Basel

Bewährungsprobe bestanden: Mehr Abstand in der Steinenvorstadt

Eine deutliche Verbesserung: In der Steinenvorstadt waren weniger Partygänger unterwegs.

Eine deutliche Verbesserung: In der Steinenvorstadt waren weniger Partygänger unterwegs.

In der «Steine» feierte die Jugend ihre neue Freiheit – im Gegensatz zum Samstag aber mit dem nötigen Abstand.

«Es fühlte sich falsch an», sagt die junge Nachtschwärmerin und erinnert sich an ihren ersten Ausgang nach dem Lockdown am vergangenen Samstag. Die Grenzen des Social Distancing seien beim langersehnten Wiedersehen verschwommen, einige hätten sich umarmt oder am Nachbartisch angestossen. Der Schreck über die Konsequenzen sitzt bei der 23-Jährigen noch immer tief. «Ich hatte damit gerechnet», sagt ihre 21-jährige Freundin. Ein Bekannter habe sich am Verhalten seiner Freunde gestört und Fotos an ein Medium geschickt.

Die Bilder der Party in der Steinenvorstadt zirkulierten bald in der ganzen Schweiz, worauf BAG-Sprecher Daniel Koch zu mehr Vorsicht ermahnte. Vier Tage danach sind kurz nach 22 Uhr zwar alle Lokale besetzt, die Gäste bleiben jedoch ausnahmslos auf ihren Plätzen. Rund ein Dutzend Polizisten patrouilliert, vor der «Soho»-Bar stehen vier von ihnen. Die Stimmung ist friedlich, wenn auch etwas angespannt. Auch wir werden gebeten, in Bewegung zu bleiben. Stehen darf in der Steinenvorstadt keiner, wegen des Dreistufenplans der Basler Regierung. «Wo nötig fiel das eine oder andere ermahnende Wort – und wurde in aller Regel gehört», sagt der Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements, Martin Schütz.

Keine vollen Strassen mehr in Basel.

Keine vollen Strassen mehr in Basel.

Trotz hohem Publikumsverkehr hätten sich die meisten an die Verhaltensregeln gehalten. «Deutlich angenehmer», finden zwei 17-Jährige die kontrollierte Zirkulation. Sie appellieren an die Eigenverantwortung der Ausgehfreudigen. Eine Mehrheit fühle sich in den Bars um einiges sicherer. Andere stellen die Sperrung der Boulevardflächen in Frage. Beispielsweise bestuhlt das Café VIP seine Aussenfläche mit deutlich geringerem Abstand. Gemeinsam ist allen Befragten, dass eine erneute Schliessung der Betriebe fatal wäre.

«Das soziale Leben muss weitergehen», sagt ein Zürcher Krankenpfleger, der auf einer Coronastation tätig ist. Von einem Lokal her klingt Gegröle – es kommt Bewegung auf, die sich gleich wieder entspannt.

Mundschutz nur, wenn es nicht zu warm ist

«In diesem Stil darf es weitergehen», sagt der Geschäftsführer des «El Mexicano». Weiterhin gehe man in seinem Betrieb beim Einhalten der Hygienevorschriften aufs Maximum. Und stosse dabei auf Verständnis seitens der Gäste. «Alles ist besser heute Abend», betont auch die Kellnerin der «Bar 59», die soeben ein Tablett mit Margueritas an einen Bartisch balanciert. Sie fühle sich durch die Polizeipräsenz um einiges sicherer als am vergangenen Samstag.

«Viele sind nun stärker auf das Einhalten der Vorlagen sensibilisiert», sagt der Geschäftsführer der «Küchlin»-Bar, Rui Osorio. Mundschutz trage sein Team wegen der hohen Temperaturen nur noch zum Mittags- und Abendservice. Die Anspannung ist ihm jedoch ins Gesicht geschrieben. Ein Mitarbeiter des «Union Diners» äussert trotz der neuen Einschränkungen Bedenken über das grosse Menschenaufkommen. Wie sich das Partyvolk verhält, wird sich wohl in nächster Zeit weiter bewähren müssen.

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