Juan Ladmann ist zufrieden. Natürlich ist er das, immerhin läuft sein Essensstand in der Basler Markthalle seit Monaten ausgezeichnet. Seine argentinischen Spezialitäten kommen bei den Besuchern an. Umsatz und Gewinn stimmen. Darum kann er mit einem Lächeln sagen: «Ich arbeite zwar viel und investiere hundert Prozent von mir, aber ich bekomme auch viel zurück. Die Markthalle ist ein Glücksfall für mich.» Ähnlich klingt es auch beim Betreiber des Standes Escasano. Der Besitzer, der namentlich nicht genannt werden möchte, schwärmt vom Konzept der Markthalle. Seine Salate, die er fünf Tage die Woche zwischen 12 und 14 Uhr anbietet, sind beliebt bei den Kunden. Er macht dank der Plattform, die ihm die Markthalle bietet, ein gutes Geschäft.

Erfolg kam mit neuem Konzept

Dass es aber auch negative Stimmen gibt rund um die Markthalle und ihre Führung, die Markthallen AG, hat einen einfachen Grund: Seit dem Start des neuen Konzeptes vor zweieinhalb Jahren haben sich die Mietpreise für die Stände mehr als verdoppelt. Zu Beginn zahlten die Essensstand-Besitzer noch rund zehn Franken pro Quadratmeter Standfläche pro Tag. Heute sind es über 21 Franken. Und die Preise werden weiter ansteigen – im September sollen die Mieten nochmals erhöht werden. Das gefällt natürlich nicht allen. Ein Standbesitzer, der anonym bleiben möchte, versteht die Preispolitik der Markthallen AG überhaupt nicht und sagt: «Für die kleine Fläche, die ich hier zum Kochen und Präsentieren meiner Ware zur Verfügung habe, stimmt das Verhältnis von Preis und Leistung überhaupt nicht.»

Der Standbetreiber muss pro Monat rund 3000 Franken Miete bezahlen, wie er gegenüber der bz verrät. Und diese Miete wird in den kommenden Monaten nochmals steigen. «Ich weiss nicht, was dann passiert. Ich muss schliesslich eine Familie versorgen. Es ist nicht einfach», sagt er. Ähnlich klingt es auch bei anderen Anbietern, die aber nicht genannt werden möchten. Die Angst vor einem schlechten Verhältnis mit den Leitern der Markthalle ist zu gross.

Die Vorsitzende der Markthallen AG, Alexandra Dill, versteht, dass es neben den vielen zufriedenen Anbietern auch solche gibt, die nicht glücklich sind mit der Entwicklung. Gleichwohl betont sie, dass die Mietpreiserhöhung in den Verträgen mit den Standbesitzern festgelegt ist – sie also von Anfang an davon wussten. Niemand könne diese Entwicklung also überraschen. Ausserdem wird begründet, dass die Leistung der Markthallen AG in erster Linie den Ständen entgegenkommt und neue Kunden anlockt – und darum auch die Preise steigen.

Höhere Nachfrage – höhere Preise

Die Markthallen AG ist die Institution, die alles organisiert, was sich unterhalb der Kuppel abspielt: Events, Marketing sowie Betreuung der einzelnen Stände. Ab kommendem Sonntag soll zum Beispiel ein neu lancierter Brunch für zusätzliche Nachfrage sorgen. Auch an den Abenden von Donnerstag bis Samstag kann man sich als Besucher bei den Ständen verköstigen. Dies alles läuft über die Markthallen AG. Alexandra Dill erklärt: «Die Preise für die Stände orientieren sich an der Belebung der Markthalle, am Ausbau der Öffnungszeiten, an der Steigerung der Sitzplatzzahl und so weiter.» Kurz gesagt: Eine höhere Nachfrage führt zu höheren Mietpreisen.

Was heisst das für die Stände im Allgemeinen? Wie viel Umsatz müssen sie machen, um in der Markthalle überleben zu können? Juan Ladmann, Besitzer des Acento Argentino, erklärt, dass er pro Tag rund 25 Gerichte verkaufen muss, dass sein Projekt in der Markthalle Profit abwirft. An einem guten Tag seien es aber einige mehr, so «um die 80 Essen», wie er offen erklärt. Darum verwundert es auch nicht, dass er sagt: «Die Mitpreiserhöhung, die im September kommen soll, macht mir keine Angst. Das, was mir die Markthalle bietet, rechtfertigt diesen Preis.» Gleiches Bild beim Stand Escasano: Auch der nicht genannt werden wollende Betreiber spricht von rund 25 Essen, die er täglich verkaufen muss. Zurzeit ist die Nachfrage aber um einiges höher als das. «Die Mietpreise sind fair. Man muss den Kunden einfach gute Qualität anbieten, dann läuft das Geschäft», sagt der Besitzer.

Gewinner und Verlierer

Fakt ist: Im Wirtschafts-Mikrokosmos Markthalle gibt es Gewinner und Verlierer. Solche, die das Tagesgeschäft gut stemmen können – andere, die daran zerbrechen. «Wir erleben Stände, die seit Beginn dabei sind und stetig wachsen, Flächen dazu nehmen und weitere Lokale eröffnen. Aber es gibt auch Stände, die nach der Testphase ihr Engagement beenden müssen. Wir haben nach wie vor, trotz der Preise, viele Bewerbungen und können uns die vielversprechendsten aussuchen», erklärt Dill.

Wie sich die Situation im September, nach einer erneuten Mietpreiserhöhung, entwickelt, ist nicht absehbar. Bis dahin aber wird die Markthalle weiter boomen und täglich Hunderte von Essen über die Theken der verschiedenen Standbetreiber gehen. Wer von ihnen sich dann zu den Gewinnern oder den Verlieren zählt, wird sich zeigen.