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Betrunken und mit Vollgas über Rot – Forderung nach sechs Jahren Gefängnis

Der Unfall auf der Schützenmattstrasse im Oktober 2018 forderte zwei Verletzte. Die Basler Staatsanwaltschaft fordert knapp sechs Jahre Gefängnis.

Patrick Rudin
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Das Taxi direkt nach dem Unfall im Oktober 2018.

Das Taxi direkt nach dem Unfall im Oktober 2018.

ZVG/ Polizei BS

«Die Ampel war gelb, ich habe aufs Gaspedal gedrückt, damit ich nicht bei rot über die Kreuzung fahre», erklärte der 37-jährige Mann gestern am Basler Strafgericht. «Wie schnell waren Sie unterwegs?», fragte Gerichtspräsidentin Susanne Nese. «Vielleicht mit 70», antwortete der Mann. Es knallte um halb zwei Uhr nachts: Der Beschuldigte war im Oktober 2018 in einem gemieteten VW Golf auf der Basler Schützenmattstrasse unterwegs und rammte bei der Kreuzung auf Höhe Austrasse seitlich ein Taxi. Der Taxifahrer wurde verletzt und war mehrere Wochen arbeitsunfähig, sein Fahrgast erlitt schwerste Verletzungen und lag mehrere Wochen auf der Intensivstation.

Durch den Fahrtenschreiber des Taxis stand der Unfallzeitpunkt exakt fest, wodurch der Stand des Lichtsignals nachvollziehbar wurde: Die elektromagnetischen Schlaufen im Boden für die Ampelsteuerung speichern die Abschnittsbelegung. Da die Messung nur zehnmal pro Sekunde vorgenommen wird und eigentlich nicht zur Tempokontrolle dient, hat die Hochrechnung eine gewisse Streuweite: Der VW-Fahrer muss mit einem Tempo zwischen 104 und 116 Kilometern pro Stunde über die Ampel gerast sein. Dabei war das Lichtsignal bereits seit viereinhalb Sekunden auf Rot.

Die Werte sind allerdings extrem vorsichtig gerechnet: Wie an der Verhandlung vor dem Strafgericht deutlich wurde, passierte der Taxifahrer sein grünes Signal laut geeichtem Fahrtenschreiber mit Tempo 36, aufgrund der Ampelschlaufen wurde lediglich ein Wert von 29 Kilometer pro Stunde errechnet. Der Angeklagte liess sich am Donnerstag im Gericht von diesen Zahlen aber nicht beeindrucken. «Es gibt keinen Beweis, dass es mein Auto war», betonte er. Nach dem Unfall flüchtete er, die Polizei entdeckte ihn zufällig eine halbe Stunde später in der Nähe seiner Wohnung. Seine Verletzung an der Hand erklärte er mit einer Schlägerei, zum Zeitpunkt des Unfalles betrug sein Blutalkoholgehalt rund 1,1 Promille.

Forderung nach knapp sechs Jahren Gefängnis und 15 Jahre Landesverweisung

Der Beschuldigte war bereits wegen Trunkenheitsfahrten vorbestraft und hatte erst kurz vorher seinen Ausweis zurückbekommen. «Mit seinem Körpergewicht muss er zwei Liter Bier oder eine Flasche Wein getrunken haben, um auf diesen Wert zu kommen. Er ist den Alkohol offensichtlich gewohnt, manch einer hätte da Mühe, überhaupt noch das Zündschloss zu finden», sagte Staatsanwalt Tomislav Hazler und sprach von russischem Roulette. Er forderte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten wegen eventualvorsätzlicher versuchter Tötung. Der Franzose sei zudem für 15 Jahre des Landes zu verweisen. «Er hat diesen Unfall nicht gewollt. Wenn er ihn hätte vermeiden können, dann hätte er ihn vermieden», meinte hingegen Verteidiger Alex Hediger. Sein Mandant sei wegen Fahrlässigkeit zu verurteilen, man könne ihn nicht gleich behandeln wie jemanden, der in einer Bar ein Messer zückt und damit zusticht. Eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten genüge als Bestrafung. «Ich bereue sehr, was geschehen ist. Es war keine gute Idee, in diesem Zustand zu fahren», sagte der 37-Jährige. Die fünf Richter fällen ihr Urteil heute Freitag.