Wahlen Basel-Stadt

Beinahe-Siegerin Eymann freut sich in Quarantäne — sie geht nun als Spitzen-Kandidatin in den zweiten Wahlgang

Verfehlte das absolute Mehr um 79 Stimmen: Quereinsteigerin Stephanie Eymann (LDP).

Verfehlte das absolute Mehr um 79 Stimmen: Quereinsteigerin Stephanie Eymann (LDP).

Von Null auf Platz fünf: LDP-Kandidatin Stephanie Eymann schrammte nur knapp an der Sensation vorbei. Für den zweiten Wahlgang ist sie nun überraschend in der Favoritenrolle.

«Meine Güte war das knapp! Ich bin noch immer völlig baff.» Nach Bekanntgabe der definitiven Resultate der Basler Regierungswahlen tönt Stephanie Eymann, als hätte sie gerade einen Hollywood-Thriller gesehen. Nach den Briefstimmen lag sie am Mittag noch knapp über dem Absoluten Mehr. Mit den Urnenstimmen fehlten schliesslich schlappe 79 Stimmen zum Sprung in die Regierung. Das entspricht nur 0,3 Prozent ihres Resultates und ist zudem noch ihr Jahrgang, wie die LDP-Kandidatin lachend feststellte. «Die Freude über das gute Resultat überwiegt klar.»

In den zweiten Wahlgang am 29.November geht die Fünftplatzierte nun als Spitzenkandidatin. Ungewohnt: Denn Eymann hatte lange Zeit niemand auf der Rechnung. Die Baselbieter Polizeikommandantin lebt erst seit eineinhalb Jahren wieder in Basel, wo sie aufgewachsen ist. «Und einen politischen Leistungsausweis habe ich hier im Kanton auch noch keinen», sagt sie.

Sie selber habe sich vielleicht eine 50-Prozent-Chance eingeräumt, dass sie es auf einen Platz unter den ersten sieben schaffe. «Ich hätte erwartet, dass die Linken klarer hinter ihren vier Kandidierenden stehen.» Es habe sich gezeigt, dass auch die SP als wählerstärkste Partei nicht problemlos ihre Amtsträger ersetzen kann. Und bei Ackermann seien viele mit der Amtsführung über die vergangenen vier Jahre unzufrieden gewesen.

Neben Eymann schafften es noch SP-Mann Kaspar Sutter und FDP-Sicherheitsdirektor Baschi Dürr auf die potenziellen Regierungsplätze. Entsprechend optimistisch geht die LDP-Kandidatin in die zweite Runde: «Man hat unserem bürgerlichen Viererticket keine grossen Chancen eingeräumt. Aber offenbar gibt es viele Leute, die mit der Arbeit der rot-grünen Regierungsmehrheit nicht zufrieden sind. Wir haben gute Chancen auf einen Machtwechsel. Jetzt erst wollen wir ihn erst recht.»

«Sie bringt mit, was Ackermann fehlt: ein überzeugender Auftritt»

Das gute Resultat bestätigt auch das Abschneiden von Eymann bei der Kür der künftigen Regierungspräsidentin. Auch hier liess sie die Bisherige, Elisabeth Ackermann, hinter sich, auch wenn der Vorsprung etwas weniger deutlich ausfiel als bei den Regierungswahlen (35,7 Prozent gegenüber 33,7 Prozent der Stimmen).

Zum Vergleich: Baschi Dürr landete vor vier Jahren als Bisheriger im ersten Wahlgang so deutlich hinter Ackermann, dass er tags darauf seine Kandidatur als Regierungspräsident zurückzog. Chancenlos blieb hier die Grünliberale Esther Keller, die rund einen Fünftel der Stimmen holte. Offenbar haben das linke und das bürgerliche Lager in dieser Frage ziemlich geschlossen für ihre Frauen gestimmt. Da keine der Kandidatinnen das absolute Mehr erreicht, kommt es auch beim Regierungspräsidium zu einem zweiten Wahlgang Ende November.

Auch LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein war gestern überrascht vom guten Abschneiden ihrer Kandidatin. «Das Resultat ist eine Sensation. Wir wussten, dass sie gut ist und bei den Leuten ankommt. Aber dass sie so gut abschneiden wird, damit haben wir nicht gerechnet. Die Resultate zeigen, dass Stephanie Eymann auf ganzer Linie überzeugt hat. Sie bringt mit, was Ackermann fehlt: ein überzeugender Auftritt.»

Bald die erste bürgerliche Regierungsrätin Basels?

Viele erklärten Eymanns Resultat am gestrigen Wahlkampf auch mit dem Umstand, dass die Bürgerlichen im Vergleich zu 2016 auch eine weibliche Kandidatur auf dem Ticket hatten. Tatsächlich wäre Eymann die erste bürgerliche Regierungsrätin des Kantons. Das dürfte auch viele Wähler aus dem Mitte-Links-Lager motiviert haben, sie auf die Liste mit draufzuschreiben. Sicherlich nicht zu ihrem Nachteil war ihr Nachname. Von ihrem Onkel und Nationalrat Christoph Eymann ist bekannt, dass er viele Stimmen bei der SP holt.

Für die bürgerlichen Parteien ist damit auch die Taktik aufgegangen, nicht noch einmal den Schulterschluss mit der SVP zu suchen. Alle vier bürgerlichen Kandidaturen landeten in den Top 7, also auf den potenziellen Regierungsplätzen. SVP-Kandidat Stefan Suter dagegen blieb chancenlos – ob er mit bürgerlichem Support wesentlich besser abgeschnitten hätte, bleibt Kaffeesatzlesen.

Eltern haben bis zum 1. November Corona-Quarantäne

Feier-Selfie aus der Quarantäne: LDP-Kandidatin Eymann.

Feier-Selfie aus der Quarantäne: LDP-Kandidatin Eymann.

Bis sie wieder in den Wahlkampf starten kann, muss sich Eymann allerdings noch ein paar Tage gedulden. Wegen mehrerer Coronafälle in ihrer Familie sitzt sie seit Samstag in ihrer Wohnung in Quarantäne, noch bis zum 1.November.

Ihr Vater, der langjährige LDP-Grossrat und Kleinbasler Arzt Felix Eymann, und ihre Mutter liegen mit Covid-19 im Spital. «Der Tag war emotional ein einziges Auf und Ab», sagt sie. Immerhin: Zum Abschluss gab’s am Abend noch ein Besuch. Die bürgerlichen Mitstreiter liessen es sich nicht nehmen, Eymann von der Strasse aus zu gratulieren.

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