EuroAirport
Bevölkerung kann beim Euroairport-Bahnanschluss mitreden

Zum geplanten Bahnanschluss des Flughafens Basel-Mülhausen beginnt am 6. Mai das erste Mitwirkungsverfahren, bei dem die Bevölkerung im Dreiländereck offiziell Stellung nehmen kann. Bis 2020 soll die neue Linie fahren; die Finanzierung ist indes weiterhin offen.

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Der EuroAirport Basel-Mülhausen soll bis 2020 über einen Bahnanschluss verfügen.

Der EuroAirport Basel-Mülhausen soll bis 2020 über einen Bahnanschluss verfügen.

Keystone

Die Behörden wollten im Mitwirkungsverfahren ("Concertation") "alle Seiten anhören", sagte am Montag vor den Medien Philippe Griffet von der französischen Bahnnetzgesellschaft Réseau Ferré de France. Ein trinationaler Lenkungsausschuss hatte die direkte Anbindung des binationalen, auf französischem Bonden befindlichen EuroAirport im Dezember 2011 beschlossen.

Seit 2010 schätzt man die Projektkosten auf rund 220 Mio. Euro. Neuere Zahlen sind genausowenig greifbar wie ein Kostenschlüssel, wie Nicolas Loquet von der Région Alsace sagte. Zugesagt seien erst 25 Mio. Franken vom Bund, 10 Mio. Franken von Basel-Stadt und je 10 Mio. Euro von Baden-Württemberg und dem Conseil Général du Haut-Rhin.

Der Bund und die beiden Basel erwarten gemäss einer eigenen Mitteilung vom Montag, dass bis zu Parlamentsentscheiden über die Mitfinanzierung des Schienenanschlusses "die hängigen Fragen zu Arbeits- und Steuerrecht" am Flughafen geklärt sind. Dort wird seit der Eröffnung 1949 auf französischem Boden im Schweizer Sektor Schweizer Arbeitsrecht angewandt - allerdings auf rechtlich dünnem Eis, das aufgrund von Konflikten der letzten Jahre schmilzt.

Puls fühlen und gut Wetter machen

Das 45-tägige Mitwirkungsverfahren soll Erwartungen und Meinungen einholen, bis hin zu Baulichem wie dem Gebäudezugang der Schienen. Öffentliche Anlässe finden in Basel, St.Louis (F), Lörrach (D) und Mülhausen (F) statt; Fragebogen und Dokumentation stehen online zur Verfügung. Offene Fragen würden anschliessend in geplanten Studien geklärt.

Die Medienkonferenz zur Ankündigung dieser ersten Vernehmlassung war auch Werbeanlass: Die sechs Kilometer Doppelspur-Schienen sollen Flughafenangestellte und Passagiere vom Auto auf den ÖV locken und zur wirtschaftlichen Entwicklung des Oberrheinraums beitragen, wie Loquet ausführte. Hingewiesen wurde auch auf Baulandreserven von Elsässer Flughafen-Nachbargemeinden.

Mit dem Zug statt Bus gewinnt man laut Loquet ab Basel zehn Minuten; ab Mülhausen seien es 20 Minuten. Zudem riskiere man nicht mehr, im Pendler-Stau stecken zu bleiben.

Bei den Passagieren soll der Zug laut Griffet den ÖV-Anteil von 30 auf 43 Prozent steigern, beim Personal von 17 auf 27 Prozent. Heute arbeiten rund 6400 Personen in gut 120 Firmen am EuroAirport. Die grösste Verbeserung des Modal Splits wird im Elsass erwartet - dort besteht auch die höchste Auto-Quote.

Hoffen und Bangen um Passagierzunahme

Erreicht werden soll das konkret mit stündlich sechs Zügen nach Basel und vier nach Mülhausen. Von letzteren sollen zwei bis Strassburg weiterfahren. Über die Zukunft des Flughafens Strassburg wird derzeit übrigens spekuliert; in der Region Basel werden teils Verkehrsverschiebungen von Strassburg nach Basel-Mülhausen befürchtet.

Das Mitwirkungsdossier schätzt, dass der Schienenanschluss dem EuroAirport jährlich rund 170'000 zusätzliche Passagiere bringen wird - 2012 waren insgesamt knapp 5,4 Mio. Passagiere verzeichnet worden. Ein Verbund von elf fluglärmbetroffenen Schweizer Gemeinden befürchtet allerdings wesentlich mehr Passagierzuwachs.

Zu den Betriebskosten liegen laut Griffet erst grobe Schätzungen vor, die nicht öffentlich seien. Auch der Verteilschlüssel stehe noch nicht fest. Im Vergleich zu heute gehe es nur um wenige Züge mehr; man leite vor allem Regionalzüge um.

Luftfracht auf die neuen Schienen zu bringen sei kein Thema, sagte Luc Gaillet vom EuroAirport. Die neue Linie solle den Komfort für Passagiere und Personal steigern; bei der Luftfracht hingegen gehe es um geringe Mengen und nicht güterwagenweise angelieferte Waren.

Nach dem Mitwirkungsverfahren folgt - vorerst ohne Termin - die zweite Öffentliche Anhörung ("Enquète Publique") mit einer Umweltverträglichkeitsstudie frühestens 2014. Ein Baubeginn ist nicht vor 2018 absehbar.

www.eapbyrail.org