Stadtentwicklung
Beim Güterbahnhof Wolf werden 17 Hektaren frei

In Basel ist der Boden knapp: die Büro-Leerstandquote ist selbst im internationalen Vergleich noch sehr tief. Trotzdem gibt es erstaunliche Entwicklungsmöglichkeiten. Auf dem Gelände, welches die SBB nicht mehr braucht, soll ein urbanes Quartier entstehen.

Stefan Schuppli
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Zwischen den Geleisen (mitte-rechts im Bild) ist ein neuer Stadtteil denkbar. Unten im Bild: St. Jakob, oben: Bahnhof SBB.

Zwischen den Geleisen (mitte-rechts im Bild) ist ein neuer Stadtteil denkbar. Unten im Bild: St. Jakob, oben: Bahnhof SBB.

«In Basel gibt es alles. Ausser Platz.» – Dieser Spruch war gestern an der Mittagsveranstaltung des Amtes für Wirtschaft und Arbeit zum Geschäftsimmobilienmarkt gleich mehrfach zu hören. Das schöne daran: Der Spruch stimmt nicht ganz.

Richtig ist aber , dass die Leerstände im Industrie-, Gewerbe- und Bürobereich seit Jahren kontinuierlich abnehmen. Prozentual am meisten im Gewerbe (- 60%), in absoluten Zahlen bei Büros, von 90 000 auf 55 000 Quadratmeter. Wie berichtet, haben entgegen den Erwartungen auch die freien Ladenflächen abgenommen. Von einem generellen Ladensterben kann also nicht gesprochen werden.

Richtig ist auch, dass im Schweizer Städtevergleich Basel eine schlechte Figur macht. Wirtschaftsminister Christoph Brutschin legte an der Versammlung seine Stirn in Falten: Während sich in Zürich die Büro-Leerstandquote auf knappen 6 Prozent bewegt, liegt sie in Basel unter 2,5 Prozent – Tendenz weiter sinkend. Für einen gut funktionierenden Markt brauche es einen Leerstand von rund 5 Prozent, sagen Immobilienfachleute von
Wüest & Partner. Selbst im internationalen Vergleich steht Basel am unteren Ende der Liste, hinter London City (3 %), Berlin (3,5 %), Singapur (4,5 %).

Einige Entwicklungsgebiete

Nicht richtig ist, dass es in Basel keine freien oder unternutzten Areale hat. Gestern sprach Regierungsrat Hans-Peter Wessels erstmals kurz ein Projekt an, welches in den kommenden Wochen garantiert für Gesprächsstoff sorgen wird: der Güterbahnhof Wolf. Dabei geht es um ein Planungsgebiet von 17 Hektaren im Besitz der SBB. Die Bahn braucht das Gelände nicht mehr selbst und sucht eine sinnvolle Nachnutzung. Das 24 Fussballfelder grosse Areal wird im Moment noch für die Logistik genutzt, sagt Alexander Muhm von der SBB Immobilien, Leiter Development. Es handelt sich um eine kooperative Planung von SBB und Kanton. Jetzt wird das Mitwirkungsverfahren vorbereitet.

Das Ziel ist es ein urbanes städtisches Quartier zu entwickeln, in dem Arbeiten und Wohnen möglich ist. Der Planungshorizont beträgt freilich 10 Jahre.

Kanton kaufte zu

Finanzdirektorin Eva Herzog zeigte anhand einiger Beispiele, dass sich der Kanton in jüngster Vergangenheit zahlreiche Areale gesichert hat (wie etwa das Rosental-Areal) oder zumindest Co-Planer ist (Lysbüchel). Auf dem Klybeckareal will der Kanton bis 2019 weitere 50 000 m Wirtschaftsflächen erwerben. Kurzfristiges Potenzial bestehe beim Bahnhof Richtung Osten beim «City Gate» und im Rosental-Areal. Dort könnten die 120 000 m Bruttogeschossfläche durch Verdichtung um zwei Drittel oder 80 000m vergrössert werden. Theoretisch könnten im Rosental 2000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, auf dem Klybeckareal 2500.

Besonders interessant ist die Life-Science-Branche. Eine Studie von 2013 kam zum Schluss, dass pro Arbeitsplatz in dieser Branche drei weitere bei andern Firmen dazu kommen. Das Kantonsgebiet biete jedenfalls eine Fülle von Investitionschancen. Auch im Immobilienbereich.

Wie läuft die Gewerbearena?

Brutschin wies darauf hin, das einige Firmen ihre eigenen Areale weiter entwickeln und bebauen: Roche, Novartis, Syngenta, Helvetia, Baloise, BIZ, Bell, Lonza, um einige aufzuzählen. Im Rahmen des Life-Science-Clusters müssen sodann auch das Biozentrum, das ETH-Institut Biosystem Science and Engineering, das Unispital mit den verschiedenen Departementen, das Friedrich Miescher Institut, das neue Swiss TPH («Tropeninstitut»), der Innovationspark Allschwil und der Technologiepark Basel erwähnt werden – und die Liste ist nicht vollständig.