Betrug

Beinahe der falschen Polizei 120'000 Franken abgeliefert

So unglaublich dreist die Methode klingt, sie funktioniert immer wieder: Der Rentner-Trick. (Symbolbild)

So unglaublich dreist die Methode klingt, sie funktioniert immer wieder: Der Rentner-Trick. (Symbolbild)

Ein geplanter Rentner-Trick hat nicht geklappt. Die betagte Dame wurde im letzten Moment stutzig und weigerte sich, das Geld zu übergeben. Ein 23-jähriger Mann aus dem Aargau wurde nun wegen versuchten Betrugs verurteilt.

So unglaublich dreist die Methode klingt, sie funktioniert immer wieder: Im Juni 2018 rief eine «Polizistin» bei einer 77-jährigen Rentnerin im Kleinbasel an, angeblich hätte man in der Nähe zwei Türken festgenommen, nebst Diebesgut sei auch ein schwarzes Notizbuch dabei gewesen, und der Name der Rentnerin sei darauf ganz zuoberst gestanden. Dass eine Frau mit «akzentfreiem Hochdeutsch» am Telefon war, machte die Rentnerin noch nicht misstrauisch, zumal auf dem Display tatsächlich die Nummer der Kantonspolizei Zürich angezeigt wurde.

«Haben Sie ein Schliessfach?», fragte die Frau am Telefon. Die Rentnerin bestätigte dies, woraufhin sie aufgeklärt wurde, dieses sei nicht mehr sicher und das dort gelagerte Geld bereits durch Falschgeld ersetzt worden. Schliesslich wurde die Rentnerin davon überzeugt, das Geld zu sich nach Hause zu holen. Als sie schliesslich die 120'000 Franken in bar vor ihrer Wohnungstüre platzieren sollte, wo angeblich Spezialisten der Polizei das Geld abholen und «überprüfen» sollten, weigerte sie sich.

Schon im Treppenhaus bereitgestanden

Ein 23-jähriger Mann aus dem Aargau stand zur Abholung schon im Treppenhaus bereit, erhielt dann aber offenbar telefonisch das Kommando zur Flucht und konnte verhaftet werden. Gestern stand er vor dem Basler Strafgericht wegen versuchten Betrugs.

Seine Version: Unbekannte hätten ihm 1500 Franken versprochen, wenn er nach Basel fahre und Geld abhole. Dass dabei eine alte Frau betrogen werden sollte, habe er nicht gewusst. Warum er in Aarau allerdings zuvor ein zweites Mobiltelefon erhalten hatte und ihn sein Auftraggeber permanent darüber lotste, konnte er auch nicht so recht erklären. Und auch nicht, warum sein Mobiltelefon während ähnlicher Betrügereien in Zürich nachträglich wegen der Randdaten jeweils in der Nähe geortet werden konnte.

«Sie machen etwas, das offensichtlich nicht legal ist»

Das Dreiergericht verurteilte ihn gestern wegen versuchten Betrugs zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten, verlängerte aber die Probezeit auf vier Jahre. «Das heisst für Sie, in den nächsten vier Jahren dürfen Sie keinen Blödsinn mehr machen», kommentierte Gerichtspräsident Dominik Kiener. Dazu kommen Urteilskosten von rund 10'000 Franken, weitere 11 000 Franken für die Verteidigerin gehen vorläufig auf die Staatskasse. «Es war klar, dass Sie etwas machen, was offensichtlich nicht legal ist», sagte Kiener insbesondere zur Einstufung als Mittäter. Man könne hier nicht von einer milder zu bestrafenden Gehilfenschaft ausgehen.

Der Mann ist im Aargau aufgewachsen, hat aber die türkische Staatsbürgerschaft. Ein Landesverweis war gestern kein Thema, könnte bei einem Rückfall allerdings eines werden. Den Schuldspruch kann der Mann noch weiterziehen. Soweit bekannt, sitzen die Hintermänner hinter den Betrügereien in der Türkei.

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