Unterflurcontainer

«Bevor es stinkt»: Bebbi-Sack soll unter die Erde

Auf dem Erlenmatt-Quartier stehen bereits Unterflurcontainer.

Auf dem Erlenmatt-Quartier stehen bereits Unterflurcontainer.

Im Bachletten-Quartier startet ein Pilotversuch mit Unterflurcontainern.

Im Horrorfilm kommen die Untoten für gewöhnlich aus dem Untergrund. In Basel ist es umgekehrt: Hier wird mit Hochdruck an der Wiederbelebung der Idee gearbeitet, Unerwünschtes unter der Erde verschwinden zu lassen. Die Rede ist von Unterflurcontainern für die Abfallentsorgung.

Die Idee: Statt an fixen Tagen den Bebbi-Sack vor die Haustüre zu stellen, soll der Abfall rund um die Uhr entsorgt werden können. Auch sollen Kehricht, Bioabfälle und weitere Wertstoffe separat gesammelt werden können. Der Nachteil am System: Anstelle weniger Schritte müssen Wege von – laut Versprechen der Verwaltung – höchstens 100 Metern zurückgelegt werden.

Am Mittwoch hat der Grosse Rat rund 1,72 Millionen Franken für einen Pilotversuch im Bachletten-Quartier bewilligt. Dieser soll nächstes Jahr starten. Die gesamte Projektdauer wird gemäss der Vorlage auf zweieinhalb Jahre geschätzt. Danach soll entschieden werden, ob die Idee fortgeführt oder beerdigt wird. Bereits vor wenigen Jahren hatte die Regierung einen Versuch unternommen, um das jetzige System flächendeckend zu ersetzen. Das bürgerliche Lager zerfledderte jedoch das Konzept.

Am Ende stand ein Kompromiss, der das Prädikat Sondermüll verdient hätte: Realisiert werden sollte nur die Hälfte der ursprünglich geplanten unterirdischen Müllsammelstellen. Parallel dazu wäre flächendeckend das bisherige Abfallentsorgungssystem weitergelaufen. Als es zur Volksabstimmung kam, sprachen sich Regierung und sämtliche Parlamentarier gegen die Vorlage aus, die dann mit knapp 70 Prozent Nein-Stimmen auch deutlich abgelehnt wurde.

Leeren, bevor es stinkt

Bereits damals hatte die Regierung einen zweiten Anlauf angekündigt. Der zuständige Regierungsrat Christoph Brutschin entschuldigte sich für die vierjährige Extraschlaufe des Müll-Themas. «Wir tun nun das, was wir vielleicht von Anfang an hätten tun sollen, nämlich wir sammeln Erfahrungen mit einem Pilotprojekt.»

Gegen die Pläne wehrte sich vor allem die SVP: «Das ist eine Zwängerei, und ich finde es nach wie vor eine Dummheit», kritisierte Grossrat Patrick Hafner. Und auch Parteikollege Joël Thüring sagte: «Wir sind der Meinung, der Staat hat nicht so wahnsinnig viele Aufgaben zu erfüllen. Aber eine davon ist die Entsorgung des Abfalls und dazu gehört, dass man diesen vor der Türe abstellen kann.» Ihm erschliesse sich nicht, weshalb man nun ein teures System einführen wolle, das auch noch die Wege für die Bevölkerung verlängert. «Es braucht kein 24-Stunden-System für die Entsorgung von Abfällen.»

Mit ihrer Kritik stand die SVP allerdings ziemlich alleine auf weiter Flur. Auch die bürgerlichen Parteien stimmten grossmehrheitlich für die Vorlage. Andrea Knellwolf (CVP) sagte: «Es kann doch nicht sein, dass wir im Jahr 2019 nicht darüber reden können, dass diese blauen Müllhalden von unseren Strassen verschwinden.»

Der Grüne Harald Friedl meinte: «Unterflurcontainer sind zukunftsweisend für die Abfallentsorgung.» Das neue System würde eine flexible und tagesunabhängige Entsorgung ermöglichen. Das sorge etwa auch für weniger Staus, da der Abfallwagen nicht mehr vor jedem Haus einzeln halten müsse.

Den Müllmännern komme das neue System ebenfalls zugute. Die Verwaltung müsse aber die Bedenken ernst nehmen und zum Beispiel Altersorganisationen bei der Auswertung des Versuches mit einbeziehen. Und man müsse praktische Fehler vermeiden, also etwa die Container lieber frühzeitig leeren, bevor sie zu stinken beginnen.

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