Der Taucher machte sich bereit. Er zwängte sich in den Neoprenanzug und stieg die Leiter hinab in den Rhein. Gleichzeitig fuhr der Kran auf der Arbeiterplattform seinen Arm aus und führte ihn aufs Wasser. Das Ziel des Tauchers und der Bergungsarbeiter war klar: Gestern wurde der Ableger und die Schaufel des Baggers der Merlin geborgen. Lange genug war sie schon im Wasser. Es ist über zwei Monate her, am 4. August, als die Basler Polizei die Meldung erhielt, auf dem Rhein sei das Kranschiff Merlin gekentert und treibe kieloben rheinabwärts.

Das Stahlseil des rund 100 Tonnen schweren Rampenkrans tauchte ins Wasser ab. Die rund zehn Mann auf dem Floss - und etwa hundert Zuschauer an Land - schauten gespannt aufs Wasser in der Nähe des Dreiländerecks. Der Taucher brachte am Rheingrund Stahldrähte an. Und siehe da: Wenig später hing am Stahlseil des Krans die blaue Schaufel des Baggers und wurde aufs Floss heruntergelassen. Die Bedingungen für die Bergung waren optimal, erzählte gestern Enrico Haltiner, Inspektor für Nautik, dem Massenauflauf an Medienleuten. Der Wasserpegel war tief und die Strömung schwach.

Erneut schwang der Kran sein Stahlseil aus. Und mehrere Minuten später wurde auch der acht Meter lange Ausleger aus dem Rhein gehoben. Zum Glück war er nicht ganz ausgezogen, sonst wäre er bis zu 24 Metern lang.

Am Freitag wird ausgehoben

Was nach einer schnellen Aktion klingt, hat gestern den ganzen Nachmittag in Anspruch genommen. Die Bergungsarbeiten werden in verschiedenen Etappen vorgenommen. Haltiner spricht von ungefähr zehn Arbeitstagen, bis die Merlin wieder mit dem Kiel unten im Wasser treibt. Heute werden unter Wasser Drähte installiert, damit am Freitag das Kies-Lastschiff aus dem Wasser gehoben werden kann. Wenn auch nur versuchsweise. Für die eigentliche Bergung brauchen die Arbeiter noch einmal eine Woche Zeit. «Die grösste Herausforderung für uns ist die Absprache mit den Tauchern, wenn diese am Grund arbeiten.» Und auch die Strömung richtig einzuschätzen sei schwierig.

Unfallschiff Merlin wird aus Rhein geborgen

Die Bergung des Schiffes wird noch weitere Tage in Anspruch nehmen

Warum die 52 Meter lange und 7 Meter breite Merlin vor zwei Monaten gekentert ist, weiss man noch immer nicht. Und zu den Kosten der Bergung möchte Haltiner noch nichts sagen. Er ist jedoch zuversichtlich, dass alles nach Plan laufen wird. Schliesslich seien alles Profis am Werk. «Angst vor solchen Aufgaben habe ich nie. Aber Respekt.»