Eigentlich war alles angerichtet: Der Bagger und das Begleitschiff waren in Position. Zuschauer, Fotografen und Kameramänner stellten sich auf. Die Wasserpolizei und die Feuerwehr sicherten die Bergungsstelle. Doch der Protagonist spielte nicht mit. Der Kieslader «Merlin» blieb trotzig liegen wie ein gestrandeter Wal. Die Arbeiter kratzten sich am Kopf. Trotz zahlreicher Versuche gelang es nicht, das tonnenschwere Schiff zu bewegen.

Wer auf eine spektakuläre Bergung hoffte, wurde enttäuscht. Schaulustige und Journalisten warteten gleichermassen darauf, dass sich etwas tut. Auch die Bergungsarbeiter hatten sich die Aufgabe auch einfacher vorgestellt. Mehrmals versuchten sie, das Schiff aufrecht zu hieven. Frühmorgens mit einer Kraft für 30 Tonnen Last. Später am Vormittag mit 60 – vergeblich. Etwa 30 Zentimeter bewegte sich das Schiff, was fürs blosse Auge kaum zu erkennen war. Der Kran brachte einfach nicht genügend Kraft für das 52-Meter-Schiff auf.

Nicht mal Minimalziel erreicht

«Wir wissen es nicht und können nur ausprobieren», antwortete Thomas Schweizer auf die Frage, warum die Bergung nicht so voran kommt wie gewünscht. Schweizer ist nicht nur Bergungsmeister, sondern auch Besitzer der «Merlin». Er versucht, mit seiner Wasserbaufirma, sein eigenes Schiff zu heben. Trotz aufwändiger Abklärungen und Vorbereitungen ist die Bergung offenbar mit vielen Ungewissheiten verbunden. Auf jeden Fall verhindern wollte Schweizer, dass sich das Schiff schnell und unkontrolliert dreht. Dies auch, weil ein Taucher rund um den verunglückten Kieslader im Einsatz war. Ursprünglich wollte Schweizer das Schiff gestern vollständig drehen, damit es wieder richtig herum im Wasser liegt. Am Mittag revidierte er dieses Ziel: Bis am Abend wollte er seine Merlin zumindest in einen 90-Grad-Winkel gekehrt haben, sodass es seitwärst liegt. Von da an ist es nicht mehr weit bis zum «toten Punkt», ab dem sich das Schiff quasi von selber dreht. Doch nicht mal dieses Minimalziel wurde erreicht.

Ein mühsames Herumpröbeln

Es war ein mühsames Pröbeln und Ausprobieren. Jedem Versuch ging eine rund zweistündige Vorbereitung voran. Mal wurden die Stahlseile, die zur Stabilisierung angebracht sind, anders gelegt. Mal wurde der Bagger auf dem Arbeitsponton in eine andere Position verschoben. Am Nachmittag wollte man gar eine Luftkammer innerhalb des Schiffs fluten, damit dieses weniger Auftrieb hat. Doch einen substanziellen Fortschritt wurde nicht erzielt. Um drei am Nachmittag wurde das Schiff schliesslich vom Haken genommen.

Die nicht planmässig erfolgten Arbeiten werden nun von der Bergungskommission analysiert, wie die Schweizerischen Rheinhäfen am Mittwochmittag mitteilten. Die Lage muss neu beurteilt werden. Die Arbeiten verzögern sich auf unbestimmte Zeit. Die Rheinhäfen wollen baldmöglichst über das weitere Vorgehen informieren.