Pharma
Berset gegen Roche: Brustkrebsmedi wird nicht länger bezahlt

Wegen einer «abenteuerlichen» Preispolitik hebt das Bundesamt für Gesundheit die Kassenpflicht für ein Krebsmedikament des Pharmakonzerns Roche auf.

Urs P. Gasche
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Bundesrat Alain Berset wagt Streit mit Roche

Bundesrat Alain Berset wagt Streit mit Roche

Nordwestschweiz

Mit dem Segen von Departementschef Alain Berset widersetzt sich das Bundesamt für Gesundheit (BAG) dem «Schaufensterpreis» von Roche und verweigert eine Verlängerung der befristeten Kassenpflicht über den 31. Juli hinaus. Damit Brustkrebs-Patientinnen eine laufende Perjeta-Behandlung nicht abbrechen oder aus eigener Tasche zahlen müssen, bleibt die Kassenpflicht für diese Frauen bis Ende Oktober erhalten. Das teilte das Bundesamt für Gesundheit mit.

Das teure Perjeta wird in Kombination mit dem ebenfalls von Roche verkauften Medikament Herceptin gegen fortgeschrittenen Brustkrebs eingesetzt und war seit März 2013 kassenpflichtig. Seit dem 1. August 2014 steht es nicht mehr auf der Liste der kassenpflichtigen Medikamente. Der Streit entbrannte um den Preis. Bisher kostete eine Packung Perjeta (ohne Herceptin) 3782 Franken. Allerdings konnten die Krankenkassen «für jede bezogene Packung» nachträglich eine Rückvergütung von 1600 Franken bei Roche einfordern, sodass der effektive Preis bei 2182 Franken lag.

Abenteuerliche Einigung

Der offizielle Listenpreis diente als Massstab für ausländische Behörden, welche die Preise in ihren Ländern teilweise nach den Preisen in der Schweiz ausrichten. Die gewährte Rückvergütung versteckte das BAG in der Liste der vergütungspflichtigen Präparate in den sogenannten Limitationen. Diese sollen eigentlich die Anwendung des Medikaments auf bestimmte Patientengruppen beschränken.

Doch hier brauchte man die Limitationen offensichtlich zu anderen Zwecken. Und zwar nicht nur einmal. Krankenkassen und die Parlamentarische Verwaltungskontrolle reagierten denn auch irritiert. Letztere beanstandete im März die «abenteuerlichen Einigungen» zwischen BAG und Pharmaindustrie und zeigte sich über die «offensichtlich bestimmungsfremde Nutzung der Limitationen» erstaunt.

Rückzahlungen an die Kassen in eine Limitation aufzunehmen, sei «rechtlich nicht zulässig», hatte Jurist und Gesundheitsexperte Markus Moser schon 2013 erklärt. Moser war früher im Bundesamt für Sozialversicherungen für die Krankenkassen zuständig. Denn die Listenpreise müssten laut Gesetz «wirtschaftlich» sein.

Wenn aber das BAG im Kleingedruckten der Limitation eine generelle Rückvergütung an die Kassen festschreibe, so sei dies «der Beweis, dass der Listenpreis offensichtlich nicht ‹wirtschaftlich› ist». Deshalb verstossen solche Listenpreise gegen das Gesetz, erklärte Moser.

Einen solchen fiktiven Listenpreis gab es auch für das Multiple-Sklerose-Präparat Gilenya. Herstellerin Novartis einigte sich Anfang 2014 mit dem BAG, die Rückvergütung von 827 Franken pro Packung zu streichen und dafür den Listenpreis um diese Summe zu senken. Man kann davon ausgehen, dass das BAG den «Schaufensterpreis» auch für Perjeta abschaffen, Roche jedoch den Listenpreis nicht entsprechen senken wollte. Für die Nicht-Einigung war der Listenpreis ausschlaggebend, erklärt Roche.

Konzernsprecherin Claudia Schmitt wollte nicht sagen, ob Roche gegen den BAG-Entscheid Beschwerde erhebt. Das BAG versteckt sich – trotz Öffentlichkeitsgesetz – hinter dem Amtsgeheimnis und verweigert nähere Angaben.