Frauenklinik
Bethesda-Spital soll neues Geburtszentrum der Region werden

Seit Montag befindet sich in der Privatklinik Bethesda auch die Frauenklinik Bruderholz des Kantonsspitals Baselland. Dadurch werden Mütter im Bethesda-Spital noch umfassender betreut.

Dimitri Hofer
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Im Bethesda Spital werden künftig mehr Kinder zur Welt kommen als bisher.

Im Bethesda Spital werden künftig mehr Kinder zur Welt kommen als bisher.

Juri Junkov/Fotograf

Gleich in der Nacht auf Dienstag erblickte der kleine Ayan das Licht der Welt. Der Junge wiegt 2920 Gramm und misst 51 Zentimeter. Er ist das erste Baby, das in der erweiterten Klinik für Frauenmedizin im Bethesda Spital geboren wurde.

Dorthin wechselte Anfang Woche das Team der Frauenklinik Bruderholz des Kantonsspitals Baselland. Die Privatklinik im Gellertquartier bietet nun ein Komplettangebot im Bereich der Frauenmedizin an. Die wichtigsten Abteilungen sind die Gynäkologie, ein Brustzentrum, ein Beckenbodenzentrum, die Pränatalmedizin und die Geburtshilfe.

Mit dem weiteren Ausbau der bereits sehr gut positionierten Frauenklinik sei das Bethesda-Spital auf dem Weg zum Zentrum für Geburt und Gynäkologie in der Nordwestschweiz, sagte Spitaldirektor Thomas Rudin am Donnerstag vor den Medien. «Ein 24-Stunden-Notfalldienst in den Disziplinen Gynäkologie und Geburtshilfe garantiert nicht nur die beste Versorgung, sondern stellt auch ein attraktives Serviceangebot für Belegärztinnen und Belegärzte dar», meinte er in der Aula des Bethesda-Spitals.

Eine wichtige Konsequenz der Verlegung ist die so möglich gewordene Ergänzung des bisherigen Belegarzt-Systems durch Chefärzte. Insgesamt sind 18 Fachärzte und 30 weitere Mitarbeitende des Bruderholzspitals neu im Bethesda Spital tätig. Die Frauenklinik verfügt über 48 Betten in neu renovierten Einzel- oder Zweierzimmern. Im Bruderholzspital werden Neueintritte für Entbindungen wiederum nur noch bis Ende Januar angenommen.

400 zusätzliche Geburten

Belegärztin Sonja Carrozzo, welche im Bethesda Spital schon seit Jahren Geburten durchführt, wies auf die grosse Bedeutung der Belegärzte hin: «Es ist beruhigend und angenehm für eine werdende Mutter, wenn sie von ihrem Frauenarzt untersucht und entbunden wird.» An dieser Praxis werde sich trotz des Ausbaus der Klinik für Frauenmedizin nichts ändern. Neuerdings steht den Frauen aber auch die Betreuung durch einen Chefarzt und dessen Team zur Verfügung. Das duale System habe sie nach anfänglichen Zweifeln überzeugt.

Die Stelle des Chefarzts Geburtshilfe ist derzeit noch unbesetzt. Man stehe jedoch in Verhandlungen mit einigen Bewerbern, erklärte Rudin. Ausserdem gebe es im Oberarzt-Bereich noch eine Vakanz. Durch die Verlegung der Frauenklinik vom Bruderholz ins Bethesda Spital rechnet der Spitaldirektor in diesem Jahr mit rund 400 zusätzlichen Geburten. Im vergangenen Jahr waren 1290 Kinder im Bethesda Spital zur Welt gekommen.

David Hänggi ist seit Anfang Februar Bereichsleiter Frauenklinik am Bethesda Spital. Zudem ist er für die Frauenklinik Baselland tätig.

David Hänggi ist seit Anfang Februar Bereichsleiter Frauenklinik am Bethesda Spital. Zudem ist er für die Frauenklinik Baselland tätig.

zVg

David Hänggi: «Belegärzte und Chefärzte werden sich im Bethesda Spital gegenseitig unterstützen»

Herr Hänggi, weshalb wurde die Frauenklinik vom Bruderholz ins Bethesda Spital verlegt?

Der Verwaltungsrat des Bethesda Spitals hat sich entschieden, in der Privatklinik ein Chefarzt-System einzuführen, um im Bereich Frauenmedizin ein Komplettangebot zu ermöglichen. Die Frauenmedizin ist eine Kernkompetenz des Bethesda Spitals und man investiert Millionen in diese Abteilung. Hätte mein Team nicht ans Bethesda Spital gewechselt, wäre dort ein externes Team engagiert worden. Dieses hätte hier in der Region sehr wahrscheinlich keinen Patientenstamm gehabt. Zudem wäre auf diese Weise ein Überangebot sondergleichen entstanden. Das konnten wir durch einen Wechsel verhindern. Überdies konnte ich meinen Mitarbeitern im Bethesda Spital eine Perspektive bieten.

Welche neuen Dienstleistungen werden im Bethesda Spital angeboten?

Neu ist, dass seit Montag rund um die Uhr ein Facharzt aus dem Bereich Frauenmedizin im Bethesda Spital anwesend ist. Es gibt einen gynäkologischen und geburtshilflichen Notfall. Ausserdem bieten wir Sprechstunden in verschiedenen Spezialgebieten an. Dazu gehören das Beckenbodenzentrum, das Brustzentrum, die gynäkologische Onkologie und die Dysplasie. Auch werden wir das operative Spektrum im Bereich der minimal-invasiven Chirurgie erweitern. Die Pränatalstation ist ebenfalls neu. Dasselbe gilt für die Zusammenarbeit mit dem Kan-
tonsspital Baselland und mit zahlreichen Praxen.

Seit dem Umzug ins Bethesda Spital existiert dort das bisherige Belegarzt-System parallel zum neuen Chefarzt-System. Können Sie uns erklären, wie das genau funktioniert?

Das Belegarzt-System wird durch den Wechsel nicht verändert, sondern läuft normal weiter. Es kann künftig aber vorkommen, dass sich die Belegärzte und die Chefärzte gegenseitig bei Operationen unterstützen. Meine Vision ist, dass wir in den kommenden Monaten die Klinik Frauenmedizin zusammen mit den Belegärzten weiterentwickeln. Ich bin überzeugt davon, dass mein Team und die Belegärzte gegenseitig voneinander profitieren können. Die Operationskapazitäten wurden erweitert. Es wird ein zusätzlicher Gebärsaal errichtet.

Praktisches Beispiel: Eine hochschwangere Frau kommt notfallmässig mit Wehen ins Bethesda Spital. Welcher Arzt kümmert sich um sie?

In solchen Fällen fragen wir zuerst die Frau, ob sie einen Belegarzt hat. Sollte dies zutreffen, rufen wir ihn an und fragen ihn, ob er selbst oder unser Team den Eingriff durchführen soll. Frauen, die keinen Belegarzt haben, weisen wir einen Arzt zu.

Ob im Bethesda Spital Abtreibungen durchgeführt werden, ist noch unklar (bz berichtete). Wann kommt es zum Entscheid?

Der Stiftungsrat wird darüber befinden. Ich bin nicht in diese Gespräche involviert. Ich möchte aber betonen, dass, egal wie entschieden wird, in den Spitälern Bruderholz und Liestal weiterhin Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden.

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