Saisonkarten beim SC Freiburg sind ein seltenes Gut. Wer einmal eine ergattert hat, gibt sie in der Regel nicht wieder ab. Bis zu maximal 15 000 Dauerkarten gibt der Club aus. Gerüchte, dass man es als Schweizer schwerer habe, an eine zu kommen, könne der SC «mit sehr gutem Gewissen verneinen», schreibt Pressesprecher Sascha Glunk.

Die Begründung: «Die eingerichtete Bewerber-Liste für frei werdende Dauerkarten ist mehr als 5000 Namen lang, nur einem Bruchteil davon kann eine neue Karte zugeteilt werden. Die Kapazität des Stadions ist einfach zu klein und die Nachfrage zu gross.» Der Club hoffe auf das neue Stadion. Dieses soll zur Saison 2019/20 fertig sein und wird mit einer Kapazität von 35 000 Plätzen über 10 000 mehr als das heutige Schwarzwald-Stadion haben.

In Deutschland stösst der Freiburger Fussballclub auf viel Sympathie. Kleines Budget und die Fähigkeit, aus wenig viel zu machen, mit Volker Finke oder jetzt Christian Streich unkonventionelle Trainer, super Stimmung im Stadion – das gefällt den Fussballfans, auch im Raum Basel.

Eine halbe Stunde zur Bundesliga

Aus der Schweiz gesehen besticht auch die Möglichkeit, von Basel aus nach einer guten halben Stunde Zugfahrt mit dem ICE hochklassigen Bundesligafussball zu bewundern. Natürlich ist es attraktiv, im Freiburger Schwarzwald-Stadion Mannschaften wie Borussia Dortmund oder Bayern München einlaufen zu sehen. Eine reelle Chance, derartige Spitzenspiele zu sehen, die ausverkauft sind, hat man aber nur mit einer Saisonkarte. 1099 davon hat der SC derzeit in die Schweiz vergeben. Manche Hardcore-Fans haben nicht nur beim SC, sondern auch beim FCB eine Dauerkarte. Aufgrund der unterschiedlichen Spieltermine in Freiburg und Basel funktioniert das und man kann beide Spiele sehen.

Eine Auflistung nach Städten oder Kantonen der Schweizer Dauerkarten sei leider «zeitlich nicht möglich», teilt der SC-Pressesprecher mit. Der ganz grosse Teil dürfte aber aus der Grenzregion stammen.

Einer der Inhaber ist Nils Jocher aus Frenkendorf, Anfang 20 und Co-Präsident der Juso Baselland. Mit zwei ungefähr gleichaltrigen Freunden hat er seit 2012 eine Dauerkarte, jeder eine wohlbemerkt. «Wenn wir mit dem günstigen Baden-Württemberg Ticket nach Freiburg fahren, ist es ungefähr gleich teuer wie beim FCB.»

Auf den Geschmack hat ihn sein Vater gebracht, der aus Bayern stammt und mit dem Sohn nach Freiburg fuhr, «um richtigen Fussball zu schauen.» Nils Jocher sieht in der Regel alle Heimspiele des SC, früher fuhr er auch nach noch zu den Auswärtsspielen. Beim Qualifikationsspiel für die Europa League im slowenischen Domzale war er kürzlich dabei.

Es hat nicht geholfen. Der SC ist nach einer 2:0 Niederlage ausgeschieden. Jocher sieht sich als Fan des Klubs. «Ich finde die Vereinskultur und auch den kritischen Umgang mit der Kommerzialisierung im Fussball beeindruckend.» Im Stadion stehe er mit den Freunden in der Nordtribüne, wo die Freiburger Fans aktiv sind. Diese seien am Anfang überrascht gewesen, dass er aus der Schweiz komme. «Aber dann freuten sie sich.» Zum FCB gehe er als «Stadiontourist» zwei oder dreimal im Jahr.

«Emotional verbunden» mit dem SC Freiburg fühlt sich auch der langjährige Basler SP-Präsident und Ex-Grossrat Roland Stark. Gleich wichtig sei ihm nur, dass sein Heimatklub, der FC St. Gallen, nicht absteige. Stark besass mehrere Jahre eine SC-Saisonkarte. Seitdem er Kinder und Familie hat, hat er die Präsenz im Stadion heruntergefahren, geht aber ab und zu immer noch gerne hin. In der Ausstellung «Fussball – Glaube. Liebe. Hoffnung», die vor zwei Jahren im Historischen Museum Basel zu sehen war, war Roland Stark mit einem Foto mit SC Schal vertreten.

«Auch wenn man das beim FCB nicht gerne hört, aber in Freiburg ist alles besser: der Fussball, die Auswahl bei der Verpflegung mit Flammkuchen, Pizza, verschiedenen Würsten oder Döner sowie das gute Rothaus-Bier.» Auch die Stimmung sei immer noch friedlicher als bei einem FCB-Match. «Der martialische Auftritt der Polizei vor dem Joggeli erinnert mich an den Bürgerkrieg in Irland. Ich wüsste nicht, wie ich das meinen Kindern erklärten sollte, falls sie mitkämen.»

Doppelfan Heinrich Ueberwasser

Als «Doppelfan» bezeichnet sich Heinrich Ueberwasser, Basler SVP-Grossrat und Vizepräsident des Districtrats des Trinationalen Eurodistricts Basel. Er geht regelmässig zum FCB, hat aus Zeitgründen allerdings derzeit keine Saisonkarte in der Muttenzerkurve mehr. Die Dauerkarte beim SC Freiburg besitzt er seit 1993. «Ich sitze jetzt auf der Haupttribüne. Bei jedem Abstieg habe ich die Dauerkarte behalten und konnte mich mehrmals verbessern.»

Fussball sei für ihn «reine Erholung». Ueberwasser ist auch schon zu Auswärtsspielen des SC gefahren, wie das für den Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga entscheidende Spiel in Paderborn. Weil der Jurist versucht, als Spielerberater ins Geschäft zu kommen, geht er auch zu anderen deutschen Klubs zu Spielen.

Ueberwasser ist überzeugt, dass der SC mit dem neuen Stadion auch in der Schweiz noch Potenzial habe. «Ich merke das im Zug, wo man auch Dialekt hört – zunehmend mehr aus Bern und Zürich.» Wenn Schweizer Identifikationsfiguren wie Alain Sutter, Admir Mehmedi oder Roman Bürki beim SC spielen, steige dort auch das Interesse. Ähnlich sieht das Nils Jocher in Bezug auf Gelson Fernandes.

Der FCB hat von seinen 22 300 Jahreskarten insgesamt 224 nach Deutschland und Frankreich abgegeben. Eine Warteliste gibt es nicht.