Offene Kirche Elisabethen

Beim Flüchtlingsprojekt «Da-Sein» sind Bewegung und Tanz ganz wichtig

Der Musiker Paco Mbassi aus Kamerun sorgt an der Conga für den Rhythmus. Nur kurz nach dem Mittagessen füllt sich die frei geräumte Tanzfläche.

Der Musiker Paco Mbassi aus Kamerun sorgt an der Conga für den Rhythmus. Nur kurz nach dem Mittagessen füllt sich die frei geräumte Tanzfläche.

An drei Tagen in der Woche kommen 50 bis 60 Flüchtlinge zum Projekt, das ihnen auch das Gastland Schweiz näherbringen soll. Religion spielt eine wichtige Rolle, aber Fundamentalismus wird nicht geduldet.

Nach dem Mittagessen ging die Post ab. «Vor allem Bewegung, Musik und Tanz sind ganz wichtig», hatte Nicole Schwarz, Projektmanagerin im Flüchtlingsprojekt «Da-Sein» der Offenen Kirche Elisabethen erzählt. Kaum war die Tanzfläche frei geräumt, füllte sie sich. Die Menschen bewegten sich zu rhythmischen Conga-Klängen einer grossen Handtrommel, die der Musiker Paco Mbassi aus Kamerun spielte. Zwei, drei Weihnachtslieder mit Gitarrenbegleitung wurden ebenfalls eingeübt. Im Projekt «Da-Sein» geht es auch darum, den Flüchtlingen die Kultur ihres Gastlandes näherzubringen. «Letztes Jahr haben wir im Hof einen Tannenbaum geschmückt. Ich habe noch nie so viele Männer draussen gesehen. Sie haben derart Freude daran gehabt» berichtet Schwarz.

Sie hat «Da-Sein» ab Anfang 2015 aufgebaut. Anfangs gab es nur ein Zelt im Garten des Pfarrhauses. Nach dem Umbau der Kellerräume und dem Einbau einer Küche konnte sie November 2015 einziehen. Seit März 2016 ist der Ort nicht nur am Mittwoch, sondern an drei Tagen die Woche von Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 19 Uhr für Flüchtlinge geöffnet.

In der Regel kommen 50 bis 60 Personen pro Tag. Wichtig ist das gemeinsame Essen, bei dessen Zubereitung Flüchtlinge immer helfen – regelmässig hauptverantwortlich. Bei unserem Besuch hatte Regina Dürrenberger diese Aufgabe. Die Nahrungsmittel kommen von der Schweizer Tafel. «Da heisst es improvisieren und schauen, was es im Kühlschrank hat», sagt Dürrenberger, die jeden Mittwoch als Freiwillige hilft.

Müll trennen will gelernt sein

Vom Projekt hat sie aus dem Kirchenboten gehört. Durch sie ist auch Ruth Oetterli dazu gestossen. Sie findet es wichtig, dass die Flüchtlinge bei der Küchenarbeit die Systeme von Kompostierung und Mülltrennung kennenlernen.

Bietet ein Flüchtling ein besonderes Menü an, werden die dafür notwendigen Zutaten zugekauft oder ihm erstattet. Jeder Besucher erhält ein Namensschild mit seinem Vornamen. «Das ist wichtig, weil die Flüchtlinge oft so schwierige Namen haben», findet Dürrenberger, die selber für alle Regina heisst.

Robel ist 34, kommt aus Äthiopien und ist schon seit sechs Jahren in der Schweiz. Er ist eine Seele von Mensch. Seitdem es «Da-Sein» gibt, engagiert er sich als Freiwilliger und hat mittwochs die Tagesverantwortung übernommen. Weil er sich auch mit Eritreern verständigen kann, hat er schon wertvolle Dolmetscherdienste geleistet.

Maroof kommt aus Afghanistan, ist seit einem Jahr in der Schweiz und hilft seit August bei «Da-Sein». «Ich darf nicht arbeiten und das ist besser, als im Heim zu sein. Hier koche ich und lerne Deutsch», erzählt er. Er studierte Betriebswirtschaft und nimmt im Rahmen der Reihe «Offener Hörsaal» an der Uni an Veranstaltungen teil.

«Da-Sein» ist ein Projekt der Offenen Kirche Elisabethen mit massgeblicher Unterstützung der CMS – gemeinsam mit den beiden Landeskirchen und der Bürgergemeinde der Stadt Basel.

Ende 2017 läuft die Finanzierung aus. Wie es dann weitergeht, ist noch nicht klar.

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Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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