Gastroszene
Beizer rehabilitieren das Kleinbasler Problemviertel

In der Kleinbasler Gastroszene ist viel in Bewegung. Das einst für Schlägereien berüchtigte Lokal Terrasamba wagt einen – friedlichen – Neuanfang.

Stefan Schuppli und Ben Rosch
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Auch ein Neubeginn: «Roter Bären» im Rotlichtviertel.

Auch ein Neubeginn: «Roter Bären» im Rotlichtviertel.

Kenneth Nars

Am vergangenen Wochenende eröffnete der «Rote Bären» an der Ochsengasse, gestern Abend war es «Terrasamba» am Matthäusplatz an der Feldbergstrasse. Beide haben eine eher problematische Vergangenheit. Der «Rote Bären» hiess vormals «Venezia» und war, zumindest zeitweise, eine Animierbar. «Terrasamba» war berüchtigt für Gewaltexzesse einiger Gäste. Aktenkundig sind zumindest drei Messerstechereien und eine Massenschlägerei mit drei Schwerverletzten. Die Flut von Lärmklagen der Anwohner war noch das Geringste.

Die neuen Betreiber Louise Zitzer, Benni Kunz und Thomas Obi Mohler kennen die üble Vorgeschichte natürlich. Keck verzichten sie aber, den Namen zu ändern (was ihnen jeder weich gespülte PR-Stratege wohl empfohlen hätte). «Wir wollen, dass der Ort rehabilitiert wird. Die Lage ist perfekt», sagt Louise Zitzer. Die Investitionen seien jetzt erst mal bescheiden. Damit hält sich das Investitionsrisiko in Grenzen. Es gibt einen einjährigen Probebetrieb, und wenns ordentlich läuft, dann wird Benni Kunz (sieben Jahre Koch im «Goldenen Fass») in der Küche das Szepter führen. Er denkt dabei an eine modernisierte Form von Tapas. Zitzer bringt Erfahrung mit: Sie betreibt seit gut einem Jahr weiter oben an der Feldbergstrasse das «Smuk». Gestern Nachmittag war die Crew noch am Einrichten, der indonesische Strassenkünstler Eddie Hara pinselte seine recht eigenwilligen Art-Brut-Murales an Wand und Scheibe – ein Tribut an die unheimliche Vergangenheit des Lokals, eine Abwehr böser Geister?

Doch es gibt noch viele andere Initiativen. Gleich vis-à-vis von «Terrasamba» eröffnete im Februar das «Huckebein», auch eines dieser neuen Cafés, die einen fröhlichen Brocki-Charme haben – oder den gediegenen Retro-Look wie der vom Café Flore etwas weiter Richtung Rhein. «Huckebein»-Besitzer Tizian Aellig und seine Mitstreiter sind glücklich dabei: Der Laden (Spezialität: Katerfrühstück) läuft gut. Ende April wurde an der Oetlingerstrasse gleich ums Eck die «Birreria» der Braubude Basel eröffnet. Dort war die Beiz die logische Folge der kleinen Hinterhofbrauerei, die dank der tollen Biere sehr erfolgreich ist – zur überschäumenden Freude der Brauer, die mit Liefern fast nicht mehr nachkommen. «Wir haben gerade einen kleinen Engpass», sagt Michael Heim von der Braubude.

Auch Schliessungen

Neben den neu aufpoppenden Gastro-Lokalen gibt es aber auch immer wieder Traditionsbeizen, die von der Bildfläche verschwinden, wie etwa das Restaurant «Zem Stänzler» am Erasmusplatz. Nach rund 33 Jahren hängt Wirt Helmut Zankl die Kochmütze an den Nagel. Mehr noch: Er verkauft gleich das ganze Haus, die Beiz zusammen mit vier Wohnungen – in einer davon wohnt er selbst. Kostenpreis: 2,3 Millionen. Der «Stänzler» sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen. Wegen Anwohner-Beschwerden durfte Zankl seine Gäste im Garten nur bis 20 Uhr bewirten.

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