Im Februar 2013, als Messepräsident Ueli Vischer das schicke Messezentrum in Basel mit viel Pomp eröffnete, wagte wohl niemand auch nur daran zu denken, dass sich die 430 Millionen Franken, die in den riesigen Bau investiert worden waren, nicht lohnen. Zu erfolgreich waren die Zugpferde, die Messen Baselworld und Art Basel, unterwegs. Champagnerlaune. Goldene Zeiten.

Nur fünf Jahre später der grosse Katzenjammer. Nachdem die Baselworld bereits in diesem Jahr in deutlich abgespeckter Form aufgetreten war, ist nun das Horrorszenario eingetroffen: Der grösste Aussteller, die Swatch Group, nimmt künftig nicht mehr teil. Dies setzt nicht nur den Verwaltungsrat der Messe Schweiz (MCH) unter Druck, sondern auch den Kanton Basel-Stadt. Er gehört mit einem Anteil über 33,5 Prozent zu den Hauptaktionären der MCH Group. Dies rechtfertige sich in der Wertschöpfung, die der Messebetrieb in der Region generiere, gab die Regierung vor einem Jahr bekannt. Sie schätzte diese Wertschöpfung damals auf 1,9 Milliarden Franken jährlich, wobei in den beiden Basler Halbkantonen über 10'000 Arbeitsplätze und zehn Millionen Franken Steuereinnahmen anfallen. Ein grosser Teil davon war bis dato der Baselworld zu verdanken. Jener Messe, die jetzt einer unsicheren Zukunft entgegenblickt.

Regierung äussert sich nicht

Ist nun die Zeit für den Kanton Basel-Stadt gekommen, seine Beteiligung an der MCH zu veräussern? Dies hatte FDP-Grossrat Christophe Haller vor einem Jahr in einer Anfrage formuliert, weil sich die MCH zunehmend international orientiert, und ein «Nein» von der Regierung aus oben genannten Gründen geerntet. Ein aktuelles Statement nach der neuerlichen Entwicklung blieb gestern aus; von Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann kam gar keine Antwort, und Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin schrieb aus den Ferien: «Der Entscheid von Swatch ist bedauerlich. Für weitere Aussagen ist es im Moment noch zu früh.»

Wenn Brutschin zurück ist, wird er sich mit Haller, der die Wirtschafts- und Abgabekommission präsidiert, zusammensetzen müssen. Haller kündigt diese Absicht gegenüber der bz an: «Es ist höchste Zeit, die Beteiligung von Basel-Stadt an der MCH oder aber deren Struktur zu überdenken. Vielleicht wäre eine Aufsplittung des Unternehmens sinnvoll, um die Risiken für den Kanton einzudämmen.» Die neuen Messegebäude, dieser riesige Hallenkomplex, von denen der Kanton Mitbesitzer ist, seien nämlich noch längst nicht abgeschrieben, so Haller. «Da die Hallen schon heute sehr oft leer stehen, generieren sie nicht genug Wertschöpfung. Diese ist vonnöten, damit die riesige Investition, die der Kanton getätigt hat, auch Früchte trägt.» Konkret möchte der FDP-Politiker prüfen lassen, ob eine Aufteilung zwischen den Messeorganisationen und der Hallenbespielung «für den Kanton nicht sinnvoller wäre».

«Eine kleine Katastrophe»

Derweil liegen die Nerven bei den Basler Hoteliers blank. Der Weggang von Swatch sei «eine kleine Katastrophe», sagt Felix W. Hauser, Präsident des Basler Hoteliervereins. «Wenn sich weitere grosse Aussteller dazu entscheiden, Basel den Rücken zu kehren, wird es heikel. Das könnte einige Häuser empfindlich treffen, es wird schwierig, das Umsatzloch zu stopfen.» Laut Hauser bedeutet die Messe für ein grösseres Hotel in der Innenstadt einen Umsatz über etwa 1,5 Millionen Franken jährlich. Trotzdem versucht er, positiv zu bleiben: «Die Nachfrage entwickelt sich über das ganze Jahr gesehen positiv, sowohl im Geschäfts- als auch im Freizeittourismus. Ein bisschen werden wir den Verlust abfedern können.»

Im Zusammenhang mit der Baselworld sorgte die Hotellerie in den vergangenen Jahren für Negativschlagzeilen: Die Zimmerpreise erreichten während der Messe teils astronomische Höhen. Viele Aussteller beschwerten sich darüber. Da müsse man sich tatsächlich selber bei der Nase nehmen, sagt Hauser: «Es gab schwarze Schafe. Auf diese ist der Verein zugegangen, hat sie angewiesen, die Preisgestaltung zu überdenken.» Letztendlich denke er aber, dass sich die Preise von selbst wieder normalisieren würden – wegen der geringeren Nachfrage.