Dem gegenüber steht eine für Deutschschweizer Verhältnis hohe gymnasiale Maturitätsquote. Dies geht aus dem am Bericht über die Lehrstellensituation im Kanton Basel-Stadt 2011 hervor. «Das hat Tradition», erklärt Christoph Marbach von der Berufsberatung, Berufs- und Erwachsenenbildung: «Immerhin ist Basel eine Universitätsstadt und verfügt über fünf Gymnasien.»

Allerdings möchte der Kanton diesen Umstand ändern: Im Herbst 2010 startete ein Projekt, um die Berufsmatur (BMA) populärer zu machen. Ein Teil des Projekts ist die Imagekampagne «Berufslehre plus Berufsmatur», die seit anfangs 2012 läuft.

Brückenangebote in Kritik

Im Lehrstellenbericht werden verschieden Gründe erwähnt, welche die tiefe BMA-Quote erklären. Einer davon ist, dass eine Berufslehre mit Matur heute zwar ein Fachhochschulstudium möglich macht. Vielen Eltern, die selbst den gymnasialen Weg gegangen sind, sie dies aber nicht bewusst, erklärt Marbach. Zudem bestehe die Möglichkeit, anschliessend an die BMA die einjährige Passerelle zu absolvieren und so den Zugang zu einem Universitätsstudium zu erlangen.

Bei Eltern mit Migrationshintergrund spiele zudem das Unwissen über das duale Bildungssystem eine Rolle. «Diese Eltern sehen in mehr Schulbildung die einzige Möglichkeit für ihr Kind, einen gut bezahlten Beruf ergreifen zu können.» Eine Lehre werde selten mit einer Ausbildung in Verbindung gebracht, sondern mit arbeiten.

Gymnasiale Quote senken

«Der Stellenwert der Berufsmatur ist im Vergleich zu anderen Kantonen zu gering», sagt auch Christine Heuss, Präsidentin der Bildungs- und Kulturkommission des Grossen Rats. Natürlich müsse man sich bei der Berufsmatur früher festlegen, in welche Richtung die zukünftige Ausbildung gehen soll. Aber es brauche mehr Gleichgewicht. «Unser erklärtes Ziel ist, die gymnasiale Maturquote zu senken.»

Im Bericht kritisiert der Regierungsrat die geschaffenen Brückenagebote. Das vom Kanton zur Verfügung gestellte 10. Schuljahr «Basis plus», das Schülerabgänger nutzen, wenn sie den Notendurchschnitt für eine Mittelschule nicht erreicht haben, sei der angestrebten Haltungsänderung nicht förderlich.

Hier möchte Marbach die BMA stärker etablieren. Im Vergleich zu den Mittelschulen sei eine Lehre mit BMA zeitlich effektiver und die praktische Erfahrung sei auf dem Stellenmarkt ein Vorteil.