Havarie auf dem Rhein
Besitzer der gekenterten «Merlin»: «Das Schiff war mein Kind»

Das beim Basler Rheinhafen gekenterte Baggerschiff «Merlin» gehört der Schweizer Wasserbau AG. Ihr Gründer Thomas Schweizer ist aufgewühlt, hat er doch mit dem Kauf vor 17 Jahren seine Firma gegründet.

Daniel Fuchs
Merken
Drucken
Teilen
«Merlin» gehört der Schweizer Wasserbau AG.
3 Bilder
Das gekenterte Baggerschiff «Merlin»
Der Kapitän und seine drei Besatzungsmitglieder konnten unverletzt evakuiert werden.

«Merlin» gehört der Schweizer Wasserbau AG.

Zur Verfügung gestellt

«Unsere Spezialität ist die Planung und Ausführung von Nassbaggerarbeiten. Unser Kranschiff ist ein wahrer Zauberer wenn es um saubere und genaue Baggerarbeiten geht.» So steht es auf dem Webauftritt der Schweizer Wasserbau AG mit Sitz in Birsfelden BL.

Am Montagmorgen aber nützte alles Zaubern nichts mehr. Plötzlich ging alles schnell, wie ein Leservideo auf «20Minuten» zeigt: Bereits in Schieflage, dreht sich «Merlin» innert Sekunden auf den Rücken. Der Kapitän, der sich bis zum Schluss auf Deck aufhält, kann sich gerade noch auf den Bug retten, ehe ihn ein Rettungsboot in Sicherheit bringt.

«Merlin» hatte Sand und Holz geladen

«Durchkentern» nennen es Seefahrer – besonders unglückliche Umstände können laut dem Gründer und Geschäftsführer von Schweizer Wasserbau, Thomas Schweizer, dazu führen.

Noch ist die Ursache der Havarie unbekannt. Thomas Schweizer ist froh, dass keinem seiner Mitarbeiter etwas zugestossen ist. Er ist aufgewühlt: «Dieses Schiff war mein Kind. Wir haben es 1997 zum Baggerschiff umgebaut.» Seither baggert «Merlin» Kies, Sand und Treibgut aus dem Rhein.

Aushubarbeiten an der Schiffschleuse

Vor dem Unfall war die Crew mit Baggerarbeiten bei der Schleuse in Birsfelden beschäftigt. Den Auftrag hierzu erteilt das Kraftwerk Birsfelden. Die Arbeiten sind wiederkehrend: Mindestens einmal jährlich muss die Schleuse laut Thomas Schweizer von Sand und Treibgut befreit werden, damit Tankschiffe passieren können. Als «Merlin» am Montagmorgen kenterte, befand sich also Sand und Holz auf Deck.

Schiffsunglücke in Holland alltäglich

Was passiert nun mit dem Schiff? Für Thomas Schweizer bedeutet die Havarie nicht zwangsläufig das Ende für seinen «Merlin». Es gebe immer wieder Binnenschiffe, die sinken. «Auf dem Rhein in Holland sind solche Vorfälle fast auf der Tagesordnung. Bei uns glücklicherweise nicht», so Schweizer.

Letzten Endes werde die Versicherung entscheiden, ob sich eine Wiederherstellung lohnt oder ob «Merlin» fertig gezaubert hat und auf dem Schiffsfriedhof landet.