Messerstecherei

Beim Kokaindeal ging alles schief: Kein Geld, zwei Schwerverletzte und sechs Angeklagte

Kokain-Dealer veranstalten eine Messerstecherei. (Symbolbild)

Kokain-Dealer veranstalten eine Messerstecherei. (Symbolbild)

Ein Kokain-Deal ist in Basler Privatwohnung ausgeartet. Wegen einer blutigen Messerstecherei kurz vor Weihnachten 2017 müssen sich zwei junge Innerschweizer vor Gericht verantworten.

«Wir wollten nur konsumieren und Party machen», meinte der 24-jährige Mann gestern Montag im Basler Strafgericht. Warum die Truppe aus der Innerschweiz für den damaligen Ausflug nach Basel im Auto auch Schlagstock und Pfefferspray dabei hatten, konnten sie nicht so recht erklären.

Sicher ist nur: Der vorweihnachtliche Trip nach Basel ging gewaltig schief, er endete in der Nacht auf den 22. Dezember 2017 mit einer blutigen Messerstecherei, einem grossen Polizeieinsatz und wochenlanger Untersuchungshaft für alle Beteiligten. Die Version der Staatsanwaltschaft lautet so: Zwei Männer im Alter von 22 und 23 Jahren aus der Innerschweiz wollten in den Kokainhandel einsteigen, der 24-Jährige vermittelte den Kontakt über einen ehemaligen Knastfreund zu dem 31-jährigen Basler Dealer. Doch die Innerschweizer hatten gar kein Geld und konnten die für 50 Gramm Kokain geforderten 3000 Franken gar nicht aufbringen. So planten sie, dem Dealer den Stoff mit Gewalt abzunehmen.

Der Basler Dealer wartete an jenem Abend in seiner Wohnung in der Nähe der Rosentalanlage und hatte kein gutes Gefühl bei der Sache, weshalb er noch einen kampfsporterprobten 34-jährigen Freund hinzuzog. Dieser sorgte dafür, dass zuerst nur einer der Käufer ohne jegliche Waffen in die Wohnung gelassen wurde.

Auf der Flucht mit gezogener Waffe gestoppt

Doch als der zweite Käufer das Geld hochbringen sollte, geriet die Sache ausser Kontrolle: Der Basler Dealer und sein Security-Mann erlitten schwere Schlag- und Stichverletzungen, als Tatwerkzeuge nahmen die Innerschweizer die vorhandenen Küchenmesser. Der 31-jährige Dealer konnte über den Balkon flüchten und die Polizei alarmieren, die Innerschweizer wurden auf der Flucht in ihrem Auto von der Polizei mit gezogener Waffe gestoppt. In der Wohnung fand man 50 Gramm Kokain mit einem Reinheitsgehalt von 85 Prozent sowie ein halbes Kilo Marihuana, Geld hingegen hatte niemand dabei.

Die beiden Basler landeten schwer verletzt im Spital, der 31-jährige Dealer ist bis heute arbeitsunfähig und bezieht Sozialhilfe. Die Rechtsvertreter der Beiden forderten Genugtuungssummen von jeweils 10'000 und 15'000 Franken von den beiden Haupttätern.

Staatsanwältin Simone Lustenberger klagte die beiden 22- und 23-jährigen Männer aus der Innerschweiz unter anderem wegen versuchter vorsätzlicher Tötung an. «Das Konto des 22-Jährigen war mit 800 Franken im Minus. Niemand konnte plausibel erklären, wie man das Kokain bezahlt hätte. Alles deutet darauf hin, dass man den Stoff gewaltsam behändigen wollte», sagte Lustenberger in ihrem Plädoyer. Für die zwei Hauptangeklagten forderte sie Freiheitsstrafen von je acht Jahren und drei Monaten. Der 24-Jährige, der den Deal eingefädelt und vom geplanten Raub gewusst hatte, soll für drei Jahre hinter Gitter. Ein weiterer Beteiligter sowie der Basler Dealer sollen eine Freiheitsstrafe von 28 Monaten erhalten, der 34-jährige «Security» als Gehilfe bei einem Drogenhandel eine bedingte Strafe von neun Monaten. Das Urteil fällt am Donnerstag, das Gericht wird auch über Landesverweise entscheiden.

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