Und jetzt das. Eine leere Gasse. Dabei hatte alles so gut begonnen. «Meine Gäste waren glücklich, und Touristen haben geschwärmt, wie schön es sei», sagt Gabriele «Gabri» Auciello.

Das Glück währte nur kurz. Bereits nach fünf Abenden musste der Beizer von «Gabri’s Pasta» an der Rheingasse die Tische vom Reverenzgässlein gegenüber entfernen. Das Geld, das er in das Mobiliar investiert hatte – futsch. Der Kellner, den er engagiert hatte – arbeitslos. Der Traum, zum geselligen Leben in der Begegnungszone beitragen zu können – ausgeträumt.

Vor bald zwei Jahren hat Gabriele Auciello sein Pasta-Lokal eröffnet. «Es war mein Traum, die Gäste auch draussen bedienen zu können.» Die Strasse vor seiner Beiz ist aber zu schmal für einen Boulevard, eine andere Lösung musste her. Die Idee: einige Tische und Bänke ins Reverenzgässlein zwischen Rheingasse und Oberen Rheinweg stellen.

Besitzer-Angst vor Mieterverlust

Der Beizer ersuchte um eine Allmendbewilligung und bat die Besitzerinnen der beiden ans Reverenzgässlein grenzenden Liegenschaften, eine Einverständniserklärung zu unterschreiben. Beide Frauen hatten sich im Februar dazu bereit erklärt, für diesen Sommer «probeweise» fünf bis sechs Tische bis 21.30 Uhr zuzulassen. Als die Bewilligung des Gastgewerbeinspektorats vorlag, servierte Auciello Ende Mai erstmals draussen seine Pasta.

Schon am ersten Abend gab es Probleme. «Eine Mieterin beklagte sich wegen des Zigarettenrauchs», erzählt der Beizer. Am Tag darauf legte er auf jeden Tisch ein Blatt mit dem Titel «Wir zeigen Respekt gegenüber unseren Nachbarn». Die Gäste wurden gebeten, nicht zu rauchen und sich in «moderater Lautstärke» zu unterhalten. Ausserdem wurde darauf hingewiesen, dass das Aussenlokal um 21.30 Uhr schliesse. All das nützte nichts. Die Besitzerin des Hauses, Partnerin in einer renommierten Anwaltskanzlei, teilte der Allmendverwaltung mit, ihr Einverständnis für den Testlauf «mit sofortiger Wirkung» zu widerrufen. Als Grund nannte sie Lärm und die Gefahr, Mieter zu verlieren und einen Schaden zu erleiden.

Das Bau- und Verkehrsdepartement handelte rasch – und entzog dem Beizer die provisorische Boulevardbewilligung per sofort. Gabriele Auciello musste das Mobiliar nach nur fünf Abenden entfernen. «Das ist sehr belastend.» Unterstützung erhält er unter anderem vom Umweltaktivisten Martin Vosseler, der im anderen Haus wohnt, das ans Gässlein grenzt: «Für eine lebendige Stadt braucht es den Dialog. Mich hätte gefreut, wenn es geklappt hätte.»

Ähnlich klingt Lila Buchs-Grumbacher, der dieses Haus gehört: «Ich war dafür, die Boulevard-Wirtschaft probeweise zu ermöglichen und nach einem ersten Versuch zu evaluieren, wie es lief.» Für sie sei klar: «Wenn man gute Lösungen finden möchte, sollte man die Köpfe zusammenstrecken.»

Tino Krattiger, der die Belebung der Rheingasse vorantreibt, gibt sich kämpferisch: «Haben Sie etwa schon mal erlebt, dass ich in einer solchen Situation nichts unternommen habe?» Der Beizer selber hat Rekurs eingelegt. Aus diesem Grund, weil es ein laufendes Verfahren sei, äussert sich das Baudepartement nicht zu diesem Fall.