«Die individuellen Bestattungswünsche in Basel nehmen zu», sagt Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei Basel. 300 Urnen gibt der Friedhof Hörnli jährlich nach der Kremierung heraus. Das sind rund 15 Prozent. «Offenbar ist das Konzept eines Zentralfriedhofes als Abbild einer grossen Gemeinschaft im Tod nicht mehr das, was sich die Leute wünschen», so Trueb.
Das hat auch die reformierte Kirche erkannt: Sie möchte ihre Glaubensangehörige wieder auf dem eignen Grund und Boden beerdigen können, wie die «Neue Zürcher Zeitung» am Dienstag berichtete. Das Bestattungswesen gehört seit der Eröffnung des Friedhofs Hörnli 1932 zu den kantonalen Aufgaben.

Die ganze Stadt als Friedhof

Lukas Kundert, Kirchenratspräsident der reformierten Kirche Basel und Pfarrer im Münster, zeigt sich ob des Trends nachdenklich: Durch die liberale Haltung gegenüber Feuerbestattungen sei die ganze Stadt zu einem grossen Friedhof geworden. «Rheinschwimmer wissen nicht, ob die Asche eines Toten verstreut wurde», sagt Kundert. «Das Thema Tod wird dadurch abgeschliffen.»

Er habe Respekt vor anderen religiösen Riten, zum Beispiel bei Wasserbestattungen. Der Pfarrer spricht bei der Bestattung auf Kirchengelände ganz klar erst von einer Idee. «Ich schätze an unserer abendländischen Kultur sehr, dass Tod und Leben voneinander getrennt werden.» Kundert würde sich wünschen, dass in begrenzten Gebieten der Stadt auf dem Land der Kirchen Feuerbestattungen möglich wären. «An einem Ort, an den man hingehen kann», sagt er, «wo der Respekt vor den Toten spürbar ist.»

Bestattung im Kreuzgang

Vorstellbar wäre zum Beispiel eine Tumba, ein grosser Behälter unter der Erde im Kreuzgang, wo die Asche eingestreut wird: eine Art Gemeinschaftsgrab, wie es die christkatholische Kirche am Totentanz bereits praktiziere.

Dem stimmt Trueb zu: «Ich persönlich gebe Herrn Kundert in gewisser Weise recht», sagt er. «Seit wir bei der Herausgabe von Urnen nicht mehr die Zusicherung eines anderen Friedhofes zur dortigen Beisetzung einfordern, werden die Urnen durchaus häufiger im Wald, im Rhein oder in einem Privatgarten beigesetzt oder die Asche verstreut.»

Die Stadtgärtnerei, die für die beiden Friedhöfe Wolfsacker und Hörnli zuständig ist, hat bereits auf das Begehren nach Individualität reagiert. Sie bietet verschiedenste Möglichkeiten an: Wald und Erdbestattung sind möglich, zudem gibt es Wiesengräber, wo einzig eine schlichte Steinplatte an die Toten erinnert.

Von den Möglichkeiten überfordert

«Die Auswahlmöglichkeiten bei den verschiedenen Bestattungsformen ist in Basel heute sehr gross», sagt Trueb. Selbst wenn man das ganze Leben Zeit hätte, um sich über die Bestattung Gedanken zu machen, würden sich die Leute oft erst spät damit beschäftigen. «Dann sind sie von den vielen Möglichkeiten überrascht und oft auch überfordert», sagt Trueb.
Er kann sich durchaus vorstellen, dass es Menschen gibt, welche die Beisetzung im Kreuzgang als weitere mögliche Form wünschen würden. Aller Individualität zum Trotz: Jeder Basler und jede Baselerin hat das Recht auf eine kostenlose Erd- oder Urnenbestattung auf dem Hörnli.