FC Basel
Bernhard Heusler: «Der FCB ist kein Selbstbedienungsladen»

Bernhard Heusler spricht im Interview mit der bz über die Anstrengungen der vergangenen Saison, die Freuden der Meisterfeier und wie der Verein seine Top-Spieler an sich binden kann.

Sebastian Wendel
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Bernhard Heusler spricht mit der bz über die Höhen und Tiefen der vergangenen Saison.

Bernhard Heusler spricht mit der bz über die Höhen und Tiefen der vergangenen Saison.

Keystone

Bernhard Heusler, wie haben Sie in der Nacht auf Sonntag die Meisterfeier erlebt?

Bernhard Heusler: Einmal mehr habe ich beim Blick runter auf den Barfi und an der Feier im «Papa Joe’s» realisiert, wie viele Menschen hinter dem FC Basel stehen und sich mit ihm freuen. In vielen Gesprächen habe ich eine grosse Erleichterung gespürt – die Fans, die Mannschaft und das ganze Umfeld haben den Titel dieses Jahr richtiggehend erlitten.

Es ist der vierte Titel in Folge, seit Sie beim FC Basel 2009 die operative Leitung übernommen haben. War die zurückliegende auch die anstrengendste Saison?

Ja, das war sie. Vor allem wegen des Trainerwechsels. Viele Menschen konnten den Entscheid nicht nachvollziehen. Wir haben das nicht gerne gemacht, aber es war für uns die einzige Lösung, um unsere Ziele realisieren zu können. In den letzten vier Jahren sind wir mit drei Trainern vier Mal Meister geworden. Das gibt Sicherheit für die Zukunft und zeigt, dass der Klub nicht vom Trainer abhängig ist. Die Saison war auch im positiven Sinn anstrengend, auch wenn wir den Vorstoss in den Europa-League-Halbfinal nicht als Massstab für die Zukunft nehmen dürfen.

Trotzdem. Der Erfolg von gestern ist die Messlatte von morgen.

Das stimmt grundsätzlich. Doch wir müssen realistisch bleiben, der FCB ist ein Schweizer Klub und die Super League im internationalen Vergleich eine kleine Liga. National – das ist klar – wollen wir auch in der nächsten Saison Meister werden. Der Druck von aussen ist gross, das spüren die Spieler und der Trainerstab und müssen dem gewachsen sein. Deshalb kann auch nicht jeder zum FCB kommen.

GC-Trainer Uli Forte wechselte überraschend zu YB, weil er dort bessere Perspektiven sieht. Befürchten Sie bei Murat Yakin Ähnliches, sollte ein Klub aus dem Ausland anklopfen?

Ich glaube, sein Hunger bei uns ist noch lange nicht gestillt. Wir als Klub sind nun gefordert, ihm Perspektiven aufzuzeigen. Also ihm die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit er und die Mannschaft das erreichen können, was wir von ihnen erwarten. Es ist ein Geben und Nehmen.

Sie sagen: «Auch beim FCB ist nicht alles Gold, was glänzt.» Was kann noch vergoldet werden?

Zum Beispiel haben wir in der Super League zu oft verloren, national müssen wir noch abgezockter werden. Nach dem Ausgleich zum 1:1 im Heimspiel gegen Chelsea erinnerten mich die Spieler ein wenig an eine Schülermannschaft, die nach dem ersten unbedingt noch das zweite und dritte Tor schiessen will. Prompt kassierten wir noch das 1:2. Aber wir sind froh, dass wir Sachen zu verbessern haben.

Meinen Sie damit auch die Integration von eigenen Nachwuchsspielern in der ersten Mannschaft?

Ich werde dem Trainer nie vorschreiben, er müsse so und so viele Junioren einbauen. In erster Linie muss er die Mannschaft so aufstellen, dass sie Erfolg hat. Für die Zukunft bin ich zuversichtlich, dass wieder mehr Talente den Sprung schaffen, die U18 und die U16 sind soeben Schweizer Meister geworden.

Gehen Sie ruhig in die Sommerpause? Immer wieder wird vom Ausverkauf geschrieben.

Ich bin nicht nervöser als sonst. Im Winter haben wir mit drei Transfers vorgesorgt, sollten uns im Sommer wichtige Spieler verlassen. Von Bobadilla erwarte ich, dass er in der neuen Saison noch besser integriert wird und zu einem Leistungsträger wird. Zudem haben wir Alternativen parat, sollten ein Dragovic oder ein Stocker gehen. Aber: Der FC Basel ist nach den internationalen Erfolgen der letzten Jahre kein Selbstbedienungsladen mehr, wie er es vor sechs Jahren vielleicht einmal war. Und immer mehr lassen die Spieler mich wissen, wie wohl sie sich in Basel fühlen.

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