Mode als Kunst
Berufsfachschule Basel zeigt neueste Kreationen in Bernoulli-Haus

Die Berufsfachschule Basel präsentiert ihre neusten Kreationen. Die diesjährige Ausgabe stand ganz im Zeichen der Kunst. Die zukünftigen Designer liessen sich bei ihren Stoffen von den Farbpaletten der Künstler inspirieren.

Céline Feller
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Für die roten Kleider liessen sich die Designerinnen von Mark Rothkos Werken inspirieren. Kenneth Nars

Für die roten Kleider liessen sich die Designerinnen von Mark Rothkos Werken inspirieren. Kenneth Nars

Kenneth Nars

Eine grosse Freitreppe führt zum Eingang, hinein in den Hans-Bernoulli-Bau an der Kohlenberggasse. Das Haus erinnert aufgrund seines französischen Innenhofs und dem ehemals mit edlen Stuckaturen geschmückten Entrée an einen französischen Renaissance-Palast. Wo einst Kunstwerke aus Gips die Decken zierten, waren gestern andere Kunstwerke zu betrachten: Modekreationen.

Die Berufsfachschule Basel (BFS) lud am Freitag zu ihrer jährlichen Modeschau, bei welcher jeweils Lernende diverser Coutureateliers ihre Werke präsentieren dürfen. Zu Ehren Bernoullis und zum 100-jährigen Bestehen seines Prachtbaus fand die Modeschau dieses Jahr zum zweiten Mal in diesem Haus, welches gleichzeitig das Hauptgebäude der BFS ist, statt. «Wir haben es extra so gemacht, dass auch das Gebäude zur Geltung kommt», erklärt Marianne Soltenmann, Leiterin der Lehrwerkstatt für Bekleidungsgestalter der BFS.

Die diesjährige Ausgabe stand ganz im Zeichen der Kunst. Die zukünftigen Kleidungsgestalterinnen und Kleidungsgestalter liessen sich bei ihren Kreationen von den Farbpaletten dreier Künstler inspirieren: vom intensiven Blau des französischen Malers Yves Klein, von den Rot- und Brauntönen des abstrakten Expressionisten Mark Rothkos und von den schwarz-weissen Bildern des amerikanischen Künstlers Cy Twombly.

Die Zuschauer waren von der Show beeindruckt.
5 Bilder
Das Beste kommt zum Schluss.
Konzentrierte Blicke auf die aktuelle Kollektion.
Eine grosse Varietät ist zu sehen.
Das Gebäude kommt bei der Modenschau auch zur Geltung.

Die Zuschauer waren von der Show beeindruckt.

Kenneth Nars

Grosse Varietät

Eine weitere grosse Treppe führt die Gäste ein Stockwerk nach oben. Die Wände und Decken leuchten in Rot. Die Scheinwerfer gehen an, die Musik wird lauter. Langsam schreiten die ersten jungen Frauen und ein Mann durch den Gang und über die Treppen, die als Laufsteg dienen. Die Kreationen sind variantenreich, bodenlang oder kurz, mit Ärmeln oder schulterfrei, von Hellrot bis Weinrot, aus Seide oder Leinen. Den Lernenden, die gleichzeitig auch die Models ihrer eigenen Stücke sind, wurden keine Grenzen gesetzt. «Die Aufgabe war, einen Entwurf massgenau, auf ihren eigenen Körper zu schneidern», so Soltenmann. Mode nach Mass, nicht nach Konfektionsgrössen ist auch eine der zentralen Ausbildungen während des dreijährigen Lehrgangs, den die Schülerinnen und Schüler absolvieren.

Die Wände wechseln langsam die Farbe, aus Rot wird Blau. Und schon präsentieren die Models ihre von Klein inspirierten blauen Kreationen. Passend zu den Meeresfarben rauscht aus dem Hintergrund der Sommerhit «Waves», der dem tristen Regenwetter zum Trotz noch ein letztes Mal den Sommer wiederaufleben lässt. Neben Ballkleidern und paillettenbesetzten Werken sind passenderweise auch Sommerkleider dabei. Das Highlight sparen sich die Veranstalter bis zum Ende auf: die von Cy Twombly inspirierte Mode. Die Hallen des Hauses sind mit Seifenblasen gefüllt, durch die sich die Models ihren Weg bahnen. Paarweise treten sie ein, jeweils ein junger Mann mit einer jungen Dame. Manch ein Zuschauer fühlt sich angesichts der hochzeitsähnlichen Kreationen der Damen wohl an eine Brautmodeschau erinnert.

Nach der gut 20-minütigen Show verrät eine der Lernenden, dass das Einstudieren der Choreografie – die Models kamen jeweils aus drei Richtungen auf den Catwalk –die grösste Herausforderung gewesen sei. So schwierig die Choreografie der Models war, so einfach ist es für die Besucher, einen Weg aus dem Bernoulli-Haus zu finden. Immer den grossen Treppen entlang, bis einen die grosse Freitreppe wieder nach draussen führt.