Er ist sich seiner Sache sicher. Der langjährige SBB-Direktor hält nichts vom Bahnanschluss an den Euro-Airport, der derzeit voran getrieben wird. Im Interview mit dieser Zeitung fragte er am Montag: «Warum will Basel eine Bahn zum Flughafen?» Die Antwort gibt er gleich selber: weil Zürich und Genf einen haben. Dabei gebe es nur Nachteile: Halbstunden-Takt, weit entfernt vom Terminal und umsteigen müsse man sowieso. Heute doppelt Weibel nach: «Das Angebot kann nur schlechter werden.» Er ist überzeugt, dass die Buslinie 50 vollends genügt – und für die Kunden sogar besser ist. Weibel selbst fliegt oft vom Euro-Airport und kann die Vorbehalte der Basler gegenüber dem ungeliebten Flughafenbus nicht verstehen: «Ich habe auch oft keinen Sitzplatz, aber das ist doch kein Problem. Dann stehe ich halt.»

Für den 68-Jährigen, der praktisch sein ganzes Berufsleben bei den SBB verbrachte, macht ein Bahnhof am Flughafen nur Sinn, wenn dieser wie in Zürich-Kloten oder Genf-Cointrin an den Fernverkehr angebunden ist. Das heisst: wenn die Passagiere aus Zürich, Bern oder dem Tessin im Intercity ohne Umsteigen hinkommen. «Das ist zwingend. Doch die Fernverkehrszüge werden nie an den Euro-Airport fahren.» Dies habe er übrigens auch «allen Basler Regierungsräten» gesagt.

Basel kontert: «Falsche Annahmen»

Das Vorpreschen des Vollblutbähnlers stösst in Basel auf wenig Verständnis. «Benedikt Weibel beurteilt das Projekt einseitig aus Schweizer Sicht und geht dabei von falschen Annahmen aus», sagt Jasmin Fürstenberger vom Basler Bau- und Verkehrsdepartement. So sollen die S-Bahnen ab Bahnhof SBB mindestens im Viertelstundentakt fahren. Auch die Busverbindung soll bestehen bleiben, betont Fürstenberger. «Sie fährt dann vielleicht nicht mehr zum Bahnhof SBB, sondern kann Ziele direkt mit dem Euro-Airport verbinden.» Das Angebot werde also ausgebaut.

Tatsächlich ist nicht vorgesehen, dass die Intercity-Züge bis zum Euro-Airport fahren – und zwar aus Kostengründen. «Ein Durchbinden der Fernverkehrszüge aus der Schweiz wäre vergleichsweise aufwendig.» Das sei so aber mit den SBB und dem Bund abgestimmt. Immerhin soll der Schnellzug Basel-Strasbourg am Flughafen haltmachen. Zudem weist Fürstenberger darauf hin: «Auch in Zürich und Genf müssen viele Fahrgäste umsteigen, um zum Flughafen zu gelangen.»

Direkt neben dem Terminal

Beim betroffenen Euro-Airport zeigt man auf, dass der Bahnhof keineswegs weit weg vom Terminal zu liegen kommen, sondern in den Flughafen integriert werden soll: «Die Perrons befinden sich ein paar Dutzend Meter vom Check-in entfernt», sagt Sprecherin Vivienne Gaskell. Weibels Perspektive sei einseitig schweizerisch. «Der Bahnanschluss trägt zur wirtschaftlichen Entwicklung der trinationalen Agglomeration Basel bei.» Der Bahnhof soll in Zukunft fester Bestandteil eines triregionalen S-Bahn-Systems werden. Weibel wiederum wendet ein: «Von einem solchen S-Bahn-System redet man schon seit 30 Jahren.»

So oder so: Dass aus der Vision Bahnanschluss Wirklichkeit wird, dafür braucht es noch einiges. Als Nächstes stehen Detailstudien an. Diese sind noch finanziert. Wer allerdings für die 260 Millionen Franken aufkommt, die das Projekt verschlingt, ist noch unklar. Ein Grossteil will Frankreich übernehmen, aber auch die Schweiz wird zahlen müssen. Es ist sehr gut möglich, dass Weibels Argumente dann wieder auftauchen.