide wurden bereits zu bedingten Geldstrafen verurteilt und sind noch heute stinksauer auf ihn. Der Coiffeur selbst einigte sich mit der Staatsanwaltschaft in einem Deal auf eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren wegen gewerbsmässigen Betruges. 18 Monate davon muss er absitzen, allerdings verbrachte er bereits neun Monate in Untersuchungshaft.

Die drei Richter genehmigten am Donnerstag diesen Handel, wobei sie deutlich machten, dass der betrügerische Coiffeur mit dem Urteil sehr gut fährt: Aus einer Vorstrafe wäre noch eine bedingte Strafe von 2,5 Jahren offen, die man nun nicht vollzieht. «Da hat man eineinhalb Augen zugedrückt», kommentierte Nese.

Dem Geständnis gingen lange Verhandlungen voraus: Erst in der 18. von 36 Einvernahmen fing der Angeklagte an, reinen Tisch zu machen.

Möglicherweise kann er die restlichen neun Monate in Halbgefangenschaft absitzen, er hat wieder eine Anstellung als Coiffeur gefunden. Noch ist auch unklar, ob der in Basel aufgewachsene italienische Staatsbürger nun auch seine Niederlassungsbewilligung verliert. Offen ist das Verfahren gegen einen weiteren Beschuldigten: Ein Partner einer Privatbank soll geholfen haben, die falschen Goldbarren in Bankdepots einzuschleusen.

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