Asyldebatte
Besetzung in der Matthäuskirche wird zum Streit der Konfessionen

In der Diskussion um die Matthäuskirche haben sich seit der Räumung verschiedene Nebenschauplätze aufgetan. Während der evangelisch-reformierte Kirchenratspräsident einen Konfessionsstreit vom Zaun bricht, verschmieren Vandalen die Fassade seines Büros.

Benjamin Rosch
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Vandalen haben den Sitz des evangelisch-reformierten Kirchenrats verschmiert.

Vandalen haben den Sitz des evangelisch-reformierten Kirchenrats verschmiert.

Tobias Müller

Es sind harsche Worte, die Kirchenratspräsident Lukas Kundert wählt: «Tatsächlich liegen uns Informationen vor, wonach die Besetzung der evangelisch-reformierten Matthäuskirche von Personen aus dem katholischen Milieu vorbereitet und durchgeführt worden ist», schreibt er in einer Replik auf die «Basler Zeitung». Den Aktivisten, die sich für Sans-Papiers einsetzen wollen, macht er zum Vorwurf, keine katholische Kirche besetzt zu haben und nun die Verantwortung den Reformierten zuzuschieben. Damit stösst Kundert die Tür zu einer neuen Dimension in der Debatte um die Aktion «Wir bleiben» auf: die der Konfession.

Kundert wirft den Besetzern unter anderem vor, schon im Vorfeld der Protest-Aktion «persönlich von einem Mitglied des Jesuitenordens instruiert» worden zu sein. Dabei handelt es sich um Christoph Albrecht. Der Jesuiten-Pater und Leiter der Universitätsseelsorge sagt, dass er Beteiligten eine Checkliste mit Verhaltenstipps gegeben hatte: «Davon haben sie leider nicht alle Punkte beachtet.» Die Behauptung Kunderts, die Bewegung stamme aus dem «katholischen Milieu», stimme aber nicht: «Viele der Mitglieder dieser Solidaritätsgruppe sind mit der kirchlichen Realität nicht so vertraut», sagt Albrecht. Einige davon seien katholischer, andere reformierter Konfession.

Dennoch übt Albrecht leise Kritik am Vorgehen der Aktivisten: «Welche Gespräche im Vorfeld tatsächlich gelaufen sind, weiss ich nicht. Im Idealfall sollte eine Kirche gewählt werden, bei der man im Vorfeld mit den Verantwortlichen sprechen und die Haltung gegenüber den Behörden abklären kann.» Auch die Besetzer weisen die Anschuldigungen Kunderts von sich: «Auf jeden Fall können wir die Aussage dementieren, dass die Niederlassung in der Matthäuskirche von ‹Personen aus dem katholischen Milieu vorbereitet und durchgeführt worden ist.› In dieser Aussage ist kein Funke Wahrheit vorhanden.»

Kundert moniert zudem, dass ein führendes Mitglied der Aktivisten «Justitia et Pax» angehörte. Dies ist eine Kommission der Schweizer Bischofskonferenz, die sich mit sozialen und gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzt. Bei der beschriebenen Person könnte es sich um Michaela Collins handeln. Ihr Name taucht sowohl früh in der Online-Petitionsliste der Aktivisten als auch auf der Facebook-Seite von «Wir bleiben» auf. Collins war bis vor wenigen Jahren Vice President der Bank J. Safra Sarasin und ist im Verwaltungsrat der Basler Gebäudeversicherung. Sie wollte sich gestern nicht zu den Vorwürfen äussern.

Kritik an den Äusserungen Kunderts kommt indes auch aus den eigenen Reihen. «Eine Unterscheidung zwischen katholischen und reformierten Aktivisten herbeireden wollen, scheint mir an den Haaren herbeigezogen», sagt Sibylle Benz. Die SP-Grossrätin ist Mitglied der evangelisch-reformierten Kirche und fühlt sich vom Kirchenrat schlecht vertreten: «In unserer Kirche herrscht ein eindeutiges Demokratie-Defizit.»

Vandalenakt beim Hauptsitz

Auch der innere Kreis der Aktivisten will sich nicht auf eine Konfessions-Diskussion einlassen und beantwortete eine entsprechende Anfrage der bz nicht. Es scheint, als würden sich die Fronten zusehends verhärten. Gestern machte «Onlinereports» bekannt, dass der Sitz der Evangelischen Kirche im Münsterhof Opfer von Vandalen geworden ist. Unbekannte hatten in der Nacht auf Donnerstag die Fassade versprayt und einen meterlangen Schriftzug «Heuchler» mit roter und blauer Farbe hingemalt.