Nirgends ist das Filmerlebnis direkter als im Kino. Zwischen Leinwand und Zuschauern befindet sich – nichts. Doch gerade dieses Nichts irritiert, wenn es zu viel davon gibt: wenn nämlich ein zahlendes Publikum fehlt.

Wie die bz in den vergangenen Monaten mehrfach feststellen konnte, blieb ausgerechnet der historische Saal  1 im Pathé Küchlin bei Filmvorstellungen zu besten Spielzeiten leer. In «A Star Is Born», «Bohemian Rhapsody» oder dem aktuellen Elton-John-Biopic «Rocket Man» sassen kaum noch Zuschauer.

Leere Kassen

So leer war das «Kiechli», dass nur der Balkon für zahlende Besucherinnen und Besucher geöffnet wurde – das Parterre blieb dagegen gesperrt. Ist das noch die übliche Sommerflaute oder schon der Vorgeschmack auf das Ende einer Basler Lichtspiel-Institution?

Nina Doetzkies, Assistenz der Geschäftsleitung von Pathé Suisse, relativiert den Zuschauerschwund; ohne aber konkrete Zahlen zu nennen: «Der Hochsommer ist, wie man sehen kann, sicher nicht die Hauptsaison der Kinos», sagt sie. Besonders deutlich wurde das im vergangenen Jahr, als eine Hitzewelle nicht nur die Gewässer, sondern auch die Einnahmen an den Kinokassen austrocknen liess: Der Kanton Basel-Stadt verzeichnete 2018 gemäss dem Schweizer Kino- und Filmverleihverband Pro Cinema ein Minus von 11,43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dagegen sei man gut in dieses Jahr gestartet, erklärt Doetzkies. «‹Avengers: Endgame› gibt uns viel Auftrieb. Dass der Mai regnerisch und kühl war, hat uns sicher auch geholfen.» Zwar sei es schwierig, den Erfolg eines Filmes im Voraus abzuschätzen, aber mit «König der Löwen» im Juli oder «Frozen 2» im Herbst stehen Produktionen und Events an, von denen sich die Kinobetreiberin einiges erhofft.

Weshalb dann aber das gesperrte Parkett? Der Grund, den die Pathé-Sprecherin dafür anführt, ist einfach. «Das Küchlin 1 ist sehr gross. Der Saal umfasst 491 Plätze, und im Parterre ist die Sicht auf die Leinwand wegen der baulichen Substanz nicht optimal», erklärt sie. Da der Saal unter Denkmalschutz stehe, seien bauliche Massnahmen nur sehr beschränkt möglich.

«Für reguläre Kunden eignet sich der Balkon deshalb besser, er ist angenehmer.» Preislich bestehe beim Billett- kauf ohnehin kein Unterschied, erklärt Doetzkies. Wenn sich abzeichne, dass der Saal nicht voll ausgelastet sei, würden die Plätze im Parterre des grossen Saals nicht verkauft. «Das ist bei niedrigen Zuschauerzahlen auch für die Kunden angenehmer: Sie fühlen sich dann nicht so verloren im grossen Saal.»

Kein Rückzug

Trotzdem werde auch das Parterre im Saal 1 weiter genutzt und für Tagungen, Firmen- oder Kundenanlässe vermietet. Dass sich die Pathé Suisse aus dem «Kiechli» zurückziehen könnte, kommt laut Doetzkies nicht infrage. «Das Kino wird auf jeden Fall weitergeführt, das Pathé Küchlin ist eines unserer Aushängeschilder.»

Bleibt nur die Frage: Wie gehen Kinos mit Hitze und Klimawandel künftig um? «Wir müssen vielleicht auch über neue Wege nachdenken, um die Leute ins Kino zu locken», so Doetzkies. Aber nach drei, vier Wochen hätten die Leute das schöne Wetter ohnehin irgendwann satt. «Dann gehen sie vielleicht ganz gerne in einen klimatisierten Saal.»