Elisabeth Ackermann springt zur Seite. Um ein Haar hätte der Fotograf sie neben einem BMW X5 abgelichtet. Nicht neben diesem Auto, stellt sie klar. Auch Probesitzen will sie den schwarzen, glänzenden Geländewagen nicht. Die grüne Kandidatin für das Basler Regierungspräsidium hat weder einen Führerschein noch etwas übrig für die Spritvernichter auf vier Rädern. Wäre der Strassenverkehr die freie Wildbahn, wären die Geländewagen Ackermanns natürliche Feinde: «Ich habe immer Angst vor denen, wenn ich auf dem Velo durch die Stadt fahre.»

Im Autocenter ist Ackermann für gewöhnlich nicht anzutreffen. Nun steht sie auf Einladung der bz im Basler Ableger der Emil Frey AG am Dreispitz – und beweist mit ihrer Flucht vor der Kamera zum zweiten Mal, dass sie sich hier auf dem Territorium des Feindes befindet. Vor dem Treffen und ohne Absprache hatte sie beim Autohändler angerufen und sich nach Elektroautos erkundigt. Auch ein Weg, sich die unbeliebten Karossen vom Leib zu halten. Bloss: Freund und Feind trennen hier keine zwei Meter. Der X5 steht direkt neben dem elektrobetriebenen i3. Und dazwischen Elisabeth Ackermann. «Zum Glück stehen sie hier nur herum.»

Von Dürr stehen gelassen

Im Rennen um das Regierungspräsidium ist es Ackermann, die bisher stehen gelassen wird. Laut der ersten Wahlumfrage von bz und «Tageswoche» fährt ihr Baschi Dürr (FDP) um die Ohren. Der Kampf um den Einzug in die Exekutive läuft auf ein Duell zwischen ihr und Lorenz Nägelin (SVP) hinaus. Wie sie Nägelin hinter sich lassen will, weiss sie genau: «Wir müssen jetzt alles daransetzen, den Leuten klarzumachen, welche Konsequenzen eine bürgerliche Wende hätte.» Aus ihrer Sicht: Noch mehr Steuersenkungen, als die Umsetzung der Unternehmenssteuerreform III vorsieht, gefolgt von weniger Einnahmen, gefolgt von Sparpaketen. «Spüren werden das letztlich alle», ist sie überzeugt.

Sparen kommt auch in Ackermanns Vision vor, der Vision eines grüneren, platzsparenden Basels. «Wir müssen Lebensformen finden, um ohne Komfortverlust mit weniger Wohnraumfläche auszukommen.» Ein Beispiel seien gemeinsame Gästezimmer in einer Siedlung. Ackermanns politisches Programm beschränkt sich nicht auf Autos. Auch für den Erhalt von Grünflächen setzt sie sich ein. Platzsparpotenzial sieht sie ausserdem im verdichteten Bauen und im Ausbau der Velowege: «Dann bräuchten viele kein Auto mehr.»

Regierungskandidatin Elisabeth Ackermann im Interview

Auf nichts verzichten

Kein Auto – ein Verzicht, der vielen schwerfiele. Die Drohkulisse des Verzichts bauen Gegner grüner Anliegen immer wieder auf. Zurzeit auch gegen die Initiative für eine grüne Wirtschaft. Es drohe der verordnete Verzicht auf Flüge, auf Fleisch, auf exotische Früchte, heisst es dann. Ackermann, die erst ganz selten geflogen ist, versteht das nicht: «Wenn wir innovative Technologien entwickeln, schonen wir die Ressourcen und müssen letztlich auf nichts verzichten.» Als eines der reichsten und innovativsten Länder sei die Schweiz als Standort des Fortschritts prädestiniert. «Wir wären dumm, wenn wir jetzt nicht handelten. Irgendwann kommt der Fortschritt sowieso. Jetzt könnten wir an der Spitze der Entwicklung stehen.»

Im Autocenter hört sie sich den Vortrag des Verkäufers zur Fortschrittlichkeit seines Elektroautos konzentriert an. Ab und zu wirft sie eine Frage ein, wie sehr sie der weit und breit einzige Elektrowagen aber tatsächlich interessiert, bleibt ihr Geheimnis. Jedenfalls hält sie nach dem Fotovorfall einen konsequenten Sicherheitsabstand zu allen Autos mit Energieeffizienzklasse B und tiefer. Im i3 nimmt sie hingegen kurz Platz. Etwas verkrampft klammert sie sich ans Steuerrad. Da bereitete ihr das Seifenkistenrennen im Margarethenpark wesentlich mehr Spass, wie ein Bild auf Facebook zeigt. Im Promi-Rennen fuhr sie bei 14 Teilnehmern auf Rang 8. Einen Platz vor ihr landete Lorenz Nägelin – wenn das nur kein schlechtes Omen ist.

Regierungskandidatin Elisabeth Ackermann im Interview

Als der Verkäufer erwähnt, dass in Basel viele Geländewagen herumkurven, verzieht Ackermann keine Miene. Im Gespräch spricht sie sich später für ein Verbot der «grössten Dreckschleudern» aus. Aber auch Steuererleichterungen für Elektroautos und ein Pilotprojekt für Road Pricing in Basel befürwortet sie. «Dadurch könnte Basel etwas zum globalen Klimaschutz beitragen.»

Neue Städtepartnerschaft aufbauen

Wenn Ackermann spricht, wählt sie jedes Wort mit Bedacht. Auch die Antwort auf die Frage, welche Ziele sie als Regierungspräsidentin anstreben würde, überlegt sie sich genau. «Ich würde sicher einen Teil von Guy Morins Politik weiterführen. Der erste Wechsel im Präsidialdepartement wäre auch eine gute Gelegenheit zur Prüfung der Strukturen.» Zudem möchte sie neben den bestehenden Städtepartnerschaften eine neue aufbauen. Mit einer Stadt in Griechenland oder Süditalien, um sie in der Flüchtlingskrise zu unterstützen. Und sie würde die Stelle für Behindertengleichstellung wieder einführen, die letztes Jahr weggespart wurde.

Die Wahl zur Regierungspräsidentin wäre in Ackermanns politischer Karriere eine logische Entwicklung. Die 53-jährige Gitarrenlehrerin gründete in den 80er-Jahren die Grüne Partei Basels mit. 2012 stieg sie zur Co-Präsidentin auf, letztes Jahr präsidierte sie den Grossen Rat. Mit dem politischen Aufstieg verstärkte sich auch ihre öffentliche Präsenz. Angesprochen auf Martina Bernasconis Rat zu einem Frisuren- und Kleidercoaching, verdreht sie die Augen. Die Meinungen, was schön sei, gingen auseinander. «Man warf mir auch schon vor, ich sei zu stark geschminkt.» Sie achte vor öffentlichen Auftritten aber mehr auf die Kleiderwahl. Nie fehlen darf ein leichter Schal. «Von denen habe ich Dutzende zu Hause», sagt Ackermann. Als das Gespräch zu Ende ist, schwingt sie sich auf ihr Velo und fährt im Basler Feierabendverkehr davon. Ein Elektroauto ist gerade nicht auf der Strasse. Dafür ein schwarzer, glänzender Geländewagen.