Baselworld
Bestürzung nach Swatch-Abgang: «Basel-Stadt muss Beteiligung an Messe Schweiz überdenken»

Der Weggang des grössten Ausstellers Swatch setzt nicht nur die Messe Schweiz unter Druck. Sondern auch die Hotellerie – und den Kanton Basel-Stadt.

Rahel Koerfgen
Merken
Drucken
Teilen
Baselworld in der Krise – Kurs der MCH Group sackt ab
5 Bilder
Abgang von Swatch: Die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld soll in den kommenden Jahren auch ohne den grössten und wichtigsten Schweizer Uhrenhersteller stattfinden.
Swatch-Chef Nick Hayek hat die Nase voll von Basel.
...
Der Kurs der MCH Group sackte am Montagmorgen ab.

Baselworld in der Krise – Kurs der MCH Group sackt ab

zvg

Im Februar 2013, als Messepräsident Ueli Vischer das schicke Messezentrum in Basel mit viel Pomp eröffnete, wagte wohl niemand auch nur daran zu denken, dass sich die 430 Millionen Franken, die in den riesigen Bau investiert worden waren, nicht lohnen. Zu erfolgreich waren die Zugpferde, die Messen Baselworld und Art Basel, unterwegs. Champagnerlaune. Goldene Zeiten.

Nur fünf Jahre später der grosse Katzenjammer. Nachdem die Baselworld bereits in diesem Jahr in deutlich abgespeckter Form aufgetreten war, ist nun das Horrorszenario eingetroffen: Der grösste Aussteller, die Swatch Group, nimmt künftig nicht mehr teil. Dies setzt nicht nur den Verwaltungsrat der Messe Schweiz (MCH) unter Druck, sondern auch den Kanton Basel-Stadt. Er gehört mit einem Anteil über 33,5 Prozent zu den Hauptaktionären der MCH Group. Dies rechtfertige sich in der Wertschöpfung, die der Messebetrieb in der Region generiere, gab die Regierung vor einem Jahr bekannt. Sie schätzte diese Wertschöpfung damals auf 1,9 Milliarden Franken jährlich, wobei in den beiden Basler Halbkantonen über 10'000 Arbeitsplätze und zehn Millionen Franken Steuereinnahmen anfallen. Ein grosser Teil davon war bis dato der Baselworld zu verdanken. Jener Messe, die jetzt einer unsicheren Zukunft entgegenblickt.

Regierung äussert sich nicht

Ist nun die Zeit für den Kanton Basel-Stadt gekommen, seine Beteiligung an der MCH zu veräussern? Dies hatte FDP-Grossrat Christophe Haller vor einem Jahr in einer Anfrage formuliert, weil sich die MCH zunehmend international orientiert, und ein «Nein» von der Regierung aus oben genannten Gründen geerntet. Ein aktuelles Statement nach der neuerlichen Entwicklung blieb gestern aus; von Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann kam gar keine Antwort, und Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin schrieb aus den Ferien: «Der Entscheid von Swatch ist bedauerlich. Für weitere Aussagen ist es im Moment noch zu früh.»

Baselworld 2018 Impressionen
26 Bilder
Baselworld 2018 Blick in eines der Schaufenster von Rolex
Baselworld Press Day 2018
Baselworld 2018 Ein Aquarium des deutschen Uhrenherstellers Sinn, in dem Wasserdichte und Entspiegelung der Uhren unter Wasser gezeigt werden.
Baselworld 2018 Volker Wiegmann vom deutschen Uhrenhersteller Sinn
Baselworld 2018 Ein Montageroboter bei der Firma Rebellion
Baselworld 2018 Der Stand von Louis Moinet
Baselworld 2018 ...
Baselworld 2018 Pflanzentransport...
Baselworld 2018 Einräumen bei Arnold&Son
Baselworld 2018 Swarovski
Baselworld 2018 ...
Baselworld 2018 ...
Baselworld 2018 Rebellion hat vor dem Eingang zu Les Ateliers in einem Container ein Rennauto stehen
Baselworld 2018 Blumendekoration beim Stand von Messika
Baselworld 2018 Blick in Richtung Swarovski
Baselworld 2018 Selbst am Pressetag gab es Trommeln zur Eröffnung
Baselworld 2018 Bei Roberto Coin werden die Schaufenster noch dekoriert
Baselworld 2018 Blick in die Auslage von Patek Philippe
Baselworld 2018 ...
Baselworld 2018 Impressionen
Baselworld 2018 ...
Baselworld 2018 Der Stand von Tudor
Baselworld 2018 ...
Baselworld 2018 ...
Baselworld 2018 Blick in eines der Schaufenster von Rolex

Baselworld 2018 Impressionen

Kenneth Nars

Wenn Brutschin zurück ist, wird er sich mit Haller, der die Wirtschafts- und Abgabekommission präsidiert, zusammensetzen müssen. Haller kündigt diese Absicht gegenüber der bz an: «Es ist höchste Zeit, die Beteiligung von Basel-Stadt an der MCH oder aber deren Struktur zu überdenken. Vielleicht wäre eine Aufsplittung des Unternehmens sinnvoll, um die Risiken für den Kanton einzudämmen.» Die neuen Messegebäude, dieser riesige Hallenkomplex, von denen der Kanton Mitbesitzer ist, seien nämlich noch längst nicht abgeschrieben, so Haller. «Da die Hallen schon heute sehr oft leer stehen, generieren sie nicht genug Wertschöpfung. Diese ist vonnöten, damit die riesige Investition, die der Kanton getätigt hat, auch Früchte trägt.» Konkret möchte der FDP-Politiker prüfen lassen, ob eine Aufteilung zwischen den Messeorganisationen und der Hallenbespielung «für den Kanton nicht sinnvoller wäre».

«Eine kleine Katastrophe»

Derweil liegen die Nerven bei den Basler Hoteliers blank. Der Weggang von Swatch sei «eine kleine Katastrophe», sagt Felix W. Hauser, Präsident des Basler Hoteliervereins. «Wenn sich weitere grosse Aussteller dazu entscheiden, Basel den Rücken zu kehren, wird es heikel. Das könnte einige Häuser empfindlich treffen, es wird schwierig, das Umsatzloch zu stopfen.» Laut Hauser bedeutet die Messe für ein grösseres Hotel in der Innenstadt einen Umsatz über etwa 1,5 Millionen Franken jährlich. Trotzdem versucht er, positiv zu bleiben: «Die Nachfrage entwickelt sich über das ganze Jahr gesehen positiv, sowohl im Geschäfts- als auch im Freizeittourismus. Ein bisschen werden wir den Verlust abfedern können.»

Im Zusammenhang mit der Baselworld sorgte die Hotellerie in den vergangenen Jahren für Negativschlagzeilen: Die Zimmerpreise erreichten während der Messe teils astronomische Höhen. Viele Aussteller beschwerten sich darüber. Da müsse man sich tatsächlich selber bei der Nase nehmen, sagt Hauser: «Es gab schwarze Schafe. Auf diese ist der Verein zugegangen, hat sie angewiesen, die Preisgestaltung zu überdenken.» Letztendlich denke er aber, dass sich die Preise von selbst wieder normalisieren würden – wegen der geringeren Nachfrage.