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Beim Sicherheitscheck erniedrigt – Euro-Airport unter scharfer Kritik von Behinderten

Auch der australische Sterbetourist David Goodall kritisierte den Euro-Airport als nicht behindertenfreundlich. (zvg)

Auch der australische Sterbetourist David Goodall kritisierte den Euro-Airport als nicht behindertenfreundlich. (zvg)

Der Flughafen Euro-Airport ist für Rollstuhlfahrer ungeeignet. Eine Frau im Rollstuhl wird am Basler Flughafen zum Aufstehen gezwungen – eine Zumutung und Erniedrigung, findet ihr Ehemann.

Der Euro-Airport (EAP) steht in der Kritik. Für Personen im Rollstuhl sei er eine Zumutung, so die harschen Worte von Thomas Schneider. «Das Flughafenpersonal am Euro-Airport ist immer noch völlig ahnungslos, wenn es um Passagiere im Rollstuhl geht», schreibt er auf seinem Blog. Seit elf Jahren sitzt Schneiders Frau nun krankheitsbedingt in einem Rollstuhl. Flüge meiden sie generell – zu kompliziert das Prozedere, zu anstrengend der Ablauf.

Vergangene Woche sollte es anders sein: Das Paar flog nach London in die Ferien. Der Abflugort: Basel. Ein Entscheid, den die beiden später bereuten. Nachdem sie bei den Schweizer Parkplätzen erst abgewimmelt wurden, vergass das Personal am Check-in, den Rollstuhl als Gepäckstück zu erfassen. «Dank unserer Checkliste konnten wir sie daran erinnern», sagt Schneider. Aber nicht alle seien so reiseerprobt wie sie.

Beschwerde beim Bund eingereicht

Bei der Sicherheitskontrolle kommt es dann zum Eklat. Schneiders Frau wird vom Personal dazu aufgefordert, sich aus dem Rollstuhl zu erheben. Es handle sich dabei um eine neue Vorschrift. Das Problem: Alleine schafft das die Betroffene nicht, Haltegriffe sind keine vorhanden und alle anderen Passagiere können bei der Prozedur zusehen. «Das ist einfach unglaublich», ärgert sich Schneider. «Eine Zumutung und Erniedrigung.» Gemeinsam mit seiner Frau hat er nun beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) Beschwerde eingereicht. Dieses verweist indes ans französische Amt für Luftfahrt (DGAC), welches mit einer Antwort aufwartet.

Nicht zum ersten Mal äussern Behinderte Kritik am Basler Flughafen. Bereits vor eineinhalb Jahren beschwerte sich der australische Sterbetourist und Rollstuhlfahrer David Goodall über den hiesigen Umgang mit Betroffenen. Goodall musste mitsamt Rollstuhl die Treppe heruntergetragen werden, weil keine Spezialfahrzeuge verfügbar waren. «Sie haben hier nicht die richtigen Anlagen, um Personen im Rollstuhl zu helfen», sagte er damals.

Daran scheint sich bis heute nicht viel geändert zu haben, obwohl nun ein zusätzliches Fahrzeug zur Verfügung steht. Georg Mattmüller, Leiter des Basler Behindertenforums, kennt die Problematik: «Uns sind auch schon solche Fälle zugetragen worden, in deren Folge ich mit dem EAP Kontakt aufgenommen habe.» Besonders die Situation beim Sicherheitscheck gebe zu denken. Eine Kontrolle, bei der Rollstuhlfahrende aufstehen müssen, sei grundsätzlich problematisch: «Es gibt zahlreiche Betroffene, die schlicht nicht aufstehen können.»

Keine Kriegsveteranen, wenig Bewusstsein

Beim Flughafen will man nun auf die Beschwerde eingehen. «Der Euro-Airport ist ständig bestrebt, die Servicequalität zu verbessern», sagt Sprecherin Vivienne Gaskell. Aus ihrer Sicht handelt es sich bei vorliegender Kritik um einen Einzelfall. Sie erhalte weniger als zehn Zuschriften pro Jahr von Handicapierten. «Und diese betreffen in der Regel nicht die barrierefreie Zugänglichkeit unserer Infrastruktur, sondern sind allgemeiner Art.» Die Verantwortlichen würden nun prüfen, was genau vorgefallen sei.

Für Thomas Schneider ist indes klar: Seine Familie wird auch weiterhin versuchen, aufs Flugzeug zu verzichten. «In der Schweiz hat das Flughafenpersonal einfach keinen guten Umgang mit Behinderten.» Etliche Personen geben ihm in ihren Kommentaren recht. Auch Mattmüller sagt: «In anderen Ländern ist es selbstverständlicher, Anliegen und Anforderungen von Menschen mit Behinderung im Alltag mitzudenken.» Grund dafür ist ausgerechnet die friedliche Vergangenheit der Schweiz. In der Schweiz lebten eben nicht so viele Kriegsveteranen wie in anderen Ländern, so die Einschätzung Mattmüllers.

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