Warum wollte der FC Basel den Mittelfeldspieler Veroljub Salatic von GC unbedingt verpflichten?

Bernhard Heusler : Nicht unbedingt, sondern unter der Bedingung, dass eine Einigung zustande kommt. Wir haben schon vor längerer Zeit einmal unser Interesse an Salatic bekundet. Normalerweise würde man sagen: nicht der Rede wert. Weil es ein Vorgang ist, der ständig stattfindet. Wir haben in dieser Phase auch Interesse an anderen Spielern angemeldet und für unsere Spieler trafen täglich Anfragen ein. Normalerweise gelangen nur Spekulationen in die Öffentlichkeit. Im Fall Salatic war es etwas anders. Aber Salatic ist ein hochinteressanter Spieler, was ein Kompliment ist - nicht mehr und nicht weniger.

Vor einem Jahr hätte man Salatic ablösefrei verpflichten können. Nun hat Basel den Grasshoppers vier Millionen Franken für den gleichen Spieler geboten.

Die angebliche Ablöse ist reine Spekulation, die ich nicht kommentiere. Aus einer Aussensicht erstaunt ein solcher Meinungswandel. Vor einem Jahr hatten wir im Mittelfeld mit Benjamin Huggel einen unbestrittenen Führungsspieler und mit Granit Xhaka einen Jungnationalspieler mit Stammspieleranspruch. Auch deshalb haben wir uns damals entschieden, den Deal mit Salatic nicht zu machen. Da es im Fussball nur eine Wahrheit gibt, kann man nach der letzten Saison kaum den Vorwurf erheben, es wäre damals der falsche Entscheid gewesen.

Die Causa Salatic lässt einigen Interpretationsspielraum zu. Beispielsweise: Der FC Basel hat den Typ Huggel nicht ersetzt.

Menschen sind nicht ersetzbar. Wir haben auch die Menschen Shaqiri und Xhaka nicht ersetzt. Als Typen kann man sie auch nicht eins-zu-eins ersetzen. Nie.

Was fehlt dem FC Basel, nachdem Salatic nicht verpflichtet werden konnte?

Sie wissen ja nicht, ob wir Salatic sofort holen wollten oder erst nächsten Sommer. Auch das ist Spekulation. Ob uns etwas fehlt? Wir werden es sehen. Es bringt nichts darüber nachzudenken, was uns fehlt. Es ist interessanter zu sehen, was wir haben.

Dieser Blick stellt Sie zufrieden?

Grundsätzlich kann man sagen: Wir haben nach wie vor eine hohe Qualität im Kader. Aber schauen wir mal, wie sich die Mannschaft als Team weiterentwickelt. Für mich ist es noch zu früh, um eine erste Bilanz zu ziehen. Diese Freiheit nehmen wir uns, auch wenn vielerorts schon nach sechs Runden Meister und Versager verkündet und Trainer entlassen werden.

Die Verträge von drei zentralen Mittelfeldspielern - Gilles Yapi, Fabian Frei und Cabral - laufen Ende Saison aus.

Für alle drei ist es eine Saison der Wahrheit. Durch die Abgänge von Huggel und Xhaka sind alle drei in der Hierarchie aufgestiegen. Alle drei müssen sich nun auf dieser neuen Stufe mit und neben dem neu verpflichteten Marcelo Diaz bestätigen.

Steckt hinter der Absicht, Salatic zu verpflichten, auch ein Signal an jene drei Spieler?

Man interpretiert wahnsinnig viel in den Fall Salatic - auf allen Seiten, weil dieser öffentlich gemacht wurde. Es ist ein Musterbeispiel, weshalb es niemandem, aber wirklich niemandem dient, solche Vorgänge vorschnell öffentlich zu machen.

GC hat es ja dann öffentlich gemacht. «FCB Interesse an Salatic. GC sagt Nein! Vero: Ich bleibe ein Hopper». So lautete der Titel des Communiqués. Haben Sie diesen Fall mit den Verantwortlichen ausdiskutiert?

GC ist, nachdem der Spieler am Match FCB - FCZ gesichtet wurde, mit Aussagen von Journalisten konfrontiert worden, sie wüssten vom Interesse des FC Basel - ein nicht seltener Trick, der offenbar gewirkt hat. Doch von unserer Seite weiss ich, dass keine Informationen raus gegangen sind. Ansonsten ist der Austausch zwischen den Verantwortlichen der Klubs absolut korrekt und gewöhnlich abgelaufen.

Mit Ausnahme der Kommunikation.

Stimmt. Das war das einzig Ungewöhnliche. Eine Rückfrage hätte genügt. Da hat die Kommunikation zwischen den Klubs nicht funktioniert. Der unerwünschte Effekt ist, dass beide Vereine und der Spieler mit Spekulationen konfrontiert werden - eigentlich unnötig.

Es machte den Anschein, als wollte GC mit dem Communiqué dem FCB ans Schienbein treten. Haben Sie diesen Tritt überhaupt gespürt?

Falls das die Absicht gewesen wäre, hätte ich die Meldung nur als versuchten Tritt wahrgenommen.

Themawechsel: Haben Sie das Aus in der Champions-League-Qualifikation überwunden?

Ja. Wir haben in den letzten vier Jahren mit drei Champions-League-Teilnahmen unüblich viel erreicht. Wir haben den FCB als Marke in Europa etabliert.

Der FCB schürt mit seinen Erfolgen die Erwartungshaltung. Und Sie stören sich daran.

Ja und nein. Nein, weil hohe Erwartungen immer der Lohn für ausserordentliche Leistungen sind. Ja, weil zu hohe Erwartungen den Blick auf die Realität versperren, freudetötend und leistungshindernd wirken können. Vor dem Playoff-Spiel gegen Cluj empfand ich gewisse Vorschauen als eine Mischung zwischen positiver Erwartungshaltung und einem Unwissen, einer Unkenntnis und einer Ignoranz gegenüber jenen Ligen, die bei uns nicht beachtet werden. Die Menschen sind nur noch fixiert auf die Bundesliga, Premier League, vielleicht noch spanische und italienische Liga. Champions League interessiert, der Rest nicht. Europa League interessiert nicht, Cluj kennt man nicht, also können sie nichts. Aber Cluj ist rumänischer Meister, hat eine Woche zuvor den tschechischen Meister eliminiert und hoch talentierte portugiesische Spieler im Kader. Ja, was meinen wir? Wir hauen die einfach weg? Wenn wir gegen den vierten der Bundesliga antreten, ist die Erwartungshaltung viel tiefer. Aber vielleicht wäre die Aufgabe für uns eher machbar. Nein, Cluj war von den möglichen Gegnern einer der schwierigsten. Aber klar: Wir hatten es im Heimspiel in den Füssen, Cluj zu eliminieren. Das schmerzt.

Was machen Sie gegen die übertriebene Erwartungshaltung?

Ich bin nicht da, um zu missionieren. Wenn die Leute nach einem Spiel unzufrieden sind, bringt es nichts, wenn Trainer oder Klubexponenten verkünden: ‹Ihr habt alle nichts begriffen. Das war ein spannendes, taktisch ausgereiftes Spiel. Ihr seid Ignoranten›. Die Leute kommen ins Stadion, um sich unterhalten zu lassen. Jeder hat ein Recht dazu, sich ein eigenes Bild zu machen. Wenn einer findet, es sei ein Skandal, dass der FCB die Champions League nicht erreicht hat, ist dies sein gutes Recht. Ich habe mich von der Mission gelöst, den Leuten den FCB erklären zu müssen.

Platz vier in der Super League. Was löst diese Platzierung im Klub aus?

Dass wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht Erster sind, löst keine Panik aus. Wichtig sind der Abstand zum Leader und die Entwicklung der Mannschaft. Auch nach dem Cluj-Spiel habe ich der Mannschaft gegenüber gesagt, dass wir auch nach einer Niederlage weiterhin das Vertrauensfundament erhalten werden. Und ich habe allen zugesichert, dass wir nicht auf die Suche nach den Schuldigen gehen. Aber jeder muss sich bewusst sein, dass der Erfolg nicht nur fussballerische Qualität, sondern auch Wille, Freude und Bewusstsein bedingt. Und dieses Bewusstsein ist beim FCB mit seinen hohen Zielen schon speziell. Ausserdem muss man berücksichtigen, dass wir mit den Abgängen von Huggel, Shaqiri, Xhaka und auch Abraham viel Leadership verloren haben. Shaqiri und Xhaka sind trotz ihrer Jugend bereits schon im Nationalteam zu Eckpfeilern geworden.

Haben Sie punkto Wille, Freude und Bewusstsein in den letzten Wochen Defizite festgestellt?

Nein. Ich kenne die Mechanismen. Wenn man nicht gewinnt, werden aus Helden schnell überbezahlte Jungmillionäre. Natürlich läuft noch nicht alles perfekt. Aber ich nehme die Mannschaft als funktionierendes Team und äusserst willensstark wahr.

Erstmals als Cheftrainer macht Heiko Vogel Erfahrung mit einer Serie siegloser Spiele. Welche Veränderungen haben Sie bei ihm festgestellt?

In seiner Arbeit habe ich ihn nicht anders erlebt. Einzig in der Öffentlichkeitsarbeit hat er bisweilen seinen Unmut in deutscher Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht. Darüber haben wir aber gesprochen. Vogel ist ein überaus intelligenter Trainer. Die Niederlage in Cluj war ein schwieriger Moment für ihn. Diesen hat er aber mit der Grösse eines erfahrenen Trainers bewältigt.